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In den Aufsichtsräten sollen mehr Frauen vertreten sein - das fordern Parlamentarierinnen aller Parteien.

Aufsichtsräte sollen weiblicher werden

Berlin - Parlamentarierinnen aller Parteien im Bundestag proben den Schulterschluss: Gemeinsam fordern sie die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte börsennotierter Firmen.

Im Fall der Nichtbeachtung verlangen sie „empfindliche Sanktionen“, wie es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung heißt.

Zu den Erstunterzeichnerinnen gehört auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), nicht aber Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die derzeit selbst an einem Gesetzesentwurf feilt. Zu Schröders Vorhaben, das unter anderem eine sogenannte Flexiquote vorsieht, wollten die Parlamentarierinnen keine Stellung abgeben.

Noch bis Ostern wollen die Initiatorinnen, zu denen auch Vertreterinnen aus Unternehmen und Verbänden gehören, Unterschriften für ihr Anliegen sammeln und die Liste mit Unterzeichnern anschließend an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergeben. Ziel ist es, bis 2013 einen Gesetzesentwurf auf den Weg zu bringen, da dann die meisten Aufsichtsräte neu besetzt werden. Spätester Zeitpunkt sei die nächste Runde der Neubesetzungen 2018.

„Wir wollen und werden es nicht länger hinnehmen, dass bei uns in Deutschland Frauen in den Spitzen der größten Unternehmen kaum präsent sind“, sagte die CDU-Abgeordnete Rita Pawelski. „In zehn langen Jahren freiwilliger Selbstverpflichtung“ hätten Unternehmen bewiesen, dass es ohne einen gewissen Druck nicht gehe.

Keine Anklage an die Wirtschaft

Zugleich wehrte sich Pawelski gegen die Darstellung, Familienunternehmen müssten befürchten, dass ihre Söhne das elterliche Unternehmen eines Tages nicht übernehmen könnten oder sich hierfür einer Geschlechtsumwandlung unterziehen müssten. Mit solchen Argumenten werde „ein Popanz aufgebaut“.

Die SPD-Abgeordnete Dagmar Ziegler verwies darauf, dass viele andere europäische Länder bereits die Einführung einer Frauenquote beschlossen oder sogar umgesetzt haben. Diese Quoten bewegten sich zwischen 20 Prozent in Italien und 40 Prozent in Finnland, Frankreich, Norwegen und Spanien.

Die Grünen-Abgeordnete Ekin Deligöz erinnerte daran, dass es in der Parlamentsgeschichte einige Fragestellungen gegeben habe, bei denen sich die weiblichen Abgeordneten zusammengeschlossen hätten. Trotz der Tatsache, dass die Grünen eigentlich für eine Quote von 40 Prozent eintreten, sprach sie von einem „sehr guten Tag für Frauen“. Es handle sich um ein großes Zeichen nach außen. Daher überwinde sie ihren „Wunsch nach mehr für einen Kompromiss nach mehr“.

Die CSU-Abgeordnete Dorothee Bär stellte in Aussicht, dass der Initiative weitere folgen könnten. Auch die FDP-Abgeordnete Sibylle Laurischk betonte, sie verspreche sich von der Initiative, dass sich strukturelle Ungleichgewichte aus der Führungsverantwortung heraus verändern ließen. Es gehe darum, dass sich in der Gesellschaft etwas verändere. Die Linke-Abgeordnete Cornelia Möhring machte deutlich, die Quote sei ein Ausdruck für die Ungleichheit in der Gesellschaft.

Frauen aus Wirtschaft, Kultur und Medien haben unterschrieben

Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem auch die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, die stellvertretenden Vorsitzenden der SPD, Manuela Schwesig und Hannelore Kraft, Linke-Chefin Gesine Lötzsch sowie die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast. Auch zahlreiche Frauen aus Wirtschaft, Kultur und Medien haben den Aufruf unterschrieben. „Was die Zukunft der Frauenquote angeht, halte ich es mit Schopenhauer: Ein neuer Gedanke wird zuerst verlacht, dann bekämpft, bis er irgendwann als selbstverständlich gilt“, sagte von der Leyen der Onlineausgabe der „Financial Times Deutschland“.

dapd

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