Auch die Vermögenden scheuen Aktien

- München - Die Aktienkultur hat in Deutschland stärker Schaden genommen als bisher bekannt. Nicht nur Kleinanleger, die durch Investments in maßlos überbewertete Unternehmen oder in entsprechende Aktienfonds um ihr Erspartes gebracht wurden, meiden Unternehmensanteile mittlerweile - auch die Reicheren meiden entsprechende Investments. Das sagte Stephan Jugenheimer, Mitglied der Geschäfsleitung der Deutschen Bank in München, gegenüber unserer Zeitung. Er ist verantwortlich für die Betreuung von Kunden mit "komplexen Vermögensverhältnissen", wie man in der Branche vermögende Kunden nennt.

<P>Dabei seien das in vielen Fällen erfolgreiche Selbstständige, die Betriebe aufgebaut hätten, bei denen sie wussten, wo man zu wenig Einflussmöglichkeiten habe oder Stellschrauben bewegen könne.</P><P>Das Vertrauen in die bezahlten Manager von Kapitalgesellschaften ist im Mittelstand offenbar nicht ausgeprägt.</P><P>Selbst kleine Aktienbeimischungen im Wertpapierdepot würden kaum angenommen. "Wir sehen, dass Aktien sträflich vernachlässigt werden", sagt Jugenheimer. Vor allem dividendenstarke Titel seien derzeit attraktiv. </P><P>Kunden verlangen vor allem Sicherheit: Kein Vermögensverlust. Da nehmen sie auch eine Begrenzung der Chancen in Kauf. So lassen sich innovative aktiennahe Zertifikate durchaus an den Mann bringen, die einen Vermögenserhalt garantieren, gleichzeitig aber die Chancen begrenzen. "Ohne Innovation sind wir nicht überlebensfähig", sagt Jugenheimer. "Das gilt auch für Angebote am Kapitalmarkt."</P><P>Umgekehrt hat der Trend zur Risiko-Minimierung auch die Ansprüche schrumpfen lassen. Renditen von einigen Prozent lassen sich auch bei geringer Risiko-Neigung erzielen. Wobei sich die vermeintlich sicheren Häfen derzeit nicht unbedingt empfehlen. An den Rentenmärkten sieht auch Stephan Jugenheimer die Gefahr einer Überhitzung und auch bei Immobilien rät er eher zur Zurückhaltung - wegen hoher Leerstandsraten. Doch beobachtet er hier eine emotionale Bindung vieler Menschen. Selbst unrentable Häuser mit Renditen von rund zwei Prozent würden gehalten, weil die Eigentümer daran hängen. Auf 60 bis 70 Prozent schätzt Jugenheimer den Immobilienanteil im Vermögen der gut Betuchten.</P>

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