Aufschwung in der Lohnabrechnung

München - Die Menschen in Deutschland können nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Bert Rürup 2008 auf den stärksten Lohnzuwachs seit 13 Jahren hoffen. Allerdings wird die Inflation einen großen Teil davon auffressen. Trotzdem dürfte die Konsumlust im kommenden Jahr deutlich zunehmen.

Der Chef der fünf Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, rechnet für das kommende Jahr mit dem stärksten Lohnzuwachs seit 13 Jahren. "Die Bruttolöhne und Gehälter werden je Beschäftigten um 3,5 Prozent steigen", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Die reale Bruttolohn- und Gehaltssumme je Arbeitnehmer wird um 1,5 Prozent steigen - das ist das kräftigste Plus seit 1995." Andere Experten sind skeptischer. Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, geht zwar von Lohnabschlüssen in derselben Höhe aus. "Real bedeutet das allerdings nur einen Zuwachs von 0,5 Prozent", sagte er.

Die Prognose des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, fällt noch verhaltener aus: "Hohe Lohnsteigerungen können nur gut ausgebildete Fachkräfte erwarten. Das durchschnittliche Lohnplus von zwei Prozent wird durch die Inflation aufgefressen. Die Reallöhne werden also stagnieren." Alle drei Wissenschaftler rechnen mit einem starken Beschäftigungswachstum und einer Senkung der Arbeitslosenzahl um etwa 300 000 auf durchschnittlich 3,5 Millionen. Sinn wertete diese Entwicklung als Ergebnis der Agenda 2010 des früheren Kanzlers Gerhard Schröder.

Alle Wirtschaftsexperten gehen von moderaten Preissteigerungen im Jahr 2008 aus. "Ich erwarte keine neuen Preisschocks bei Energie oder Lebensmitteln", sagte Zimmermann. Die Teuerungsrate schätzt er auf unter zwei Prozent.

Sinn geht von 2,3 Prozent aus. "Gemessen an den D-Mark-Zeiten ist dies ein moderater Preisanstieg. In ihren 53 Jahren hatte die D-Mark durchschnittlich 2,6 Prozent pro Jahr an Wert verloren", sagte er. Rürup geht von einem Rückgang der Teuerungsrate von 2,1 Prozent in diesem auf 2,0 Prozent im nächsten Jahr aus.

Das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK rechnet für 2008 mit einem merklichen Anstieg der Konsumlust. "Wir sehen ein Wachstumspotenzial für den Konsum von bis zu 1,5 Prozent", sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst der Zeitung "Die Welt". "Real werden das 20 Milliarden Euro sein." Profitieren dürften vor allem Einzelhändler und Reiseanbieter. Für das Jahr 2007 rechnen die Forscher dagegen nur mit einem Plus von 0,5 Prozent oder weniger.

Wübbenhorst sieht mehrere Anzeichen dafür, dass die Deutschen wieder mehr Geld ausgeben werden als zuletzt. "Die Arbeitslosigkeit wird weiter zurückgehen, die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung sinken - so etwas wirkt sich positiv auf die Stimmung der Verbraucher aus." 

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