Auch ifo und HWWA senken Prognosen für Wachstum 2005

- Hamburg/München - Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird im kommenden Jahr nach Einschätzung führender Forschungsinstitute stärker abkühlen als zunächst angenommen. Mit dem HWWA und dem ifo Institut haben am Dienstag bereits fünf der sechs großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für 2005 gesenkt.

<P>Das Münchner ifo Institut geht nur noch von einem Wachstum von 1,2 (bislang 1,7) Prozent aus. Die Zahl der Arbeitslosen werde wohl im Februar die Fünf-Millionen-Marke überspringen, befürchtet ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) rechnet lediglich noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,9 (bislang 1,4) Prozent und ebenfalls mit fünf Millionen Arbeitslose noch in diesem Winter.<BR><BR>In ihrem Herbstgutachten hatten die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute noch ein Wachstum von 1,5 Prozent vorhergesagt. Bis auf das DIW in Berlin haben sämtliche anderen Institute ihre Vorhersagen nach unten korrigiert. Die Bundesregierung geht aber nach wie vor von 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum aus.<BR><BR>"Die Weltwirtschaft boomt wie seit 28 Jahren nicht mehr, doch die deutsche Wirtschaft macht nicht mit", sagte ifo-Präsident Sinn in München. Während weltweit die Wirtschaft in diesem Jahr um 5 Prozent gewachsen sei, komme Deutschland trotz einer günstigen Lage der Feiertage wohl nur auf 1,7 Prozent. Das konjunkturelle Bild werde sich auch weiter nur zögerlich aufhellen. "Die Investitionen werden steigen, aber deutlich weniger, als es bei früheren Aufschwüngen der Fall war, und der private Konsum wird sich etwas beleben", sagte Sinn. Die Exporte dürften nur noch halb so schnell wachsen wie in diesem Jahr.<BR><BR>Zuvor hatte bereits das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel seine Prognose auf 0,8 Prozent von zuvor 1,2 Prozent gesenkt. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) nahm seine Prognose auf 1,3 (bislang 1,8) Prozent zurück, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) auf 1,7 (bislang 1,8) Prozent.<BR>Das ifo Institut erwartet im kommenden Jahr im Schnitt 225 000 zusätzliche Arbeitslose. Die Hartz IV-Reform werde die Arbeitslosigkeit zunächst schneller steigen lassen, längerfristig aber positiv wirken, sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Im Jahresdurchschnitt werde die Arbeitslosigkeit aber höher sein als 2004.<BR><BR>Verglichen mit dem Wirtschaftswachstum des laufenden Jahres von vermutlich 1,7 Prozent sei die Erwartung für 2005 zwar ein Rückgang, doch sei der Unterschied im wesentlichen auch auf die unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen zurückzuführen, lautet die Begründung des HWWA. "Die wirtschaftlichen Erfolge der Reformen brauchen Zeit", sagte HWWAPräsident Thomas Straubhaar. "Der Wind des Wettbewerbs ist ein rauher Wind und kein warmer Wind." Die Hoffnung der Hamburger Konjunkturforscher richten sich weiter auf den Export und die Investitionen der Unternehmen. Im Laufe des kommenden Jahres dürfte die Zahl der Arbeitslosen nach ihrer Auffassung zurückgehen.</P>

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