+
Die Deutsche Bank war in den vergangenen Jahren in zahlreiche Skandale der Finanzbranche verwickelt.  

Umstrittener Chefaufklärer

Aufsichtsrat Thoma wirft bei Deutscher Bank hin

Frankfurt/Main - Er sollte die Skandale der Deutsche Bank aufklären. Doch Aufsichtsrat Thoma machte sich mit seinem Vorgehen nicht nur Freunde. Nun wirft der Jurist hin. Kommt die Aufarbeitung der Altlasten ins Stocken?

Der umstrittene Chefaufklärer im Aufsichtsrat der Deutschen Bank gibt auf. Wirtschaftsanwalt Georg Thoma werde zum 28. Mai das Kontrollgremium verlassen, teilte das Institut am späten Donnerstagabend mit.

Zudem gebe Thoma mit sofortiger Wirkung die Leitung des Integritätsausschusses ab. In dieser Rolle sollte der Jurist die vielen Skandale der Bank aufarbeiten und den Kulturwandel vorantreiben. Zuletzt war ihm öffentlich vorgeworfen worden, er sei dabei über das Ziel hinausgeschossen und lähme damit die Bank.

"Er überzieht, wenn er immer breitere Untersuchungen fordert und immer noch mehr Anwälte aufmarschieren", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" den Konzernbetriebsratschef und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Alfred Herling. Thoma sei mit "seinem Übereifer und der juristischen Selbstverwirklichung" zunehmend auf Kritik gestoßen. Zuletzt hieß es in Medienberichten, der 71-jährige Thoma sei im Aufsichtsrat isoliert.

Chefkontrolleur Paul Achleitner würdigte Thomas Arbeit, er habe "Prozesse aufgesetzt, die für die Bank von großer Bedeutung" seien. Achleitner hatte Thoma 2013 für den Aufsichtsrat gewonnen. Das Kontrollgremium betonte, auch nach Thomas Ausscheiden bei der Aufarbeitung der Skandale nicht nachzulassen. "Der Aufsichtsrat ist fest entschlossen, mögliche Verfehlungen auch künftig konsequent aufzuarbeiten und daraus die Lehren für die Zukunft zu ziehen", erklärte Achleitner. Sein Stellvertreter Herling ergänzte: "Wir werden auch künftig sämtliche Untersuchungen gründlich und unabhängig von der Position der betroffenen Personen führen."

Die Deutsche Bank war in den vergangenen Jahren in zahlreiche Skandale der Finanzbranche verwickelt. Allein für ihre Beteiligung an der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor musste sie Milliarden-Strafen zahlen. Größte offene Altlasten sind derzeit noch die Tricksereien mit Hypotheken in den USA aus der Zeit vor der Finanzkrise und Verfehlungen im Russlandgeschäft. Aktuell hat der Dax-Konzern für mögliche Strafen 5,4 Milliarden Euro zurückgelegt.

Der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats hat den Angaben zufolge bereits mit der Suche nach einem Nachfolger für Thoma begonnen. Den Integritätsausschuss soll vorübergehend die US-Juristin Louise Parent leiten, die seit 2014 im Aufsichtsrat sitzt. Unterstützt wird sie von Eon-Chef Johannes Teyssen, der ebenfalls Jurist und Mitglied des Deutsche-Bank-Aufsichtsrates ist.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Cheflobbyist Thomas Steg offenbar vor Rückkehr zu Volkswagen
Der Volkswagen-Konzern will Cheflobbyist Thomas Steg in seine alte Funktion zurückholen. Das berichtet die „Bild“-Zeitung (Samstag) unter Berufung auf nicht näher …
Cheflobbyist Thomas Steg offenbar vor Rückkehr zu Volkswagen
Dax erholt sich etwas von jüngstem Kursrutsch
Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach zwei Verlusttagen wieder etwas gefangen. Die besonnene Reaktion Nordkoreas auf die Absage des Atomgipfels …
Dax erholt sich etwas von jüngstem Kursrutsch
EU-Länder kürzen Liste der Steueroasen
Bankenreformen, Steueroasen, Mehrwertsteuern für Online-Medien: Die EU-Finanzminister haben bei ihrem Treffen in Brüssel eine ganze Reihe an Themen in den Blick …
EU-Länder kürzen Liste der Steueroasen
Neue Vorwürfe gegen Daimler im Diesel-Skandal
Der Druck auf den Autobauer Daimler nimmt zu. Ihm droht ein Massenrückruf von Dieselfahrzeugen. Vorstandschef Zetsche muss nun zum Rapport ins Bundesverkehrsministerium.
Neue Vorwürfe gegen Daimler im Diesel-Skandal

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.