Aufs Abstellgleis schon mit 48

- München - Trotz zunehmender Überalterung der Gesellschaft ist nur etwa ein Drittel der deutschen Unternehmen bereit, Bewerber über 48 Jahren einzustellen. Das ergibt eine aktuelle Studie der Münchener Unternehmensberatung CGC.

<P>Die Generation der 35- bis 49-Jährigen stellt derzeit in Deutschland mit 38 Prozent das Gros der Erwerbstätigen. Das Durchschnittsalter der Deutschen wird laut Statistischem Bundesamt ab 2010 aber drastisch ansteigen, sodass in etwa 15 Jahren die 50- bis 64-jährigen Arbeitnehmer in der Mehrheit sein werden - vorausgesetzt, die Unternehmen stellen sich rechtzeitig auf die veränderte Altersstruktur ein. Bisher werden ältere Arbeitnehmer oder Bewerber von der Mehrheit der Unternehmen links liegen gelassen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie der Münchner Unternehmensberatung CGC, die jetzt vorgelegt wurde. Seit Anfang Juli wurden dafür 600 deutsche Geschäftsführer, Vorstände und Personalchefs befragt. Interessantestes Ergebnis: 58 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten in den letzten Monaten keinen Mitarbeiter über 48 mehr eingestellt, sondern nur Jüngere. Sieben Prozent der Befragten haben zuletzt überhaupt nicht mehr eingestellt. <BR><BR>Unternehmen gestehen älteren Mitarbeitern zwar durchaus Vorzüge zu. Mehr als zwei Drittel der Befragten schätzen Erfahrung, Urteilsvermögen und ein berufliches Netzwerk bei den Älteren als positiv ein. Einen Job verschaffen diese Fähigkeiten Bewerbern über 48 aber in den selteneren Fällen. Wer dennoch eingestellt wurde, hat die Personaler "mit Teamfähigkeit, Flexibilität und Aufgeschlossenheit sowie Ideen und Innovationskraft überzeugt - also Eigenschaften, die als jugendlich gelten", so Claus Goworr, Geschäftsführer von CGC. <BR><BR>Auch wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht, ließen sich deutsche Personalchefs vom "Jugendwahn" leiten. "Stärken wie Dynamik, Flexibilität und Offenheit sind ihnen wichtiger als Erfahrung", kritisiert Goworr. <BR><BR>Widerspruch gegen diese These kommt vom Autobauer BMW: "Bei uns haben auch ältere Bewerber eine Chance", versichert Firmensprecher Eckhard Wannieck. Der Konzern achte auf eine ausgewogene Bewerberstruktur. Vor allem bei den Einstellungen für das neue Werk in Leipzig werde dieses Prinzip verfolgt. <BR><BR>Bei der HypoVereinsbank gibt es dagegen keine grundsätzliche Regel, wie eine Stelle zu besetzen ist: "Entscheidend ist die passende Qualifikation eines Bewerbers", so Pressesprecher Ralf Horak. Ob eher ein Älterer oder ein Jüngerer eingestellt wird, hänge auch vom "konkreten Profil der Stelle ab", so Horak weiter.<BR><BR>Auch die IHK München und Oberbayern will die Ergebnisse der Studie nicht pauschal gelten lassen: "Die IHK wirbt seit drei Jahren dafür, auch ältere Bewerber einzustellen", so Geschäftsführer Peter Kammerer. Dennoch bekämen ältere Bewerber die schlechte Lage am Arbeitsmarkt eher zu spüren als die Jüngeren. Kammerer fordert daher, dass mehr Bewegung in den starren deutschen Arbeitsmarkt kommt - zum Beispiel durch eine Lockerung des Kündigungsschutzes. Dann hätten auch ältere Bewerber wieder mehr Chancen. Laut der Konjunkturumfrage der Kammer würden aber ohnehin nur acht Prozent der Unternehmen neu einstellen. <BR><BR>Von der Studie bestätigt sieht sich Ralf Mattes vom DGB-Bayern. Neueinstellungen von älteren Mitarbeitern müsse man "mit der Lupe suchen", so Mattes weiter. Dass Personalchefs die Erfahrung dieser Leute nicht mehr abrufen, sei bedauerlich. "Unternehmen tun sich keinen Gefallen, wenn sie Ältere ausgrenzen", so Mattes weiter.<BR><BR></P>

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