Auch Manager sollen auf Teil des Gehalts verzichten

- Stuttgart - Trotz neuer Protestaktionen bei Daimler-Chrysler gibt es Hoffnung auf eine baldige Beilegung des Streits um die Einschränkung von Sozialleistungen in deutschen Automobilkonzernen. Eine Lösung erleichtern könnte dabei die am Wochenende bekundete Bereitschaft des Managements von Daimler-Chrysler, auch selbst Einkommenseinbußen hinzunehmen.

<P>Sowohl Konzernchef Jürgen Schrempp als auch der neue Opel-Vorstandsvorsitzende Hans Demant zeigten sich optimistisch über eine bevorstehende Einigung mit den Betriebsräten.</P><P>Am Samstag hatten die Beschäftigten noch die gesamte für diesen Tag vorgesehene Produktion in den Mercedes-Werken Sindelfingen und Untertürkheim lahm gelegt. Dort fielen die kompletten Schichten aus, nachdem der Betriebsrat aus Protest gegen die Haltung der Konzernspitze die Zustimmung zu Überstunden verweigert hatte.</P><P>"Auch ein Manager kann als Tellerwäscher arbeiten, bevor er Geld vom Staat kassiert."<BR>CSU-Chef Edmund Stoiber</P><P>In Sindelfingen hätten am Samstag 12 000 und in Untertürkheim 2500 Beschäftigte arbeiten sollen. Allein in Sindelfingen entfiel durch den Schichtausfall nach Angaben des Gesamtbetriebsrats die Produktion von 1000 Fahrzeugen. Die Konzernspitze droht mit dem Wegfall von 6000 Stellen im Werk Sindelfingen, falls Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro nicht erbracht werden. In dem Fall soll die neue C-Klasse in Bremen und Südafrika produziert werden.</P><P>Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm kündigte für nächste Woche weitere Proteste an. So soll nach Informationen der "FAS" am Dienstag die Spätschicht in Sindelfingen die Arbeit niederlegen. Am selben Tag sollten die Einigungsverhandlungen bei Daimler-Chrysler in die entscheidende Runde gehen. Dabei wolle Klemm anbieten, die im Dienstleistungsbereich tätigen Mitarbeiter künftig schlechter zu bezahlen als die Metaller am Band.</P><P>Mercedes-Chef Jürgen Hubbert sagte, er sei "optimistisch, dass wir uns einigen". Auch Daimler-Chrysler-Konzernchef Schrempp äußerte sich "zuversichtlich, dass wir in Kürze eine Lösung herbeiführen." Der Daimler-Chrysler-Vorstand bietet den Beschäftigten laut einem Unternehmenssprecher an, selbst auf Einkommen zu verzichten, wenn es eine Lösung im Streit um die geplanten Millioneneinsparungen geben sollte. Laut "Bild am Sonntag" will der Vorstand auf zehn Prozent seiner Einkommen verzichten. Für einen Einkommensverzicht der Manager sprachen sich auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kurt Beck, FDP-Chef Guido Westerwelle und CDU-Vizechef Christoph Böhr aus.</P><P>SPD-Chef Franz Müntefering warf den Konzernchefs einen organisierten Angriff auf Arbeitnehmerrechte vor. Manche Unternehmer versuchten, die Ungunst der Stunde zu nutzen, um die Arbeitnehmer zu knebeln. CDU-Chefin Angela Merkel forderte dagegen ein Überdenken der Sonderregelungen in Baden-Württemberg. "Ich kann nur sagen, die Arbeitnehmer müssen vernünftig sein", betonte sie am Sonntag im ZDF. Auch CSU-Chef Edmund Stoiber forderte eine Änderung des umstrittenen Tarifvertrags. "Das Beispiel Daimler-Chrysler zeigt: Tarifverträge, die stündliche Extrapausen und Spätzuschläge ab 12 Uhr mittags festschreiben, passen nicht mehr in die Landschaft", sagte der CSU-Vorsitzende.</P>

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