Audi: Glänzende Zahlen mit einem bedrohlichen Unterton

- Ingolstadt -­ Das elfte Rekordjahr in Folge, eine Umsatzrendite, von der andere nur träumen können, glänzende Perspektiven für die nahe Zukunft. Doch unter die Zahlen, die der neue Audi-Chef Rupert Stadler gestern verkündete, mischt sich ein bedrohlicher Unterton. Nur weil die VW-Tochter von Rekord zu Rekord eilt, kann Audi in Deutschland die Beschäftigung gerade so halten. Reißt der Exporterfolg einmal ab, wird es auch für Audi-Beschäftigte ungemütlich.

Dabei spricht Stadler von "unserem hochmotivierten Team", nennt es "unser größtes Kapital". Das sind nicht nur leere Worte, sondern zahlt sich für jeden Einzelnen in Euro und Cent aus. Durchschnittlich 3700 Euro Erfolgsbeteiligung bekommen Audi-Mitarbeiter für den Erfolg des letzten Jahres. Dieser bestand in einem Absatzplus von 9,2 Prozent auf 905 000 Fahrzeuge, einem Umsatz, der um 17,1 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro stieg, und einem Gewinnsprung um 63 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro nach Steuern.

Das passt in die ehrgeizigen Pläne, die bereits Stadler-Vorgänger Martin Winterkorn ausgerufen hatte: Bis 2015 will Audi BMW und Mercedes hinter sich lassen und die Nummer eins unter den Premium-Autoherstellern sein. Winterkorns Planzahl von 1,4 Millionen Autos hat Stadler sogar nach oben korrigiert. Auf 1,5 Millionen, eine Zahl, die man sich, so sagt er, "leichter merken kann".

Was aber, wenn es nicht klappt? Das gab Stadler nur indirekt zu verstehen: "Wir werden durch die Optimierung unserer Prozesse bei gleichbleibender Teamstärke mehr Fahrzeuge produzieren. Dieses Volumen-Wachstum ist elementarer Bestandteil unserer Strategie, um unsere Beschäftigung im Hochlohnland Deutschland zu sichern." Das bedeutet im Umkehrschluss: Bleibt der Absatz auf hohem Niveau gleich, werden die Jobs schnell unsicher. Das ist bei Audi derzeit aber nicht in Sicht. Zum einen baut die Ingolstädter VW-Tochter ihre Marktposition in Deutschland aus. 7,6 Prozent sind, wie Vertriebsvorstand Ralph Weyler betont, der höchste Wert seit 27 Jahren. Doch der Jobs sichernde Schub kommt durch Exporte: Vor allem in den wachstumsstarken Märkten sieht sich Audi gut im Rennen und reklamiert die Premium-Marktführerschaft in China und Russland, die Stadler vehement verteidigen will. In Indien wurden im letzten Jahr zwar nur 300 Audis verkauft. Doch im westindischen Aurangabad wird eine lokale Montage in Deutschland hergestellter Teilesätze beginnen. Dies ist der massive Einstieg in einen Markt, den Experten für einen der weltweit interessantesten für Premium-Autos halten.

Damit steht Audi wohl auf absehbare Zeit auf der Sonnenseite der Entwicklung und entgeht bislang dem Schicksal andere Hersteller, die bei stagnierenden Verkaufszahlen bereits jetzt tausende Jobs streichen mussten. Für den VW-Konzern kann die erfolgreiche Tochter in manche Lücke springen. So hat das Brüsseler VW-Werk Chancen auf die Produktion des künftigen Audi-Kleinwagens, dessen Produktion beschlossen wurde, der aber noch keinen Namen hat (inoffiziell ist von einem A1 die Rede). Doch hoffen auch Beschäftigte von VW und Seat in Spanien auf rettende Audi-Aufträge. Doch Stadler betont, dass allein Audi über diese Standort-Frage entscheidet. Die deutschen Fabriken kommen dafür nicht in Frage. In Ingolstadt und Neckarsulm werden derzeit oft bereits zwei Samstags-Schichten gefahren und auch Sonntag ist ein Arbeitstag. Dennoch ist die Beschäftigung in den Deutschen Standorten mit 44 719 (Vorjahr 44 970) leicht rückläufig). Lediglich in Ungarn wuchs die Beschäftigtenzahl spürbar von 5022 auf 5373.

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