Aufschwungkräfte zum Jahresende stärker

- Hamburg - Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung führender Forschungsinstitute gut ins Jahr 2005 starten. Allerdings könnten ein nachlassender Export infolge des starken Euro und ein weiterhin hoher Ölpreis die Konjunkturaussichten im Jahresverlauf eintrüben. Zurzeit läuft der Exportmotor noch rund. Im Oktober legten die Ausfuhren im Vergleich mit dem Vorjahresmonat zweistellig zu. Auch die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe stieg im Oktober stärker als erwartet.

Aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werden die Aufschwungkräfte in Deutschland zum Jahresende wieder stärker. Für das vierte Quartal zeichne sich ein Wachstum von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ab, wie die Berliner Forscher am Donnerstag mitteilten. Erstmals dürfte auch der private Konsum anziehen. Im Vergleich zum vierten Quartal 2003 ermittelte das DIW für die letzten drei Monate dieses Jahres sogar ein Wachstum von 2,2 Prozent, wenn auch bei mehr Arbeitstagen. "Alles in allem wären die Voraussetzungen für einen gelungenen Start in das Jahr 2005 erfüllt", urteilten die Forscher. Die Exportdynamik habe sich zwar etwas beruhigt, sei aber intakt.<BR><BR>Skeptischer äußerte sich das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Das IfW senkte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland für 2005 von 1,2 auf 0,8 Prozent. Die Aussichten trübten sich ein, weil der Export an Schwung verliere, hieß es. "Für das kommende Jahr sind die Aussichten mittlerweile ungünstiger als noch vor drei Monaten." Der Anstieg der Ölpreise habe dazu geführt, dass sich das Wachstumstempo bei Deutschlands Handelspartnern verlangsamt habe. Mit dem steigenden Euro verlören zudem die deutschen Exporte an Wettbewerbsfähigkeit. Das IfW erwartet auf dem Arbeitsmarkt keine durchgreifende Besserung. In der Prognose wird die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen für 2005 auf 4,48 Millionen geschätzt, nach 4,38 Millionen in diesem Jahr.<BR><BR>Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet in den kommenden zwei Jahren zwar mit einer allmählichen Konjunkturbelebung im Euroraum. Wegen der hohen Ölpreise dürften die Wachstumsraten dürften aber "etwas moderater ausfallen" als noch vor einigen Monaten angenommen, hieß es im Monatsbericht der EZB. In diesem Jahr werde das Wachstum im Euro-Gebiet durchschnittlich zwischen 1,6 und 2,0 Prozent liegen. 2005 wird ein Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen 1,4 und 2,4 Prozent erwartet. Die EZB sieht jedoch "erhebliche Abwärtsrisiken", wenn die Ölpreise weiter hoch bleiben sollten.<BR><BR>Im Oktober haben die deutschen Exporte nach der vorübergehenden Abschwächung im September wieder zweistellig zugelegt. Insgesamt wurden Waren im Wert von 64,4 Milliarden Euro ausgeführt. Damit lagen die Ausfuhren um 10,2 Prozent höher als im Oktober 2003, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat betrug das Plus 1,2 Prozent.<BR><BR>Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) wies aber darauf hin, dass diese Exporte auf Aufträgen aus der ersten Jahreshälfte beruhten und noch nicht die aktuellen Euro-Höchststände widerspiegelten. "Auf Grund der Wechselkurssituation werden die Exporte in den Dollarraum in den nächsten Monaten sicher zunehmend unter Druck geraten", sagte BGA-Präsident Anton Börner in Berlin.<BR><BR>Das Produzierende Gewerbe hat seine Erzeugung im Oktober um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat gesteigert. Im Jahresvergleich legte die Produktion um 1,8 Prozent (September: 3,7 Prozent) zu. Die Entwicklung ist laut Bundeswirtschaftsministerium vor allem auf eine deutliche Produktionserhöhung in der Industrie (plus 0,9 Prozent) und im Bauhauptgewerbe (plus 1,5 Prozent) zurückzuführen.

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