Auch ohne Hilfe vom Chef: Sparen über den Betrieb ist ratsam

- Immer weniger Arbeitgeber spendieren ihren Mitarbeitern noch eine komplette betriebliche Altersversorgung. Im Trend ist, sich höchstens an den Kosten zu beteiligen oder den Beschäftigten die Finanzierung ganz allein zu überlassen. Auch wenn Arbeitnehmer ihre Betriebsrente zunehmend aus eigener Tasche zahlen müssen, raten Experten, sich diese Sparform für den Ruhestand auf keinen Fall durch die Lappen gehen zu lassen.

<P>Wer über den Betrieb spart, dem greift der Staat mit Nachlässen auf Steuern und Sozialabgaben kräftig unter die Arme. "Der Steuervorteil ist wunderbar", betont Susanne Meunier von "Finanztest".<BR><BR>Wo gezahlt wird</P><P>Doch wie kommt ein Arbeitnehmer an eine Betriebsrente? Wer in einem Großunternehmen wie Siemens, Eon oder Allianz arbeitet, muss sich in der Regel keine Gedanken machen. Die Absicherung wird ihm dann automatisch aufgezeigt. Auch Betriebe mittlerer Größe bieten oft ein eigenes Fördermodell oder die Teilnahme an branchenbezogenen Versorgungswerken wie dem "Chemie Pensionsfonds" oder der "Metallrente". Da heißt es dann nur noch "zugreifen", wie Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen meint.<BR><BR>In den vielen kleinen Betrieben in Deutschland sieht es allerdings anders aus - vor allem in Firmen mit weniger als 20 Mitarbeitern. Da ist "Betriebsrente" oft ein Fremdwort, der Chef scheut meist Aufwand und Kosten.<BR><BR>Gehaltsumwandlung</P><P>Wird der Arbeitgeber auch auf Nachfrage nicht aktiv, sollte das Personal das Heft selbst in die Hand nehmen: Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer das Recht auf Gehaltsumwandlung. Er kann verlangen, dass ein Teil seines Einkommens über die Firma für den Ruhestand zurückgelegt statt ausgezahlt wird. Bis zu 1200 Euro Gesamtersparnis an Steuern und Sozialabgaben können für einen Durchschnittsverdiener damit pro Jahr drin sein.<BR><BR>Vor dem Zahltag wird vom Bruttogehalt, Weihnachts- oder Urlaubsgeld eine Summe abgezwackt. In diesem Jahr kann man auf bis zu 2472 Euro vom Lohn verzichten. Steuert der Chef freiwillig noch Geld bei, umso besser. "Wer genug finanziellen Spielraum für das Vorsorgesparen hat, sollte es auch tun", empfiehlt Bieler.<BR><BR>Fünf Wege</P><P>Arbeitnehmer können auf insgesamt fünf Wegen zu einer Betriebsrente kommen: Per Direktzusage, Unterstützungskasse, Pensionsfonds oder -kasse und Direktversicherung. Die ersten beiden Varianten scheiden bei kleinen Firmen in der Regel aus. Kann sich der Chef nicht durchringen, seinem Personal Verträge für Pensionskasse oder Pensionsfonds anzubieten, bleibt dem Arbeitnehmer noch ein letzter Weg: die Direktversicherung. Die muss der Chef auf Wunsch für ihn abschließen. Vorteil für den Arbeitgeber: Sie macht wenig Arbeit. Vorteil für Beschäftigte: Der Löwenanteil der später ausgezahlten Zusatzrente ist steuerfrei.<BR><BR>Lässt sich der Arbeitgeber auf ein Angebot via Pensionskasse oder -fonds ein, gelten folgende Bedingungen: Im Gegensatz zur Direktversicherung kann man dann zwar den Gehaltsverzicht komplett steuerfrei umwandeln und spart bis 2008 häufig auch Sozialabgaben. Dafür muss man seine Betriebsrente im Alter voll versteuern. "Einen Königsweg gibt es nicht", betont Bieler. Wer wählen kann, sollte die Angebote immer sorgfältig abwägen.<BR><BR>Details zählen</P><P>Häufig sind Chefs wie auch Mitarbeiter mit den Details überfordert, wie der Verbraucherschützer weiß. Dazu komme, dass der Markt undurchsichtig sei. "Da sind Berater unterwegs, die das große Geschäft mit Altervorsorgeprodukten machen wollen", warnt Bieler. Die Preis-Leistungs-Unterschiede seien noch größer als im Privatbereich. Lohnenswert ist ein betriebliches Versorgungswerk immer dann, wenn der Chef, die Gewerkschaft oder eine Branche Gruppenrabatte oder Kollektivverträge mit Sonderkonditionen ausgehandelt haben. Allein diese Ersparnis kann schon höhere Erträge bedeuten. Für "Einzelkämpfer" gilt: auf niedrige Abschluss- und Verwaltungskosten achten. Wichtig sind auch die gebotenen Garantieleistungen und das Anlagerisiko. Eine Witwen- und Waisenrente sollte nur dann vereinbart werden, wenn keine Risikolebensversicherung besteht. Extras gehen ins Geld und lassen den Rentenanspruch schrumpfen. <BR><BR>"Manchmal ist auch der Rat optimal: Such dir lieber /ne günstige Direktversicherung", sagt Bieler. Im Übrigen gilt: Privat ist es deutlich sinnvoller, die Riester-Förderung zu nutzen als über den Betrieb.<BR><BR>Wermutstropfen</P><P>Ein Wermutstropfen seit Jahresbeginn: Auf die monatlichen Auszahlungen von Betriebsrenten müssen Rentner neuerdings den vollen Krankenkassenbeitrag zahlen. Bislang war nur der halbe Satz fällig. "Das schadet der ganzen Sache", kritisiert Meunier.<BR></P>

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