Aufregung um Stabilitätspakt lässt den Euro völlig kalt

- München/Frankfurt - Just an dem Tag, an dem viele vom Tod des europäischen Stabilitätspakts sprachen, setzte der Euro, um den sich alle so sorgten, zum Höhenflug an. Wie zum Hohn kletterte die europäische Währung am Abend deutlich über 1,19 US-Dollar - in die Nähe seines Allzeithochs. Der Verzicht auf EU-Sanktionen gegen die Defizitsünder Deutschland und Frankreich lässt den Devisenmarkt kalt. Von einer Euro-Vertrauenskrise ist jedenfalls nichts zu spüren, ganz im Gegenteil.

<P>Dies erscheint auf den ersten Blick verwunderlich, da gerade der Stabilitätspakt sicherstellen soll, dass der Euro auf Dauer eine harte Währung bleibt. </P><P>Die Devisenhändler zeigten im Gegensatz zu den Politikern eine überaus entspannte Reaktion. Der Stabilitätspakt sei für sie "kein so großes Thema", meint der Währungsexperte Nikolaus Keis von der HypoVereinsbank in München. Die Finanzmärkte in den tonangebenden angelsächsischen Ländern würden dem Thema Stabilität bei weitem nicht die Bedeutung zumessen, wie dies hier zu Lande der Fall sei. Viel interessanter sei der Blick auf die Konjunktur - und hier stehen die Zeichen auf Aufschwung. </P><P>Außerdem sind sich Wirtschaftsexperten keineswegs einig, dass der Bruch des Verschuldungskriteriums tatsächlich den Sündenfall bedeutet. Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm zum Beispiel findet die Aussetzung des Defizitverfahrens richtig. "Eine Sanktion wäre sehr teuer gekommen." Deutschland müsse die Defizitgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erneut überschreiten, "um der Konjunktur nicht noch weitere Nahrung zu entziehen", sagte er der "Berliner Zeitung".</P><P>Selbst der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, der die EU-Entscheidung heftig kritisierte, erwartet kurzfristig keinen Einfluss auf die Stabilität des Euro. "Die Amerikaner haben im nächsten Jahr eine Wahl, und dort wird man einen starken Dollar nicht haben wollen."</P><P>Verschärfte Sparmaßnahmen hätten den Konjunkturaufschwung in der Eurozone gefährdet, meint der Devisenexperte bei Helaba Trust, Stefan Klomfass. Und: "Es gibt in der Eurozone keine Inflationsprobleme, es gibt Wachstumsprobleme."</P><P>Eigentlich hätte der Dollar gestern von glänzenden Konjunkturdaten profitieren müssen. Der viel beachtete Einkaufsmanagerindex für Chicago war deutlich stärker als erwartet gestiegen. Auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen günstig aus. All das beeindruckte den Devisenmarkt aber nicht. Offenbar misstrauen viele Händler der US-Wirtschaft, zumal diese derzeit vorrangig von den masiven Steuersenkungen genährt wird. Das ohnehin schon enorme Handelsdefizit der USA dürfte den Dollar weiterhin belasten.</P><P>Manche Experten meinen jedoch, dass die hohe Verschuldung der größten Euro-Volkswirtschaften und die Aufweichung des Paktes den Euro belasten werden, sobald diese US-Themen aus dem Blickfeld verschwunden sind. Der Stabilitätspakt drohe zu einem "Schönwetterpakt" zu verkommen. Deshalb plädiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung dafür, das "Aussetzen" des Stabilitätspaktes so kurz wie möglich zu halten. Der Pakt sei zwar nicht perfekt, aber ohne ihn wären die Defizite noch höher.<BR></P>

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