Auch MAN verlangt mehr Arbeit

- München - Nach Siemens verlangt nun auch MAN von seinen Mitarbeitern mehr Arbeit ohne Lohnausgleich und droht alternativ mit Stellenverlagerung. Das Personal kündigt Widerstand an. Wie viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, ist noch offen.

<P>Auch die Mitarbeiter des Münchner Mischkonzerns MAN sollen ohne Lohnausgleich länger und flexibler arbeiten, um eine Verlagerung ihrer Stellen ins Ausland zu verhindern. Mit dieser Forderung nach dem jüngsten Vorbild von Siemens konfrontiert Konzernchef Rudolf Rupprecht seine Belegschaft. "Es ist viel konkreter, als wir in der Öffenlichkeit bislang gesagt haben", verriet er zum Stand der Pläne. Über die Zahl betroffener Stellen und Standorte schwieg der Ende 2004 altersbedingt ausscheidende Manager jedoch. <BR><BR>Potenziell seien alle Bereiche des Konzerns betroffen, der Produkte wie Nutzfahrzeuge, Druckmaschinen oder Dieselmotoren baut. "Die Weichen stellen wir dieses Jahr", betonte Rupprecht. Falls es zu keiner Einigung mit den Betriebsräten komme, sei er in seinem letzten Jahr an der MAN-Spitze bereit, den Schwarzen Peter auf sich zu nehmen und zusätzlichen Stellenabbau in die Wege zu leiten. <BR><BR>Bereits angekündigt haben die Münchner das Streichen von rund 1000 ihrer zuletzt noch gut 64 000 Mitarbeiter in diesem Jahr. Davon betroffen sind vor allem die Druckmaschinentochter MAN Roland in Offenbach und die Busproduktion in Salzgitter. Zuletzt hat die Nutzfahrzeugtochter bereits 2000 Stellen aus dem Inland nach Polen und in die Türkei verlagert. Dieser Schritt habe auch angesichts der EU-Osterweiterung eine "Sogwirkung entfaltet" sagte Rupprecht. MAN könne Busse mit den neuen Standorten in Billiglohnländern nun zu Arbeitskosten von sechs bis zehn Euro pro Stunde und damit profitabel bauen, verglichen mit 30 bis 40 Euro zu früheren Zeiten, in denen hohe Verluste erwirtschaftet wurden.<BR><BR>Selbst bei einem Entgegenkommen der Belegschaft sei es, "relativ unwahrscheinlich", alle Stellen in Deutschland zu halten. Er biete den Betriebsräten aber an, Verlustaufträge in die Bücher zu nehmen, um heimische Kapazitäten so weit wie möglich auszulasten, wenn das Personal im Gegenzug zumindest befristet längeren und flexibleren Arbeitszeiten zustimmt, sagte Rupprecht unverblümt. Die Devise lautet wie bei Siemens, wo die Verlagerung Tausender Stellen droht, mehr Arbeit für gleiches Geld. Angelaufen ist diese Diskussion schon am MAN-Standort Augsburg, bestätigte der dortige Betriebsratschef Jürgen Bänsch. Dort verlange das Management eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 38 Stunden, was ohne Ergänzungstarifvertrag mit der Gewerkschaft nicht machbar sei. "Das Verständnis in der Belegschaft ist ausgesprochen gering", stellte Bänsch klar. Denn das Personal bringe bereits Opfer. Man habe vereinbart, wöchentlich ohne Überstundenzuschläge bis zu fünf Stunden mehr zu arbeiten. Für den Abbau der Mehrarbeit seien Zeiträume von mehreren Jahren vorgesehen.<BR></P>

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