Aufträge: EADS-Chefs schwärmen in die USA und nach England aus

- London - Weniger Umsatz, weniger operativer Gewinn, und unterm Strich sogar ein Minus. Airbus hatte mit 140 Flugzeugen elf weniger ausgeliefert als vor Jahresfrist. Die bereits am Freitag durchgesickerten Zahlen des Luftfahrt-und Rüstungskonzerns sahen wenig berauschend aus. Doch die (in Deutschland im M-Dax gelistete) Aktie setzte zum Höhenflug an, stieg an allen europäischen Börsen um vier bis fünf Prozent. Auf den zweiten Blick nämlich fand man in den Zahlen viel Erfreuliches.

<P>Da ist zuerst Airbus. Der Verkehrsflugzeugbauer hat zwar bisher weniger ausgeliefert, doch mehr Aufträge hereingeholt: 199 Aufträge gegenüber 107 (Vorjahreszeitraum) sind für sich schon eindrucksvoll. Wertmäßig aber bedeuten sie einen Marktanteil von stolzen 66 Prozent. Zudem stecken in den Aufwendungen, die das Ergebnis belasten, 901 (1. Halbjahr 2002: 680) Millionen Euro Forschungs- und Entwicklungskosten. Vor Abzug dieser Kosten blieb das operative Ergebnis stabil bei 1,5 Milliarden Euro. </P><P>War bisher Airbus die bei weitem wichtigste Stütze des Konzerns, bahnt sich auch hier eine Änderung an: Zwar stammt mit 8,8 von 13,1 Milliarden Euro weiter der Löwenanteil vom EADS-Umsatzbringer, doch beim Auftragseingang hat das Verteidigungsgeschäft einen Sprung nach vorn gemacht: Insgesamt stiegen die Aufträge von 14,8 auf 43,2 Milliarden Euro und damit auf fast das Dreifache. Allein 20 Milliarden gehen auf das Konto des Militärtransporters A400 M. Doch auch das kommende Satelliten-Navigationssystem Galileo und erwartete Aufträge bei der militärischen Satellitenkommunikation deuten auf ein künftig breiteres Fundament des Konzerns hin. </P><P>Und schließlich sieht man bei der Raumfahrt Licht am Ende des Tunnels. Zwar stieg das Sparten-Minus von 85 auf 131 Millionen Euro. Doch neben Restrukturierungskosten (88 Mio. Euro) hat dies damit zu tun, dass erstmals die von der EADS voll eingegliederte Astrium nun zu 100 Prozent in den EADS-Zahlen erscheint. Dies sorgte für eine Belastung von 30 Millionen Euro im ersten Halbjahr. Zum Jahresende, sagte Finanzchef Hans-Peter Ring, sei die Restrukturierung abgeschlossen. Das Sorgenkind gelobt also Besserung.</P><P>"Wir sind auf dem Kurs für den Turnaround im Jahr 2004", sagte Co-Vorstandschef Rainer Hertrich. Waren die öffentlichen EADS-Aktivitäten bislang vor allem auf die Kernländer Frankreich, Spanien und Deutschland sowie den formalen Konzernsitz in Amsterdam konzentriert, betonte EADS-Chef Rainer Hertrich von London aus die Bedeutung von Großbritannien für den Konzern. Dort arbeitet mit 13 000 EADS-Mitarbeitern jeder achte Beschäftigte im Konzern. Und von dort kam einer der wichtigsten Aufträge im ersten Halbjahr: die Bestellung von 120 Airbussen. Auch beim Militärtransporter A400 M gehört das Königreich zu den größten Kunden.</P><P>Der Riss durch Europa durch den Irak-Krieg wurde in London demonstrativ überbrückt. Doch auch zu den USA wird das Verhältnis wieder enger. Eine Bestrafung der Europäer durch die Vereinigten Staaten von Amerika hat man, so Hertrich, nicht feststellen können. Im US-Bundesstaat Mississippi hat der europäische Konzern den Grundstein für ein Hubschrauberwerk gelegt. Weiter, so bestätigte Hertrich, sucht man Kooperations-Partner in den USA. Und während der deutsche Teil der Doppelspitze in London erstmals allein die Halbjahresergebnisse präsentierte, war sein Kollege auf dem Chefsessel, Philippe Camus, in den USA unterwegs. "Er sorgt dort für die Einnahmen des zweiten Halbjahres", sagte Hertrich.<BR></P>

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