Gold als Geldanlage

Das Aufgeld schmälert die Rendite

Während Aktienkurse nach unten rasseln, flüchten Anleger ins Gold. Minibarren und Münzen sind beliebt, weil Anleger das Edelmetall in die Hand nehmen können. Doch nicht alle Goldmünzen sind als Geldanlage interessant.

Als der Zimmermann James W. Marshall 1848 am American River in Kalifornien eher zufällig Gold fand, waren die Massen nicht zu halten: Vom „Goldrausch“ betäubt, segelten Tausende um das Kap Hoorn oder nach Panama, von wo es dann zu Fuß oder mit dem Wagen weiterging. Andere durchquerten Prärie und Rocky Mountains, um die Fundstellen zu erreichen.

Wer dem Reiz des Goldes heute erliegt, hat es leichter. Hausbanken, Juweliere und Edelmetallhändler bieten Gold in Barrenform oder als Münzen an. Geduld ist heute wie damals gefragt: „Wir verzeichnen hohe Umsätze, und teilweise können wir einige Produkte nicht in ausreichender Stückzahl liefern“, sagt Martin Siegel, Gründer und Geschäftsführer des Edelmetallhandelshauses Westgold.

Derzeit kämen auf einen Verkäufer fünf Kaufinteressenten – und die warten darauf, dass das glänzende Metall neue Spitzenpreise erzielt. Derzeit pendelt der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) um 940 Dollar, in den vergangenen Tagen hat Gold mehrfach die 1000-Dollar-Grenze getestet. Analysten halten einen Anstieg auf 1200 Dollar in diesem Jahr für möglich.

Ein Depot und besondere Anlegerkenntnisse werden nicht benötigt, der Käufer zahlt einfach und bekommt seine Anlage in die Hand. Sie kann leicht weitergegeben werden, und Renditen sind nach einem Jahr steuerfrei. Einige Goldstücke erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit: „Bei uns werden besonders oft Goldbarren zu 100 Gramm oder die Unzenmünzen Krügerrand aus Südafrika oder der Maple Leaf aus Kanada nachgefragt“, sagt Robert Hartmann vom Münchner Edelmetallhandel „Pro Aurum“. Auch für „Westgold“-Chef Siegel sind diese Objekte Verkaufsrenner.

Als Faustregel gilt: Je höher der Unterschied zwischen dem Verkaufspreis der Bank und dem Ankaufspreis ist, desto schwieriger wird es, mit der Goldanlage Rendite zu erzielen. Wer Gold kauft, rutscht mit seiner Anlage erst ins „Minus“: Schuld ist das Aufgeld, der sogenannte „Spread“, der beim Kauf fällig ist und in den Kaufpreis eingerechnet wird. Das Aufgeld auf den reinen Goldwert liegt in Deutschland zwischen zwei (bei Goldbarren von 100 bis 1000 Gramm) und fünf Prozent (bei Unzenmünzen). Anleger müssen also eine Kurssteigerung von mehreren Prozent abwarten, bis sie von der Bank den Kaufpreis wiederbekommen würden.

Deshalb eignen sich nicht alle Goldmünzen als Anlage: Neben klassischen Anlegeunzen bieten Banken und Edelmetallhändler in Deutschland Münzen an, die sonst nur im Museum oder in Opas Album zu bewundern sind. Dazu gehören etwa die zwanzig Goldmark mit dem Preußenkönig Wilhelm und Jahreszahlen um 1900, die bei der Commerzbank zu haben sind, oder auch Kronen und Dukaten. Aufgelder von bis zu 60 Prozent vermiesen hier die Renditeaussichten für Jahre.

Ähnlich sieht es bei Goldbarren in kleiner Stückelung aus. Um auch unerfahrenen Kunden das Investment in Gold zu erleichtern, bieten Schmuckhändlerketten wie „Gold Meister“ „Chip-Gold“ an – einen Goldbarren zu einem, zweieinhalb oder fünf Gramm, eingeschweißt in eine handliche Plastikkarte. Auch Banken bieten Goldplättchen an. Von derartigem Miniaturgold rät Siegel jedoch ab: „Die Aufgelder bei kleinen Barren sind zu hoch.“ Hintergrund sind die Herstellungskosten. Gerade bei kleinen Anlegermünzen entstehen schnell Differenzen von 30 bis 40 Prozent, die nur schwer zu überwinden sind. „Kleine Nominale eignen sich als Geschenk, aber nicht zur Geldanlage“, warnt Siegel.

Sebastian Wieschowski

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