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Der Geländewagen vom Typ Q5 läuft künftig auch in Mexiko vom Band. Audi baut dafür für 900 Millionen Euro eines der modernsten Autowerke der Welt.

Audis neues Werk: Vier Ringe über Mexiko

San José Chiapa - Audi baut sein erstes Werk in Amerika. Ab 2016 sollen in Zentralmexiko Geländewagen vom Typ Q5 vom Band rollen. Zahlreiche Zuliefererbetriebe und günstige Mitarbeiter machen das Land für Autohersteller attraktiv.

Großer Bahnhof mitten im staubigen Nirgendwo des mexikanischen Bundesstaats Puebla: Der Gouverneur, der mexikanische Bundeswirtschaftsminister, Botschafter und der halbe Audi-Vorstand fliegen per Hubschrauber ein, um einen Grundstein zu legen. In drei Jahren soll darauf eines der modernsten Automobilwerke der Welt und darum herum eine neue Stadt entstanden sein.

VW seit 50 Jahren in Mexiko

Die Bewohner des staubigen Nestes San José Chiapa haben „das große Los“ gezogen, meint der mexikanische Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo. Hier auf der kargen Hochebene sollen schon in drei Jahren rund 3800 Menschen jährlich 150 000 Autos produzieren. Inklusive der indirekten Beschäftigungsmöglichkeiten soll die neue Audi-Fabrik 20 000 Jobs schaffen.

Kein Wunder, dass die mexikanischen Politiker Audi-Vorstandschef Rupert Stadler bei der Grundsteinlegung immer wieder umarmen und die Einheimischen ihr Dorf in froher Erwartung bereits „San José Audi“ nennen. Der Bundesstaat Puebla profitiert bereits seit mehr als 50 Jahren von der Anwesenheit des VW-Konzerns, was zu sichtbar mehr Wohlstand als in anderen Regionen des Landes geführt hat.

So gottverlassen wie die Gegend rund 50 Kilometer von der Provinzhauptstadt Puebla entfernt für unkundige Besucher anmutet, ist sie in den Augen der Audi-Manager nicht. Das VW-Werk Puebla, in dem mehr als 15 000 Beschäftigte etwa 450 000 Fahrzeuge im Jahr produzieren, ist nur 60 Kilometer entfernt. In der Mitte zwischen den Fabriken von VW-Mutter und Audi-Tochter soll ein Gewerbepark entstehen, aus dem Zulieferer beide Werke beliefern können.

Dennoch ist die Investition von 900 Millionen Euro auf dem 4000 Hektar großen Gelände durchaus ein Wagnis. Mexiko ist zwar als Automobilherstellerland durchaus bewährt und steht als solches an fünfter Stelle in der Welt, doch wird bislang nur Massenware produziert. Das teure Premium-Segment war bisher nicht vertreten und Audi muss alles daran setzen, dass seine Produkte made in Mexico nicht durch Qualitätsmängel auffallen.

Gebaut werden soll in Mexiko ausschließlich der Q5. Nur ein kleiner Teil davon wird dort bleiben. Der weitaus größte Teil der Produktion ist für den Export nach Europa, Asien und die USA sowie Kanada vorgesehen. Mexiko ist ein ideales Exportland: Mit mehr als 40 Länder der Welt bestehen Zoll- und Freihandelsabkommen. Freilich hat auch das niedrige Lohnniveau in Mexiko die Standortentscheidung beeinflusst. Man spricht von sieben Dollar Lohnkosten pro Stunde.

Jährlich 150 000 Fahrzeuge des mittleren Audi SUV-Fahrzeugs sollen in San José Audi vom Band rollen. Die Werkshallen bedecken dabei nur etwa zehn Prozent des riesigen Geländes am Ende des „Audi-Highway“. Das Areal in der Größe von 400 Fußballfeldern haben sich die Ingolstädter zu offensichtlich sehr günstigen Bedingungen gesichert. Wenn es der Markt hergibt, kann die Produktion an diesem Standort verdoppelt werden, verrät Audi-Vorstand Bernd Martens.

Neues Werk auch in Brasilien?

Und auch, dass man in der Ingolstädter Konzernzentrale bereits über eine weitere Produktionsstätte auf dem amerikanischen Kontinent nachdenkt, nämlich in Brasilien. Die Audi-Mutter VW ist schon lange dort, weshalb „sehr interessante Synergieeffekte“ genutzt werden könnten.

Das Audi-Werk in Mexiko wird die 13. Produktionsstätte der Premium-Marke innerhalb des VW-Konzerns sein und gleich von Anfang an die modernste und eine der größten. Einen Rekord bricht das Werk in San José auf jeden Fall: Es liegt auf 2400 Metern Meereshöhe und ist damit der höchste Audi-Standort.

Und die Staatspolizei von Puebla ist die erste, die den Audi Q5 als Streifenwagen fahren darf. Wenn auch erstmal nur einen. Den schenkte Audi-Chef Stadler zur Grundsteinlegung Gouverneur Valle.

Von Ralf Müller

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