Audi: Ein Bayer beerbt Winterkorn

- München/Ingolstadt -­ Rupert Stadler wird neuer Chef bei der Volkswagen-Tochter Audi. Der Topmanager kann auf eine Hausmacht bauen und vor allem die Fürsprache von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Er ist erst 43 Jahre alt, kein Techniker wie seine Vorgänger, aber dennoch nächster Vorstandschef der wichtigsten Volkswagentochter Audi. Denn dazu wurde Rupert Stadler vom Aufsichtsrat der Ingolstädter Luxuswagenschmiede am Mittwochnachmittag berufen.

Vorerst wird er das neue Amt aber nur "kommissarisch" übernehmen, wie es offiziell heißt. Die endgültige Ernennung soll Anfang kommenden Jahres erfolgen, wie ein Sprecher unserer Zeitung erklärte.

Im eigenen Haus gilt der bisherige Finanzvorstand trotz seiner Jugend als der richtige Mann an der Konzernspitze. Er sei ein ergebnisorientierter Pragmatiker und blicke strategisch über Bilanzzahlen hinaus, beschreibt ihn ein Weggefährte. An der aktuellen und bisher erfolgreichen "Audi-Strategie 2015" habe der gebürtige Bayer maßgeblich mitgewirkt.

In der Öffentlichkeit ist der Nachfolger des an die Spitze des Mutterkonzerns VW wechselnden Martin Winterkorn noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Erst vor drei Jahren war der Diplombetriebswirt und Controllingexperte, der 1990 von Philips zu den Ingolstädtern wechselte, in den Audi-Vorstand aufgestiegen. Als vielversprechendes Talent wurde er zwar schon immer gehandelt. Der jetzige Aufstieg hatte sich aber erst in den letzten Wochen konkret abgezeichnet. Dafür dürfte letztlich das Personalkarussell gesorgt haben, das vom Rückzug Bernd Pischetsrieders aus der VW-Spitze in Gang gesetzt wurde. Stadler nutzt nun die Gunst der Stunde.

Produkte und Image des Hauses sind ihm auch als Finanzexperte nicht fremd. "Ich setze als sportlicher Fahrer lieber den Blinker und überhole", hat er einmal sich selbst charakterisiert und damit nicht nur Fahrweise, sondern auch berufliche Ambitionen gemeint. Wer den stets korrekt gekleideten Brillenträger persönlich kennt, lobt seine klaren Ansagen und seinen unkomplizierten Umgang ohne Berührungsängste.

Intern den Ruf eines Hoffnungsträgers gemacht hat sich Stadler nicht nur in Ingolstadt und Barcelona, wo er zwischen 1994 und 1997 als kaufmännischer Geschäftsführer für VW und Audi aktiv war, sondern auch direkt bei VW in Wolfsburg. Ab 1997 war er dort sechs Jahre lang Bürochef von Ferdinand Piëch und zeitweise auch Leiter der Produktplanung. Diese Stufe seiner Karriere hat sich jetzt wohl als die wichtigste erwiesen. Denn damals hat er sich dem Vernehmen nach das bleibende Vertrauen des heute heimlichen VW-Chefs Piëch erworben. Niemand wird in diesen Tagen offenbar bei VW und Audi etwas ohne den Segen von Aufsichtsratschef und Großaktionär Piëch.

Auch der offiziell noch amtierende Vorgänger Winterkorn soll große Stücke auf Stadler halten. Zudem kommt er mit dem Betriebsrat gut zurecht, was im VW-Imperium ein weiteres Faustpfand ist. "Wir haben ein positives Verhältnis", heißt es aus diesem Kreis. Reibungspunkte gebe es nicht.

Einer Hausmacht kann sich Stadler mit dieser Unterstützung auf breiter Front sicher sein. Problematisch könnte für den Hobby-Ausdauersportler Stadler allerdings werden, falls Winterkorn diverse Audi-Topleute nach Wolfsburg abzieht, um dort den Laden wieder in Schwung zu bringen. Hier sind einige Namen im Gespräch vom Audi-Produktionsvorstand Jochem Heizmann bis zum Chefdesigner Walter de Silva.

"Es kann noch zu einigen Veränderungen kommen", bestätigt einer, der die Verhältnisse bei VW und Audi gut kennt. Wer am Ende wo landet, könne aber auch er noch nicht abschätzen.

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