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Die Aktionäre konnten sich vor der Hauptversammlungs-Halle die Modellpalette von Audi genauer anschauen. Bis 2020 will Audi an die Spitze der Oberklassehersteller und damit an BMW vorbei ziehen. Dafür geben die Ingolstädter eine Menge Geld aus: Bis 2015 investiert die VW-Tochter rund elf Milliarden Euro in neue Fabriken, Autos und Technik.

Autoindustrie

Audi nutzt Erdgas als Ökostrom-Speicher

Neckarsulm - Einen reinen Elektroantrieb für Autos wird es bei Audi auf absehbare Zeit nicht geben. Dafür setzt die Volkswagen-Tochter darauf, überschüssigen Ökostrom in Form von Treibstoff zu speichern.

Audi strebt in eine ökologische Zukunft. Doch anders als beim Münchner Konkurrenten BMW ist ein rein elektrisches Auto wie der kommende BMW i3 beim Ingolstädter Autokonzern nicht in Sicht. Er setzt auf die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotoren in immer mehr Hybrid-Fahrzeugen und auf kohlendioxidfreies Erdgas.

Wie geht das? Erdgas besteht aus Kohlenstoff und verbrennt deshalb unter anderem zu CO2. Dagegen hilft Audi ein Trick: Die Volkswagen-Tochter hat mit Hilfe der Konzernschwester MAN im Emsland die größte „Power-to-Gas-Anlage“ der Welt gebaut, wie Audi-Chef Rupert Stadler auf der Hauptversammlung am zweitgrößten Audi-Standort Neckarsulm erläuterte. Durch diese Anlage „wird das Gas zu einem praktikablen Speichermedium für Strom neben der Batterie“, sagte er. Denn die Anlage im Emsland verwandelt unter Einsatz von Windstrom Wasser und Kohlendioxid in Methan, das auch Hauptbestandteil des fossilen Erdgases ist. Am Auspuff wird, so Stadler, „nur so viel CO2 freigesetzt, wie vorher gebunden wurde“. Das Gas wird ins Erdgasnetz eingespeist und kann daraus gezapft werden.

Mit dem A3 G-Tron nimmt der Autohersteller im laufenden Jahr auch ein passendes Erdgas-Auto ins Sortiment. Langstrecken-Probleme wie beim Batteriefahrzeug gibt es nicht. Die Reichweite liegt laut Stadler bei 1300 Kilometern pro Tankstopp. Doch ein zweites bisheriges Grundproblem der Elektromobilität löst Audi damit auch nicht: Konkurrenzfähig ist Erdgas als Stromspeicher bei weitem noch nicht. Trotz des überschüssigen und damit billigen Stroms ist allein das Verfahren noch viel zu teuer. Anlagen, die elektrische Energie im industriellen Maßstab und damit kostengünstiger in Form von Erdgas speichern könnten, gibt es derzeit nicht. Audi will auch nicht unter die Energie-Erzeuger gehen, wie Stadler versicherte. „Es geht uns um den Beweis der Machbarkeit“, sagte er.

Dabei setzt Audi auch noch auf andere synthetische Treibstoffe. In New Mexico (USA) baut der Autobauer gerade eine Demonstrationsanlage zur Produktion von E-Ethanol. Anders als der Alkohol, der dem deutschen Benzin beigemischt wird, basiert er nicht auf Feldpflanzen. Die CO2-Bilanz sei besser als bei fossilem Kraftstoff, sagte Stadler. „Außerdem verbraucht dieses Verfahren keine Biomasse, keine Ackerfläche und kein Trinkwasser.“

Die Aktionäre folgten dem Kurs von Vorstand und Aufsichtsrat uneingeschränkt. Das gilt nicht nur für 99,95 Prozent der Aktien, die dem übermächtigen VW-Konzern ohnehin gehören. Auch eine deutliche Mehrheit der Kleinaktionäre stellte sich hinter den Aufsichtsratsvorsitzenden Martin Winterkorn und Konzernchef Rupert Stadler. Auch bei der Wahl des Aufsichtsrates. Dieser ist nun noch deutlicher vom VW-Mehrheitseigner dominiert. Mit der Wahl von Ursula Piëch, der Frau von Ferdinand Piëch, stellen die Familien Porsche und Piëch jetzt fünf der zehn Kapitalvertreter im Kontrollgremium. Vier weitere sind Vorstandsmitglieder von VW. Ursula Piëch übernimmt den Posten von Christine Hawighorst, Staatskanzleichefin der abgewählten früheren niedersächsischen Staatsregierung.

Audi machte 2012 mit weltweit knapp 69 000 Mitarbeitern fast 49 Milliarden Euro Umsatz.

Von Martin Prem

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