Aufstand gegen den Aufseher

- München - Der Auftritt der Spitzenbanker konnte unterschiedlicher kaum sein. Dieter Rampl hüpfte vom Podium zum Schüttelmarathon, drückte alle sich bietenden Hände und grüßte mit Bubenlächeln persönlich bis in die vierte Reihe. Vorgänger Albrecht Schmidt blieb oben sitzen, stumm, zupfte die blaue Krawatte zurecht und wartete, dass man sich zu ihm hinbeuge. Kein schöner Tag für ihn, die Hauptversammlung der HypoVereinsbank.

<P>Der sitzende Sündenbock wurde von Aktionären ausgepfiffen, ausgebuht und ausgelacht. Sich per Beschluss des Münchner Registergerichts vorzeitig in den Aufsichtsrat zu hieven, dort zum Chef wählen zu lassen und Nachfolger Rampl einen Scherbenhaufen zu hinterlassen - auf eine lockere Aktionärsrunde nach dem ersten Verlust-Jahr der HVB durfte Schmidt nicht hoffen. Nach seiner von Zwischenrufen ("Selbstbedienung") unterbrochenen Rede war der Beifall der 3000 derart matt, dass jedes einzelne Klatschen zu hören war. "Stinksauer" sei man, fauchten Redner.</P><P>Ein Aktionärstreffen sei kein Fußballspiel, merkte Schmidt an. Die Gegner nahmen den Ball dankbar auf. Ein guter Spieler müsse nicht unbedingt ein guter Trainer sein, rügten Aktionärsvertreter den Wechsel vom Vorstand ins Kontrollgremium. Ohnehin gebe es Zweifel, dass Schmidt ein guter Spieler war. Zuletzt hatte Deutschlands zweitgrößte Bank 858 Millionen Euro Minus eingespielt, bei etlichen Firmenpleiten draufgezahlt und drastisch an Börsenwert verloren. Die Dividende fällt erstmals seit 1945 aus. "Unter Schmidt hat sich die Lage der Bank deutlich verschlechtert", sagte Helmut Hipper von Union Investment.</P><P>Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken stimmte wie die Aktionärsschützer gegen die nachträgliche Wahl Schmidts in den Aufsichtsrat. 95 % stimmten dafür, danken durfte Schmidt Großgesellschaftern wie der Münchener Rück und ihren Stimmenpaketen.</P><P>Rampl, im Ausfallschritt am Pult, hatte es leichter. Einen "gestandenen Banker" nannten ihn selbst Kleinaktionäre. Lob für den Vorgänger verkniff er sich. Rampl gab sich über das verheerende Vorjahr zerknirscht, dies aber nicht allzu lang: "Wir sind jetzt strategisch sauber aufgestellt." Trotz der anhaltenden Wirtschaftsflaute will er 2003 bis zu 600 Mio. Euro Gewinn machen. Auch der Börsengang von 25 % der Bank Austria werde Erfolg haben.</P><P>Die Mehrheit der Aktionäre segnete am Abend auch die Abspaltung des Gewerbeimmobilien-Bereichs ab. Die HVB Real Estate AG soll im Spätherbst an die Börse gebracht werden. Die HVB-Aktionäre erhalten je vier Aktien einen Anteilsschein des neuen Unternehmens. Die HVB schrumpft damit deutlich.</P><P>Zum Schluss seiner mit mehr Beifall bedachten Rede wandte sich Rampl an "meine Kollegen". Er wisse, "dass wir Ihnen einen Spagat zumuten, der fast unmenschlich ist". Dennoch "machen Sie da draußen einen Bombenjob". Bei den Bombenmitarbeitern da draußen herrscht allerdings wegen der Stellenkürzungen explosive Stimmung.</P><P>Im Saal entlud sich dieses Klima vor allem an Schmidt. "Sie haben es geschafft, den Ärger auf sich zu fokussieren", sagte Kleinaktionärs-Vertreter Harald Petersen. Die Art, wie er nach dem Aufsichtsrats-Posten gegriffen habe, bringe das Fass zum Überlaufen. Schmidt befand, er stelle sich der Kritik, "teile sie aber nicht". Den Aufstand kann er wohl aussitzen.<BR><BR></P>

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