Aufstieg "wie Phönix aus der Asche"

- Berlin - Es ist ein wenig wie im Kaffeesatz zu lesen. Nichtsdestotrotz stoßen die Prognosen auf Interesse - zumal, wenn es so gute sind wie die vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und wenn sie sich auf die Einschätzungen von 25 000 Firmen stützen können. "Ein reales Wirtschaftswachstum von zwei Prozent ist durchaus drin", sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des DIHK. Die Organisation hob damit ihre Vorhersage um 0,5 Prozentpunkte an.

Da ließen sich die Ökonomen die Stimmung auch von überraschend schwachen Konjunkturdaten zum Jahresende 2005 nicht verderben. Das Nullwachstum im Schlussquartal deuten die Volkswirte nur als einen "statistischen Ausreißer". Die Bank of America erwartet gar, dass Deutschland mit einem Wachstum bis zu zwei Prozent 2006 "wie Phönix aus der Asche aufsteigen" wird.

Stärker als bisher mache sich der Exportboom bei den Inlandsinvestitionen bemerkbar. So beurteilen 29 Prozent der Betriebe laut DIHK ihre Geschäftslage als gut. Ebenso steigen die Geschäftserwartungen: 31 Prozent, acht Prozent mehr als noch im Herbst 2005, rechnen sich bessere Chancen als in den Vormonaten aus. In Sachen Export deuten alle Zeichen weiter auf Wachstum.

Mittlerweile geht fast jedes zweite Industrieunternehmen (47 Prozent) von steigenden Ausfuhrwerten aus. "Sie wollen auf hohem Niveau noch zulegen", sagte DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke. Und auch die Investitionen legen zu. Erstmals seit elf Jahren wollen wieder mehr Unternehmen ihre Investitionen im Inland erhöhen (25 Prozent) als reduzieren (22 Prozent). Besonders erfreulich: Diese Stimmung zieht sich durch alle Branchen - inklusive der von der Vergangenheit gebeutelten Segmente Baugewerbe und Einzelhandel.

"Das nächste Quartal wird besser sein. Der Aufschwung ist intakt." Ralph Solveen

Von der konjunkturellen Euphorie lässt sich nur einer geringfügig mitreißen: der Arbeitsmarkt. In diesem Sektor rechnen die Experten lediglich mit einer Reduktion von 200 000 Erwerbslosen. Und doch: "Einen vergleichenden Rückgang der Arbeitslosigkeit hat es seit der Wiedervereinigung erst einmal - im Jahr 2000 - gegeben", betonte Wansleben. So planen immerhin 14 Prozent der befragten Unternehmer - den Schwerpunkt setzen Zeitarbeitsfirmen sowie die Werbe- und Logistikbranche -, neue Mitarbeiter einzustellen.

Von den schwachen Wachstumszahlen zeigten sich die meisten Volkswirte indes unbeeindruckt. "Das nächste Quartal wird besser sein", sagt Volkswirt Ralph Solveen von der Commerzbank zum Nullwachstum im vierten Quartal 2005. "Der Aufschwung ist intakt." Allerdings seien die Erwartungen an das Tempo des Aufschwungs wohl zu hoch gewesen. Ungewiss bleibt, ob der seit Jahren vor sich hindümpelnde Konsum endlich richtig anspringt. "Die Stimmung unter den Verbrauchern ist viel besser geworden, auch wenn sich das noch nicht an den Kassen zeigt", sagt der Chefvolkswirt der Dresdner Bank/Allianz-Gruppe, Michael Heise.

Wegen der für Anfang 2007 geplanten Mehrwertsteuererhöhung werden die Konsumenten in diesem Jahr langlebige Güter wie Kühlschränke und Autos kaufen.

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