Aufschwung: Nach fünf mageren kommen jetzt fünf fette Jahre

- Frankfurt/Berlin ­- Der Aufschwung geht 2007 in die Verlängerung. Nach fünf Jahren Abschwung und Stagnation läuft die deutsche Konjunktur seit dem vergangenen Jahr wieder auf vollen Touren. Und alle Anzeichen sprechen dafür, dass es trotz der Bremswirkung der höheren Mehrwertsteuer auch 2007 mit robustem Zuwachs weitergeht.

Das Superjahr 2006 schloss mit einem Wachstum von 2,5 Prozent. Zweite gute Nachricht: Deutschland erfüllt erstmals seit fünf Jahren wieder die Defizitvorgaben des Euro-Stabilitätspaktes.

Auch in diesem Jahr soll die Wirtschaft 1,5 Prozent zulegen ­ ohne die Bremse Mehrwertsteuererhöhung stünde wieder eine Zwei vor dem Komma. Der Aufschwung steht auf breiter Basis und ist lang anhaltend. Er reicht an die Spitzenjahre der Wiedervereinigung und an das Boomjahr 2000 heran. Das Gute daran: Ein Ende ist nicht in Sicht. Auch 2008 wird es in Deutschland volle Kraft voraus gehen.

"Nach den fünf mageren Jahren 2001 bis 2004 kommen nun die fünf fetten Jahre", sagt der Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding. Deutschland sei nicht mehr der "kranke Mann Europas", sondern habe eine Fitnesskur hinter sich ­ mit Reformen am Arbeitsmarkt, geringen Lohnsteigerungen und Restrukturierungen bei den Unternehmen. "Deutschland hat sich dadurch wieder zu einem wichtigen Investitionsstandort entwickelt." Statt einer Belastung für Europa sei die größte europäische Volkswirtschaft zur Konjunkturlokomotive geworden. Die Konzerne investieren dank satter Gewinne wieder kräftig und fahren die Früchte ihrer Anstrengungen ein. Da Ende 2007 günstige Abschreibungsbedingungen wegfallen, werden die Betriebe in diesem Jahr bei den Investitionen einen Spurt hinlegen.

Anlass zum Optimismus gibt vor allem der Aufschwung im Inland. Erstmals trug 2006 die Binnenkonjunktur wieder mehr als der Außenhandel zum Wachstum bei. Wichtigster Baustein des Aufschwungs ist der Konsum ­ und der wird in diesem Jahr von der besseren Lage am Arbeitsmarkt beflügelt. Nach gängiger Schätzung nimmt ab einem Wachstum von zwei Prozent die Beschäftigung zu. Im Jahresdurchschnitt rechnet die Dresdner Bank/Allianz-Gruppe nur noch mit 4,1 Millionen Arbeitslosen nach 4,5 im Jahr 2006 und 4,8 im Jahr 2005. "Der Konjunkturaufschwung hat den Arbeitsmarkt kräftig erfasst", sagt Chefvolkswirt Michael Heise.

Erstmals seit fünf Jahren werden zudem die Vorgaben des Euro-Stabilitätspaktes wieder eingehalten. Das Staatsdefizit liegt bei 2,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, erlaubt wären 3,0 Prozent. Der Abbau des Defizits zeichnet sich angesichts des Wirtschaftsaufschwungs und sprudelnder Steuerquellen seit Monaten ab. Ende 2006 klaffte zwischen den Einnahmen und den Ausgaben von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen eine Lücke von "nur" 46,5 Milliarden Euro statt der minus 72,5 Milliarden Euro des Vorjahres.

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