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Elektrofahrzeuge: Audi vor radikalem Kurswechsel

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Markus Duesmann, Vorsitzender des Vorstands bei Audi spricht auf der Bilanzpressekonferenz der Audi AG, im Hintergrund ein Audi-Fahrzeug.
Audi-Chef Markus Duesmann gibt einen neuen Kurs vor: Ab 2026 setzt die VW-Tochter komplett auf Elektroantrieb (Archivbild). © Imago / Sepp Spiegl

In fünf Jahren läuft bei Audi das letzte Auto mit Verbrennungsmotor vom Band. Ab da plant die VW-Tochter nur noch mit E-Autos. Ein radikaler Schritt.

Ingolstadt – Fünf Millionen Audi A3 verkaufte der deutsche Autobauer seit den 1990er-Jahren. Bald soll es dieses Erfolgsmodell nicht mehr geben: Ab 2026 produziert die VW-Tochter nur noch reine Batteriefahrzeuge. Selbst Hybridantrieb ist für Audi keine Option mehr. Das geht aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hervor. Sogar das Flaggschiff R8 stellt der Autobauer aus Ingolstadt komplett auf E-Antrieb um. Zumindest bei der Optik bleibt Audi der Tradition treu, Kunden finden die gleichen Formen in den neuen E-Modellen wieder.

Audi: Nur 500 Mitarbeiter waren eingeweiht

Insgesamt hat Audi rund 90.000 Mitarbeiter weltweit, doch nur 500 wussten vom neuen Kurs des Autobauers. Sie entwickelten über Jahre hinweg heimlich, still und leise das neue Konzept. Der Audi-Chef Markus Duesmann gilt als Treiber des Umbruchs, er brachte den Elektromobilitäts-Plan maßgeblich voran. Auch der Mutterkonzern Volkswagen ist an Bord: Herbert Diess, VW-CEO, gilt als Verfechter der E-Mobilität und hat erst kürzlich angekündigt, Volkswagen zum Marktführer in diesem Bereich machen zu wollen. Als Flaggschiff des VW-Konzerns gilt das Modell Trinity.

Audi hat bereits die Modelle Etron und Etron GT und plant einen Geländewagen Q6 mit Elektroantrieb. Für viele kam die Wende dennoch überraschend, denn Audi ist der erste deutsche Autobauer, der so radikal auf E-Mobilität umschwenkt.

Audi: Dieselskandal einer der Gründe für den Kurswechsel?

Der Prozess rund um den Dieselskandal deckte unter anderem auf, dass Audi die Software der Abgasreinigung bei VW mitentwickelte. Der damalige Vorstandschef Rupert Stalder saß zeitweise in Untersuchungshaft. Trotzdem schaffte es Audi vergleichsweise gut, den größten Imageschaden auf die Hauptmarke VW abzuwälzen. Mit dem Kurswechsel in Richtung E-Mobilität könnte Audi jetzt ein neues Kapitel aufschlagen. Doch der Abgasskandal gilt nicht als einziger Grund für die radikale Änderung.

Der Erfolg von Tesla gibt den Weg vor: Der US-Autobauer und Pionier im Bereich E-Mobilität ist mittlerweile mit einer Marktkapitalisierung in Höhe von rund 490 Milliarden Euro wertvoller als Mutterkonzern Volkswagen mit derzeit 133 Milliarden Euro. Doch auch der Kampf gegen den Klimawandel geht an Autobauern nicht spurlos vorbei. Die EU hatte strengere CO2-Regeln auf den Weg gebracht und in den USA sorgt Joe Biden für einen Kurswechsel in puncto Klimaschutz.  Als weiterer Faktor gilt auch der gesellschaftliche Wandel. Denn in der Bevölkerung findet ein Umdenken im Bereich Klima- und Umweltpolitik statt, wie eine Umfrage zeigt:

Audi setzt auf E-Mobilität: So reagiert die Konkurrenz

Im Jahr 2030 könnten Schätzungen zufolge bereits ein Drittel der Neuwagen mit Batterie laufen. Entsprechend reagiert die Konkurrenz: Der US-Autobauer General Motors will ab 2035 keine Verbrenner mehr verkaufen, genau wie Volvo oder Honda, die den Schritt schon etwas früher gehen wollen. In Deutschland hatte auch Volkswagen schon angekündigt, dass 2026 der letzte Produktionsstart auf Verbrennerplattform erfolgen sollte. Selbst Porsche will aus dem Verbrennungsmotor aussteigen, einzige Ausnahme bildet die 911-er-Reihe.

BMW bringt die Modelle iX und i4 heraus, VW hat den ID.3 und ID.4 und bald das Modell Trinity. Bei Mercedes heißt das E-Modell EQS, bei Opel Corsa-e und Zafira-e, die Luxusmarke Porsche hat bereits den Taycan. Trotzdem gibt es Unsicherheiten: Nehmen die Kunden das Angebot an? Was passiert, wenn 2024 doch wieder Trump oder ein Gleichgesinnter an die Macht kommt? Audi-Chef Markus Duesmann scheint das gelassen zu sehen. Für ihn sind Elektroautos die Zukunft.

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