Aufatmen an den Flughäfen - Lufthansa-Streik endet nach fünf Tagen

Frankfurt/Main - Aufatmen an den Flughäfen: Der Streik bei der Lufthansa, der mitten in den Sommerferien zunehmend die Pläne der Reisenden durcheinanderwirbelte, ist beendet. Nach fünf Tagen Arbeitskampf fanden die Gewerkschaft ver.di und die Lufthansa einen Kompromiss, der in den nächsten beiden Jahren deutliche Gehaltssteigerungen vorsieht. Damit kann sich der Flugverkehr in den nächsten Tagen wieder normalisieren.

Jeder zusätzliche Streiktag hätte die Folgen immer schlimmer werden lassen und bei der Lufthansa weitere Millionenschäden verursacht. Zuletzt standen bereits rund 40 Prozent der teuren Langstreckenflotte am Boden: Techniker hatten die Wartung der Großraumflugzeuge vom Typ Boeing 747 oder Airbus A340 verweigert. Zwar sah der Notfall-Flugplan bisher nur die Streichung von 28 der täglich etwa 150 Flüge auf den Langstrecken vor, doch weitere Flugausfälle waren absehbar.

Der Tarifabschluss lässt nun beide Seiten das Gesicht wahren. Für ver.di zählt vor allem die Lohnsteigerung von zusammen 7,4 Prozent. Sie liegt auch bei Umrechnung aufs Jahr mit 4,2 Prozent noch in der Spitzenliga der diesjährigen Tarifabschlüsse in Deutschland. Und für Lufthansa ist die lange Laufzeit bis 2010 wichtig - dadurch gibt es Planungssicherheit. Insgesamt hatte der Streik nicht das befürchtete Chaos gebracht, das viele mitten in der Urlaubssaison erwartet hatten. Durch die gezielte Reduzierung des Flugplans konnte Lufthansa die Kunden rechtzeitig informieren und umbuchen. Und ver.di konnte mit den Streik-Schwerpunkten bei der Technik verhindern, dass sich der Zorn gestrandeter Touristen gegen die Gewerkschaft richtete.

Nur die Einigung in der Stahlindustrie mit einem Lohnplus von 5,2 Prozent ist nach Angaben von Tarifexperten zuletzt noch höher ausgefallen. "Gegenüber der Industrie liegt der Abschluss am oberen Rand, aber auch im Dienstleistungsbereich ist er mit am höchsten", sagte Tarifexperte Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). "Er ist ein großer Erfolg für ver.di und eine finanzielle Belastung für die Lufthansa."

Dabei sind die Experten unterschiedlicher Meinung, ob Lufthansa die Mehrkosten des Abschlusses von rund 100 Millionen Euro jährlich gut wegstecken kann. "Die Ertragslage der Lufthansa ist ganz ausgezeichnet", sagte der Tarifexperte der gewerkschaftsnahen Hans- Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck. "Zudem waren die Abschlüsse der vergangenen Jahre sehr bescheiden. Ich sehe keine ökonomischen Risiken aus diesem Abschluss."

Dagegen meint Tariffachmann Lesch, der Abschluss bei der größten deutschen Airline komme zur Unzeit, weil die Luftfahrtbranche derzeit unter steigenden Kerosinkosten und dem konjunkturellen Abschwung leidet. "Ein Unternehmen, das mit steigenden Lohnkosten in einen Abschwung geht, reagiert darauf mit Stellenabbau", warnte der Leiter des Referats "Tarifpolitik und Arbeitskämpfe" des arbeitgebernahen Instituts in Köln.

Allerdings habe die Airline sich mit dem Kompromiss ein drohendes Problem vom Hals geschafft: "Lufthansa verhindert, dass sich aus ver.di noch mehr Berufsgruppen abspalten, wie zum Beispiel die Techniker", sagt Lesch. Der Konzern sei bereits jetzt mit mehreren konkurrierenden Gewerkschaften konfrontiert. "Die schaukeln ihre Lohnforderungen auf." Neben der Gewerkschaft ver.di sind bei Lufthansa die Vereinigung Cockpit für Piloten und die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) für das Kabinenpersonal aktiv. UFO hatte bereits angekündigt, kommendes Jahr 15 Prozent mehr Lohn und damit deutlich mehr als ver.di durchsetzen zu wollen. Ob dies nun nach dem Abschluss der insgesamt deutlich größeren Gewerkschaft ver.di noch gelingt, gilt als höchst fraglich.

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