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Dachdecker reparieren ein vom Sturm teilweise abgedecktes Dach eines Einfamilienhauses. Angesichts des Baubooms in deutschen Städten werden Handwerker mancherorts rar. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv

Auftragsschwemme im Handwerk verlängert Wartezeit

Weil die Baukonjunktur brummt, bewahrheitet sich das Sprichwort: Handwerk hat goldenen Boden. Doch der Trend hat eine Kehrseite.

Berlin (dpa) - Angesichts des Baubooms in deutschen Städten wird die Suche nach einem Handwerker mancherorts zum Geduldspiel. Grund dafür sei der hohe Auftragsbestand und zum Teil ein Mangel an Fachkräften, heißt es bei den Verbänden der Branche.

"Im ersten Halbjahr waren die Betriebe des Baugewerbes im Durchschnitt für die kommenden 9,4 Wochen ausgelastet, beim Ausbauhandwerk waren es 7,9 Wochen", sagte der Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Karl-Sebastian Schulte, der Deutschen Presse-Agentur.

"Das kann im Einzelfall dazu führen, dass man den gesuchten Handwerker nicht umgehend bekommt", erklärte Schulte. "Bei größeren Arbeiten muss man den Auftrag unter Umständen mit einigen Monaten Vorlauf erteilen." Auch der Zentralverband Sanitär Heizung Klima berichtet von hoher Nachfrage. "Die Betriebe arbeiten am Anschlag", sagte Verbandssprecher Frank Ebisch. Dramatisch sei die Lage aber nicht. "Bei einem Notfall, wenn die Heizung kaputt oder das Klo verstopft ist, kommen unsere Leute natürlich schnell."

Nach Auskunft der Handwerkskammer Region Stuttgart arbeitet dort jeder zehnte Betrieb oberhalb seiner Kapazitätsgrenze. In Niedersachsen beklagten die Kammern vor wenigen Tagen einen Engpass bei qualifizierten Handwerkern. "Um gute Mitarbeiter halten zu können, müssen die Betriebe zunehmend mehr zahlen", sagte der Vorsitzende der der Handwerkskammern Niedersachsen, Karl-Wilhelm Steinmann. Das werde absehbar die Kosten für Handwerksleistungen steigen lassen.

Schulte erklärte: "Die gute Konjunktur, niedrige Zinsen und der anhaltende Trend junger Leute, in die Städte zu ziehen, haben einen Bauboom ausgelöst. Auch der Baubestand wird stärker gepflegt als früher. Davon profitiert das Handwerk." Hinzu komme der Nachwuchsmangel, für den es zwei Hauptgründe gebe: Die sinkende Zahl an Schulabgängern und der steigende Anteil derer, die Abitur und Studium anstreben.

Das Handwerk informiere die Jugendliche deshalb intensiv über "die modernen und innovativen Berufe" im Handwerk, auch als Alternative zum Studium. "Das gelingt. Da die Zahl der Schulabgänger jedoch sinkt, während die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze steigt, bleibt die Lage angespannt", räumte Schulte ein. Im vergangenen Jahr arbeiteten rund 5,36 Millionen Menschen im deutschen Handwerk.

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