Auch Schwarzarbeiter haben Rechte: Arbeitgeber kann das einiges kosten

- Zahlreiche private Haushalte und Firmen haben in den vergangenen drei Jahren bereits Putzfrauen oder Hilfsarbeiter mit einem Minijob-Verhältnis legalisiert. Dennoch vermuten Fachleute, dass nach wie vor zahlreiche Menschen schwarz beschäftigt werden. Für die Arbeitgeber ist das nicht ohne Risiko.

Denn abgesehen davon, dass sie sich unter Umständen strafbar machen, drohen bei Unfall oder Krankheit der Schwarzarbeiter Kosten, von denen kaum einer weiß.

Den 5. Januar wird Svenja K. ihr Leben lang nicht vergessen. Von einer Putzstelle fuhr sie mit dem Fahrrad zum nächsten Job. An einer Kreuzung erfasste sie ein Auto - Schädelbruch. Drei Wochen schwebte sie zwischen Leben und Tod. Doch die Haushaltskraft hatte Glück im Unglück: Inzwischen sind ihre schweren Verletzungen ohne größere Folgen ausgeheilt.

Die gebürtige Bosnierin hatte einen klassischen Wegeunfall, den normalerweise die gesetzliche Unfallversicherung deckt. Doch sie wischte und staubsaugte bei ihren Auftraggebern, ohne irgendwo angemeldet zu sein. Was Svenja K. nicht wusste: Auch als Schwarzarbeiterin war sie gesetzlich unfallversichert. Dafür sorgt § 2 des 7. Sozialgesetzbuchs: "Ferner sind Personen versichert, die wie (...) Versicherte tätig werden." Das heißt, die Berufsgenossenschaft schützt auch den, der nicht registriert ist.

Den unangemeldeten Beschäftigten drohen in Schadensfällen keine Strafen. Doch der Arbeitgeber kann Probleme kriegen. Denn es ist allein seine Sache, den Arbeitnehmer bei der Unfallversicherung anzumelden. Kommt es in solchen Fällen zu einem Unfall, erheben die Kassen rückwirkend für vier Jahre die Versicherungsbeiträge. Zudem droht ein Bußgeld. Und: Seit 2004 kann der Arbeitgeber bei Unfällen, die im Rahmen von Schwarzarbeit geschehen, sogar zum vollständigen Ersatz der entstandenen Behandlungs-, Reha- und Renten-Kosten herangezogen werden. Dazu ist es bislang bei Unfällen in Privathaushalten aber noch nicht gekommen, wie Matthias Triebel vom Bundesverband der Unfallkassen sagt.

Doch schwarz Beschäftigte sind nicht nur unfallversichert, für sie gilt auch das Arbeitsrecht. "Und zwar das volle Programm", sagt Arbeitsrechtsexperte Michael Felser aus Brühl. "Ein Schwarzarbeiter hat Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub, Lohnfortzahlung bei Krankheit und im Urlaub, ebenso auf die Zahlung des vereinbarten Lohns." Das habe auch das Bundesarbeitsgericht eindeutig festgestellt (Az.: 5 AZR 690/01).

In der Praxis läuft das jedoch meist anders. Svenja K. bekam von ihren Arbeitgebern lediglich einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt und 150 Euro zugesteckt. Nach dem Gesetz hätten sie ihr jedoch für sechs Wochen den Lohn weiterzahlen müssen, was einen weit höheren Betrag ausgemacht hätte.

Um dies vor dem Arbeitsgericht einzufordern, hätte Svenja K. aber ihre illegale Beschäftigung etwa durch einen Anruf bei ihrer Krankenkasse offenlegen müssen. Eine Strafe hätte ihr aber auch dann nicht gedroht, da sie neben der Arbeit keine Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld I oder II bezog.

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