Auch ohne Übernahme hoch im Kurs

Puma: - München - Die Übernahmeofferte des Luxuskonzerns PPR für Puma ist weitgehend ungehört verhallt. Dem deutsch-französischen Mode-Duo wird trotzdem eine rosige Zukunft vorausgesagt.

Ein Puma lässt sich nicht leicht einfangen. Das gilt offenbar auch für den gleichnamigen Sportartikelkonzern aus dem fränkischen Herzogenaurach. Den wollen der französische Luxusgüterkonzern PPR und dessen Chef Henri Pinault zumindest mehrheitlich - wenn nicht komplett - aufkaufen und bieten den freien Aktionären dafür 330 Euro je Aktie. Die Offerte der Franzosen war bis zum gestrigen Abend befristet und verhallte weitgehend ungehört. Die Annahmequote lag bis zum Vorabend bei 2,75 Prozent, wie PPR mitteilte.

Das eine oder andere Prozent könnte inklusive einer bis elften Juli laufenden Nachreicheperiode noch dazukommen, schätzt Gerhard Jäger von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). "Auf 50 Prozent oder mehr kommen die aber nicht mehr", ist für ihn klar.

So sehen das auch Bankanalysten, die fast einstimmig raten, nicht zu verkaufen. Kaum jemand glaubt, dass Pinault seine Offerte, die Puma als Ganzes mit 5,3 Milliarden Euro bewertet, in letzter Minute aufstockt oder dass ein Rivale auftaucht, der einen Bieterwettkampf entfesseln könnte. 27,1 Prozent hat der Franzose jüngst von den Tchibo-Erben Daniela und Günter Herz als früheren Puma-Großaktionären übernommen. Dabei dürfte es nun im Wesentlichen bleiben.

Gescheitert sei Pinault bei Puma damit aber nicht, betonen Jäger und andere Experten. Denn mit rund 30 Prozent Aktienanteil könne er angesichts magerer Präsenzen bei Hauptversammlungen dort das Unternehmen erfahrungsgemäß gut kontrollieren. Zudem stellen die Franzosen seit kurzem drei von sechs Puma-Aufsichtsräten inklusive dem Vorsitzenden, was auch dort für das Sagen ausreiche.

Puma-Chef Jochen Zeitz warb für PPR als "idealen Partner" und empfahl Aktionären, die Offerte anzunehmen, weil sie fast ein Fünftel über dem durchschnittlichen Puma-Kurs der letzten Zeit liege. Vergebens - obwohl kaum jemand daran zweifelt, dass Pinault der richtige Partner für die Franken ist. Denn PPR verfügt über viel Knowhow und globale Kontakte in der Luxus- und Modewelt.

Auch ohne PPR haben die Franken eine gute Zukunft, schätzt Jäger. Wenn die mit den Franzosen nun aber noch sonniger wird, habe er natürlich als Aktionärsvertreter nichts dagegen. Die kalte Schulter der Puma-Aktionäre dürfte auch Pinault selbst nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Falls es nicht gelinge, die Franken zu übernehmen, sei er notfalls mit den bestehenden Anteilsverhältnissen zufrieden, stellte der Franzose früh klar. Ein verärgerter Rückzug von PPR droht damit nicht. Allerdings rechnen Finanzexperten damit, dass die Puma-Aktie zeitnah nach dem Auslaufen der PPR-Offerte erst einmal absackt.

Als Zeichen von Schwäche dürfe man das aber nicht interpretieren, warnen sie. Wenn es so kommt, biete das zudem Pinault die Chance, bei Puma doch noch und günstiger aufzustocken, spekulieren einige. An einem mittelfristigen Aufwärtstrend bei Puma zweifelt kaum jemand. Schon jetzt machen die Franken mit Mode drei Viertel aller Umsätze von zuletzt per anno 2,4 Milliarden Euro, haben Analysten errechnet. PPR könne diesen Trend, der steigende Renditen verspricht, befeuern.

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