Auch Radler riskieren Führerschein

Zur Wiesn-Zeit sitzen die Führerscheine wieder recht locker. Wer betrunken nach Hause schwankt, riskiert seine Fahrerlaubnis. Das wissen alle, aber was bei welcher Promille-Grenze geschieht und dass sogar motorisierte Rollstuhlfahrer ihren Schein einbüßen können, ist vielen nicht klar.

Promillegrenzen für Fahrzeuge aller Art

Ein immer noch verbreiteter Irrtum ist, dass einem betrunkenen Radfahrer der Auto-Führerschein nicht "weggenommen" werden könne. Das Alkoholverbot im Straßenverkehr gilt jedoch für Fahrzeuge aller Art, also auch für Fahrräder. Immerhin gelten für Radler etwas großzügigere Promillegrenzen.

Mit 1,6 Promille auf dem Rad ist Schluss

Ein Autofahrer gilt ab 1,1 Promille Blutalkohol als absolut fahruntüchtig und ist, unabhängig davon, ob ein Unfall gebaut wurde oder nicht, seinen Lappen los. Auf dem Fahrrad ist das erst ab 1,6 Promille der Fall. Ferner gelten die Grenzen von 0,5 und 0,8 Promille überhaupt nur für Autofahrer. Dennoch ist das kein großer Vorteil. Denn sobald unter Alkoholeinfluss ein Unfall verursacht wird, reichen auch auf dem Fahrrad - genauso wie am Steuer eines Autos - schon 0,3 Promille aus, um den Schein zu verlieren.

Harte Strafen für Unverbesserliche

Unverbesserliche oder Alkoholgewöhnte gibt es auch unter Fahrradfahrern: Wer mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,92 Promille auf dem Fahrrad erwischt wird, dem kann der Führerschein für sein Kraftfahrzeug sofort entzogen werden. Ist nach dem daraufhin erstellten medizinisch-psychologischen Gutachten nicht zu erwarten, dass der Fahrradfahrer künftig die Wirkung des Alkohols richtig einschätzen wird, so kann er nicht verlangen, die Fahrerlaubnis bis zur Entscheidung im Hauptsacheverfahren zunächst zurückzubekommen. Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht befand, wer derart betrunken auf einem Fahrrad am Straßenverkehr teilnehme, der müsse abwarten, ob in seinem normalen Verfahren gegebenenfalls andere Erkenntnisse zu seinen Gunsten sprechen. (AZ: 12 ME 136/08)

"Trinken" vom "Fahren" trennen

Wird eine Frau nachts um zwei Uhr auf ihrem Fahrrad ohne Licht von Polizisten kontrolliert und stellen die Beamten Atemalkoholgeruch bei der Radlerin fest (ohne dass sie grobe Ausfallerscheinungen hatte), so ist ihr Führerschein für das Auto einzuziehen und erst nach Vorlage eines positiven medizinisch-psychologischen Gutachtens wieder auszuhändigen, wenn die Blutprobe in der Nacht eine Blutalkoholkonzentration von 1,62 Promille ergab.

Der Verdacht sei gerechtfertigt, dass die Frau chronisch Alkohol konsumiere. Erst wenn sie nachweist, Trinken und Fahren trennen zu können, darf sie wieder am Steuer sitzen, urteilte das Verwaltungsgericht Mainz. (AZ 7 L 34/08)

Fahrverbot für Rollstuhlfahrer

Auch einem Rollstuhlfahrer kann der "Führerschein entzogen" werden: Wird ein Rollstuhlfahrer mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,66 Promille angetroffen, so darf gegen ihn ein Fahrverbot verhängt werden. Auch Rollstuhlfahrer nehmen "am Straßenverkehr teil". Für sie ist zwar nicht - wie für Autofahrer - die Promillegrenze von 1,1 als Wert für die absolute Fahruntüchtigkeit anzusetzen. Doch gilt als Maßstab hier der für Fahrradfahrer allgemein anerkannte Grenzwert von 1,6 Promille Alkohol im Blut.

Hier kam das Amtsgericht Löbau zu diesem Ergebnis, weil der Mann - schon mehrfach alkoholisiert auf seinem "Fahrzeug" angetroffen - über einen Rollstuhl verfügte, den er handbetrieben steuern konnte, so dass er "sein gewohntes Privatleben weiterführen" konnte. (AZ: 5 Ds 430 Js 17736/06)

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