Audi-Team übernimmt VW-Steuer

- Wolfsburg/Ingolstadt - Ein Team von ehemaligen Audi-Managern übernimmt die Macht bei Volkswagen: Der Aufsichtsrat stimmte weitgehenden Umbauplänen des neuen Konzernchefs Martin Winterkorn zu, die zahlreiche Topmanager aus dem oberbayerischen Ingolstadt an Schaltstellen in Wolfsburg bringen. Winterkorn selbst leitete bis vor zwei Wochen die VW-Tochter Audi und zieht nun eine in der deutschen Autoindustrie ungewöhnliche Machtfülle an sich.

Dagegen verlässt der bisherige VW-Markenchef Wolfgang Bernhard den Konzern. Seine Aufgaben übernimmt Winterkorn zusätzlich zur Konzernleitung. Außerdem übernimmt Winterkorn auch noch die Zuständigkeit für Forschung und Entwicklung im Konzern und entmachtet so die Marken.

Winterkorn schafft weiter ein neues Konzernressort Produktion und besetzte es mit seinem Vertrauten Jochem Heizmann, der bisher die Audi-Werke leitete. Zwei weitere Schaltstellen in Wolfsburg gehen ebenfalls an Audi-Manager: Entwicklungschef der Marke Volkswagen wird Ulrich Hackenberg, oberster Pressesprecher wird Audi-Kommunikationschef Stephan Grühsem. Ein Konzern-Vertriebsressort wird neu geschaffen, aber erst später besetzt. Die bisherigen Markengruppen werden aufgelöst.

Die neue Leitungsstruktur von VW erinnert an die Aufstellung zu Zeiten des damaligen Konzernchefs Ferdinand Piëch, der heute den Aufsichtsrat führt. Piëchs Nachfolger Bernd Pischetsrieder hatte ab 2002 die Leitungsebene behutsam umgebaut und den Marken mehr Verantwortung überlassen. Diese Entwicklung wird mit den Entscheidungen vom Donnerstag weitgehend zurückgedreht. Der Konzern verspricht sich von der Neuordnung nach einer Mitteilung höhere Synergien.

Prominentestes Opfer der Rochade ist Bernhard, er verlässt laut Mitteilung "im gegenseitigen Einvernehmen" noch zum Monatsende den Konzern. Der Ex-Daimler-Chrysler-Vorstand war seit Februar 2005 Vorstandsmitglied bei Volkswagen und gilt in der Branche als harter Sanierer. Er hatte zusammen mit dem jetzigen Daimler-Chrysler-Vorstandschef Dieter Zetsche Chrysler saniert.

Dann wechselte er zu Volkswagen und ging dort unter Vorstandchef Pischetsrieder erfolgreich die Restrukturierung der Traditionsmarke an. Nachdem Bernhards Förderer Pischetsrieder gehen musste, galt der Stuhl von Bernhard als wackelig. Bernhards Vertrag wäre noch drei Jahre gelaufen und hätte ihm Millionenbezüge gesichert. Über eine Abfindung für ihn wegen des früheren Abgangs wollte ein Konzernsprecher sich nicht äußern.

Zu Jahresbeginn 2007 hatte Bernhard das Sanierungsziel weitgehend erreicht: Die Kosten sanken kräftig, Absatz und Gewinn steigen, neue zusätzliche VW-Modelle drängen auf den Markt.

Hintergrund des Umbaus ist offenbar der Machtzuwachs von Aufsichtsratschef Piëch in den letzten anderthalb Jahren. Piëch hatte mehrfach Pischetsrieder düpiert, etwa indem er gegen Pischetsrieders Willen Horst Neumann als Personalvorstand durchsetzte.

Winterkorn ist dagegen ein Vertrauter von Piëch. Winterkorn war unter Piëch Entwicklungsvorstand in Wolfsburg. Piëch ist Großaktionär beim Sportwagenbauer Porsche. Porsche wiederum hat sich seit 2005 den größten Anteil an Volkswagen zusammengekauft.

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