Aufschwung ohne Arbeitsplätze

- München - Eine gute und eine schlechte Nachricht aus der bayerischen Wirtschaft: Wie die Frühjahrs-Umfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) ergeben hat, blicken die Unternehmen im Freistaat so zuversichtlich in die Zukunft wie seit 1993 nicht mehr. So schnellte die Zahl derer, die in den nächsten Monaten eine Verbesserung ihrer Lage erwarten, von 18 Prozent im Herbst auf 30 Prozent. Gleichzeitig halbierte sich die Zahl der Pessimisten auf acht Prozent. Nur: Der neue Optimismus trägt vorerst nicht dazu bei, die hohe Arbeitslosigkeit zu senken.

"In naher Zukunft ist noch nicht mit nennenswerten Neueinstellungen zu rechnen", sagte der BIHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler bei der Vorstellung der Erhebung, an der sich 3100 Unternehmen beteiligten. Diese hat zwar ergeben, dass sich neben der Stimmung auch die Personalpläne verbessert haben, unterm Strich bleibt der Saldo allerdings negativ. Einzig in der Dienstleistungsbranche wollen in den nächsten Monaten geringfügig mehr Betriebe ihren Personalbestand ausbauen als verringern. In der Industrie, beim Bau und dem Einzelhandel hingegen planen noch immer mehr Unternehmen Stellen ab- als aufzubauen. Dörfler begründete dies mit der Ertragslage der Firmen. Diese habe sich zwar verbessert, "aber noch nicht in dem Ausmaß, dass es eine Wende auf dem Arbeitsmarkt bringen könnte".

Den aufkommenden Optimismus in den Unternehmen führte der Kammer-Chef vor allem auf psychologische Faktoren zurück, unter anderem den Antritt der Merkel-Regierung. Die forderte er auf, die positive Stimmung zu nutzen, um Strukturprobleme zu beheben. "Ohne weitere Reform der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besteht die Gefahr, dass der einsetzende Aufschwung nur ein Zwischenhoch ist, der von Sondereffekten wie Mehrwertsteuererhöhung oder Fußball-WM lebt", sagte Dörfler.

Als positives Signal wertete er die geplante Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre. Gleichzeitig erneuerte der Unternehmervertreter die Forderungen der Kammern nach einer Unternehmenssteuerreform, dem Umbau der sozialen Sicherungssysteme sowie flexibleren und längeren Arbeitszeiten. Eine Sonderauswertung der Konjunkturumfrage habe ergeben, erklärte Dörfler, dass 43 Prozent der bayerischen Unternehmen ihre für 2006 geplanten Auslandsinvestitionen bei anderen Standortbedingungen auch in Deutschland getätigt hätten.

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