Audi fordert Platzhirsche heraus

- Ingolstadt - Im Wettbewerb der Premium-Hersteller sieht sich Audi mittlerweile auf Augenhöhe mit den Erzrivalen Mercedes und BMW. "Natürlich vergleichen wir uns", sagte Audi-Chef Martin Winterkorn mit Blick auf die beiden Wettbewerber. Mit der Konzentration auf Sportlichkeit und ein markanteres Design will Audi mit dem A6 und anderen neuen Modellen beim Buhlen um die zahlungskräftige Kundschaft Boden gutmachen.

<P>Bei den Platzhirschen gibt man sich noch gelassen. "Der einzige Wettbewerber, mit dem wir global auf Augenhöhe agieren, ist Mercedes", heißt es bei BMW. Nach Einschätzung in der Branche ist Audi gerade in Westeuropa ein ernster Herausforderer, hat aber in vielen Auslandsmärkten noch Nachholbedarf. So verkauft zum Beispiel BMW in den USA weit mehr als doppelt so viele Autos wie Audi.<BR><BR>Fast alle Hersteller drängen in die hochpreisigen Segmente in der Hoffnung, dass sich diese als resistenter gegen Konjunkturschwankungen und Preiskämpfe erweisen. So rückte auch Audi vom einst eher biederen Auftritt ab und setzt voll auf Sportlichkeit und Hochwertigkeit. Noch geht die Rechnung der Premiumhersteller weitgehend auf. Während viele Massenhersteller 2003 in Schwierigkeiten gerieten, konnten BMW und Mercedes ihr hohes Ertragsniveau halten. Audi musste zwar vor Steuern einen Gewinnrückgang um fast zwölf Prozent auf 1,1 Milliarden Euro hinnehmen. Schuld daran war aber vor allem die Euro-Stärke. Bei Absatz und Umsatz konnte die VW-Tochter neue Bestwerte erzielen.<BR><BR>Dennoch ist der Wind auch in der Premiumklasse inzwischen rauer geworden. Es zeige sich mittlerweile bei den Verbrauchern eine "extreme Zurückhaltung gerade bei hochpreisigen Konsumprodukten", sagte Winterkorn. Umso wichtiger ist da die Produktpalette. Beim Ziel, mit Mercedes und BMW auf einer Stufe zu stehen, ist Audi laut Experten mit dem neuen A6 einen Schritt vorangekommen, dem ersten Modell, das voll die Handschrift von Winterkorn trägt. "Gemeinsam mit dem 5er von BMW bringt Audi jetzt Mercedes in die Bredouille", ist Ferdinand Dudenhöfer, Auto-Professor an der FH Gelsenkirchen, überzeugt. Die E-Klasse sei nicht mehr taufrisch.<BR><BR>Mut macht den Ingolstädtern vor allem der Erfolg des A8, der gerade in Deutschland gegen den wegen seines Designs nicht unumstrittenen 7er von BMW gepunktet hat. Doch so einfach dürfte sich die weitere Aufholjagd nach Einschätzung von Experten nicht gestalten. "Beim A8 hat Audi Glück gehabt, dass der 7er ein Flop ist", sagt Dudenhöfer. Der Abstand zwischen 5er und A6 werde nach seiner Einschätzung bleiben. Im vergangenen Jahr hatte BMW gut 185 000 Autos der 5er-Serie verkauft. Wenn auch der neue Touring voll verfügbar ist, werden es noch einmal deutlich mehr sein. Dem standen 153 000 A6 gegenüber. Mit Hilfe des neuen Modells sollen es im Schnitt 180 000 sein. Darüber thront in jedem Fall Mercedes. Die Stuttgarter verkauften im vergangenen Jahr 305 000 Autos der E-Klasse.<BR></P>

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