Auch ohne Forgeard ist die EADS keineswegs sorgenfrei

- München - Die EADS zieht aus der jüngsten Krise nicht nur personelle Konsequenzen. Die Tochter Airbus wird komplett übernommen. Die A 380 und A 350 sollen wieder in Steigflug gehen.

"Wir bringen die EADS zurück auf Kurs", versprach das zur Hälfte neue Führungsduo, bestehend aus dem Deutschen Vorstandschef Tom Enders und seinem französischen Pendant Louis Gallois. Letzterer hat soeben seinen umstrittenen Vorgänger Noë¨l Forgeard abgelöst. Es gelte, im Zuge der jüngsten Krise verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und das in Turbulenzen geratene Großprojekt des Riesenfliegers A 380 zu stabilisieren.

Gelegen kommt der Doppelspitze dabei, dass die EADS-Tochter Airbus wohl bald zu 100 Prozent dem eigenen Konzern gehört und dann vollständig integriert werden kann. Denn ein Fünftel der Anteile hält bislang der britische Partnerkonzern BAe, der an EADS verkaufen will, was bislang am Preis gescheitert war. Diese Hürde ist nun überwunden. Denn die als Schlichter eingeschaltete Investmentbank Rothschild hat für das BAe-Paket einen Preis von 2,75 Milliarden Euro festgelegt.

EADS will in bar bezahlen und die Airbus-Gesellschaft dann sofort enger an den Mutterkonzern binden, schon um zuletzt holprige Entscheidungsprozesse auf einen normalen Standard zu bringen. Denn die vor Jahren aus Konzernen diverser europäischer Länder zusammengebauten Unternehmen EADS und Airbus kranken vielfach immer noch am nationalen Egoismus.

Das haben jüngste technische Probleme beim Mammutprojekt A 380 und dem Langstreckenmodell A 350 gezeigt, wo Schuldzuweisungen an nationalen Grenzen hochschäumten und nicht schnell genug reagiert werden konnte, weil politische Abstimmungsprozesse länger dauern als betriebswirtschaftliche.

Die nötigen organisatorischen Veränderungen bei Airbus und EADS seien in Vorbereitung und ein "gewaltiges Unterfangen", betonten jetzt Enders und Gallois. Unterstützt werden sie ab sofort vom neuen Airbus-Chef Christian Streiff, einem Franzosen. Der übernahm seinen Job vom Deutschen Gustav Humbert, der als Bauernopfer neben Forgeard das Feld räumen musste (wir berichteten).

Auf den ersten Blick ergibt das einen Machtzuwachs der französischen Seite. Weil das Eigenleben von Airbus durch deren baldige Integration in die EADS aber eng begrenzt wird, gilt der Posten eines Airbus-Chefs künftig nicht mehr als so machtvoll. Die EADS müsse nationale Grenzen überwinden, wenn der Konzern auch in Zukunft florieren soll, betonen Enders und Gallois nun ohnehin. Wenn diese Einsicht mehr als ein Lippenbekenntnis sein soll, muss das neue Führungsduo zwei Probleme lösen. Erstens kommen auf das weltgrößte Passagierflugzeug A 380 mittlerweile Lieferverzögerungen von gut einem Jahr zu. Das kostet die EADS nicht nur Ansehen, sondern auch zwei Milliarden Euro. Weitere Verzögerungen müssen unbedingt vermieden und die alten möglichst verkürzt werden. Das ist kein Selbstläufer, weil auch die Produktion des A 380 vielfach am nationalen Proporz und nicht unbedingt an normalen betriebswirtschaftlichen Methoden ausgerichtet ist. Das zeigt der in der Branche einzigartige Teiletourismus, den sich Airbus auch bei der A 380 innerhalb seines europäischen Werksverbunds leistet.

Die zweite Nagelprobe, die Enders und Gallois bestehen müssen, ist das Modell A 350. Auch das ist ein Kind Forgeards und zwar ein weitgehend missratenes. Denn Boeing hat mit seinem Konkurrenzmodell 787 Dreamliner 350 Bestellungen erhalten, doppelt so viele wie die als unambitionierte Sparvariante geltende A 350. Der Airbus muss deshalb vermutlich radikal umgeplant werden, was die EADS Mitte Juli entscheidet.

Für Airbus sind deshalb Verteuerungen von bis zu vier Milliarden Euro im Gespräch, was die Entwicklungskosten schlicht verdoppeln würde. Auch ohne Forgeard ist EADS und ihre Tochter Airbus nicht sorgenfrei.

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