Audi-Emblem mit Audi-Schriftzug, fotografiert bei einem Audi-Händler.
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Die Audi AG gehört seit den 60er-Jahren dem Volkswagen-Konzern an.

Audianer_innen

Audi veröffentlicht Gender-Leitfaden und bringt Web in Wallung: „Vorsprung durch A...kriechen“

  • Lena Bammert
    vonLena Bammert
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Der Automobilkonzern Audi stellt seine interne und externe Kommunikation auf geschlechterneutrale Sprache um. Twitter-User gehen steil.

Ingolstadt - „Vorsprung durch Technik“, dieser markante Werbeslogan wurde 1971 für die gehobene Mittelklasse-Limousine NSU Ro 80 entworfen und existiert seitdem als eine Art Leitsatz von Audi weiter. Mittlerweile hat der Automobilhersteller sich seinen Spruch in Europa sogar markenrechtlich schützen lassen. Ein halbes Jahrhundert später taucht jetzt ein ähnlicher Satz bei dem Hersteller aus Ingolstadt auf: „Vorsprung beginnt im Kopf“. Allerdings handelt es sich hier um keine Marketingkampagne, sondern um den Titel eines dreizehnseitigen Dokuments, das für mehr gendergerechte Sprache bei Audi sorgen soll.

Audi: Aus Audianer wird Audianer_innen

Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, besteht das Dokument aus Richtlinien für die interne und externe Kommunikation, die seit dem 1. März gelten. Demnach sollen die Angestellten von dato an Begriffe verwenden, die das generische Maskulinum umgehen oder Begriffe mit einem Unterstrich ergänzen. Aus Audianer wird dadurch beispielsweise Audianer_innen. Dem Bericht zufolge entstand der Leitfaden innerhalb eines Jahres in Zusammenarbeit mit der Organisation Prout at Work, die sich nach eigenen Angaben für eine „sicht-, spür- und erlebbare Öffentlichkeit von LGBT*IQ am Arbeitsplatz“ einsetzt.

»Wertschätzung, Offenheit, Verantwortung und Integrität sind die Basis unserer Unternehmenskultur, dies machen wir auch in unserer Sprache deutlich«, sagte Sabine Maaßen, Vorstandsmitglied der Audi AG der Zeitung. Damit fährt der Automobilhersteller einen anderen Weg als der Mutterkonzern Volkswagen, welcher innerhalb seiner Öffentlichkeitskommunikation noch keine geschlechterneutrale Sprache verwendet, dies aber momentan prüfe, so die Augsburger Allgemeine.

Audi: „Gendergaga“-Diskussionen auf Twitter

Die dreizehn Seiten Leitfaden sorgten auf Twitter für noch mehr Seiten Diskussion. Unter dem Hashtag „Gendergaga“, der zum jetzigen Zeitpunkt (02.03.2021) auf Platz 1 der deutschen Trends firmiert, ging es rund. Die Reaktionen teilen sich dabei deutlich in zwei Lager auf. Die einen bezeichnen den Leitfaden als Spinnerei oder eben „Gendergaga“ und rufen zum Boykott auf, darunter befinden sich viele sehr wütende Nutzer:innen. So reagiert ein Nutzer auf den Beschluss mit den Worten „Vorsprung durch ideologisches Arschkriechen“.

Die anderen beschweren sich über die in ihren Augen homogene Gruppe der weißen, cis-männlichen Boomer, die in ihrer Kritik nur an sich denken würden: „Herzlich willkommen im Boomerland, wo sich alte männliche Wesen über das Gendern aufregen“, äußert sich zum Beispiel eine Nutzerin. Vereinzelt wird auf Twitter auch der Moment genutzt, um weitere Kritik an dem Unternehmen Audi zu äußern. So schreibt eine weitere Person „Cool, dass Audi gendern will. Noch cooler wäre, die Autos nicht so zu konzipieren, dass Frauen eine höhere Verletzungs- und Unfallwahrscheinlichkeit darin haben“. (leb)

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