Aufschwung kommt nur langsam im Geldbeutel an

Wiesbaden - Das kräftige Wachstum der deutschen Wirtschaft ist im vergangenen Jahr längst nicht bei allen Arbeitnehmern im Geldbeutel angekommen.

Kräftige Zuwächse gab es vor allem in der ostdeutschen Eisen- und Stahlindustrie. Die Beschäftigten der Branche bekommen seit Oktober 3,6 Prozent mehr Geld und erhielten zusätzlich eine Pauschale von 150 Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Frankfurt berichtete. Die deutsche Wirtschaftsleistung hatte im vergangenen Jahr - bereinigt um Inflation - um 3,6 Prozent zugelegt - allerdings nach einem Minus von 4,7 Prozent im Krisenjahr 2009. Tarifsteigerungen von 3 Prozent und mehr wurden im vergangenen Jahr auch in der Kunststoffverarbeitenden Industrie in Baden-Württemberg (+ 3,3 Prozent ab November 2010 plus 140 Euro Pauschale) und in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (+ 3,0 Prozent ab Januar 2011) erzielt. Doch nicht alle Neuabschlüsse brachten den Arbeitnehmern deutliche Lohnzuwächse.

So stiegen die Tarifverdienste im hessischen Kraftfahrzeughandel nur um 0,7 Prozent, bereits im ersten Halbjahr waren im Papiergewerbe Tariferhöhungen von 1,3 Prozent ab November 2010 beschlossen worden. In vielen wichtigen Wirtschaftszweigen stehen Lohn- und Gehaltsverhandlungen erst im laufenden Jahr an - etwa in der chemischen Industrie, dem Bauhauptgewerbe und dem Groß- und Einzelhandel. Dabei stehen Forderungen weit über der erwarteten Inflation im Raum. So fordert etwa die Gewerkschaft IG BCE eine Erhöhung der Entgelte von sieben Prozent, die IG Bau will ein “faires Plus“ von 5,9 Prozent. Angesichts der steigenden Rohstoffpreise mahnen Notenbanker bereits seit längerem zur Lohnzurückhaltung. Die Europäische Zentralbank warnt bei jeder Gelegenheit vor so genannten Zweitrundeneffekten, bei denen die Inflation durch eine Lohn-Preis-Spirale angeheizt würde.

dpa

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