Auch wenn der Pleitegeier kreist: 92 % können auf Rettung hoffen

- München - Die Zahl der Firmenpleiten steigt immer weiter. Im Februar meldeten deutsche Gerichte 3106 Unternehmensinsolvenzen, das waren 3,8 Prozent mehr als im Februar des Vorjahres. Allerdings fiel der Zuwachs deutlich niedriger als im Januar aus, als er 19,2 Prozent betragen hatte. Das berichtete das Statistische Bundesamt. Unterdessen zeigt eine Studie, dass die meisten Pleiten vermieden werden könnte, wenn sich die Unternehmer entsprechende Hilfsangebote rechtzeitig annehmen.

<P>Für die dramatische Entwicklung im Januar hatten die Statistiker die Lage der Feiertage zum Jahresende 2002 verantwortlich gemacht. Diese habe zur Verschiebung vieler Anträge vom Dezember in den Januar geführt. Damit sind die Februar-Zahlen nicht so ohne weiteres als eine Entspannung der Lage zu deuten.</P><P>Managementfehler sind die Hauptursache</P><P>Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Insolvenzen um 21 Prozent auf 7724 Fälle. Vor allem verschuldete Verbraucher stellten deutlich mehr Anträge, mit knapp 2400 Fällen lag dieser Zuwachs bei rund 65 Prozent. Auch ehemals Selbstständige traten häufiger vor den Insolvenzrichter. Mit 1723 Fällen waren es das sogar 73 Prozent mehr als im Vorjahr.</P><P>Im Januar und Februar mussten damit insgesamt 6351 Unternehmen (plus 11 Prozent) und 9615 übrige Schuldner (plus 49,8 Prozent) Insolvenz anmelden.</P><P>Eine Studie der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) ergab krasse Unterschiede zwischen der Einschätzung von Experten und Unternehmern, die selbst in Bedrängnis geraten sind. Viele Firmenchefs schließen die Augen vor eigenen Fehlleistungen. Demnach gibt jeder zweite betroffene Firmenchef der allgemeinen Wirtschaftslage die Schuld, gut ein Drittel führt die Probleme auf säumige Schuldner oder Fehler der kreditgebenden Bank zurück. Nur 37 % betrachten auch eigenen Fehler und Versäumnisse als eine der Ursachen für die Krise. Die Daten wurden im April 2002 erhoben.</P><P>Nur für 8 % kommt jede Hilfe zu spät</P><P>Die beteiligten Bankenberater, die Mitarbeiter von Kammern und vor allem Unternehmensberater sehen es umgekehrt: 60 % sind der Ansicht, dass vor allem Managementfehler zur Unternehmenskrise führten.</P><P>Dabei könnte man die meisten Unternehmen noch retten, wenn sich die Chefs rechtzeitig um Hilfe bemühten. Bei 57 % konnte der Abwärtstrend gestoppt werden, berichtet DtA-Vorstandssprecher Peter Fleischer. Bei 36 % ging es nach Einleitung der Rettungsmaßnahmen wieder aufwärts, nur für insgesamt 8 % kam jede Hilfe zu spät.</P><P>Die DtA-Hilfsaktionen, die unter "Firmen-Pannenhilfe am Runden Tisch" firmieren, waren ursprünglich nur für die ostdeutschen Länder gedacht; sind aber seit 1998 auch in den alten Ländern möglich. Dabei erstellt zunächst ein unabhängiger Projektbetreuer eine Analyse, welche die Ursachen der Krise aufdecken soll. Mit dieser Analyse in der Hand wird einerseits versucht, die Banken und Gläubiger zum Stillhalten zu bewegen. Andererseits wird mit Hilfe der Kammern sowie Beratern nach Lösungen gesucht.</P><P>Doch es erfahren längst nicht alle Betroffenen von der Möglichkeit des "runden Tisches". Während in den neuen Ländern 71 Prozent der Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, darauf hingewiesen wurden, sind es in den westlichen Ländern nur 57 Prozent. Auch die Hausbanken in Ostdeutschland sind laut der Studie in dieser Hinsicht deutlich aktiver als die westlichen.<BR> <BR>Die Studie im Internet:<BR>http://www.dta.de/<BR><BR></P>

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