Experte im Merkur-Interview

Darum müssen Kunden gerade wochenlang auf Handwerker warten

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München - Angesichts des Baubooms in vielen deutschen Städten wird die Suche nach einem Handwerker mancherorts zum Geduldspiel. Wir haben mit einem Experten darüber gesprochen. 

Olaf Zimmermann, Chef des Handwerksbetriebs Heizung-Obermeier.

Der Heizungsbauer Olaf Zimmermann aus München erklärt, warum es im Handwerk derzeit zu langen Wartezeiten kommt, welche Mitschuld manche Firmen tragen – und warum er als Privatmann Verständnis für den Ärger der Kunden hat.

Münchner Merkur: Wie lange müssen ihre Kunden derzeit auf einen Termin warten?

Das kommt auf die Leistung an: Bei einer Störung an der Heizungsanlage sind es nur ein bis zwei Tage Wartezeit. Anders sieht es auf unseren Baustellen aus, wo wir beispielsweise komplette Heizungsanlagen einbauen. Da müssen die Kunden inzwischen drei bis vier Wochen warten, bis es losgeht.

MM: Seit wann beobachten Sie, dass die Wartezeiten länger werden?

Das Phänomen ist in den letzten Jahren stärker geworden. Die Zahl der kleinen Firmen ist gestiegen. Und wenn bei denen die Auftragsbücher voll sind, müssen sie ihre Kunden schon mal zehn Wochen warten lassen. Große und mittlere Firmen, die mehr Handwerker beschäftigen, sind da flexibler.

MM: Sind die Firmen auch ein bisschen selbst Schuld an der Misere?

In gewisser Weise schon. Man muss rechtzeitig ausbilden und erkennen, wie wichtig der Nachwuchs ist. Viele meiner Kollegen meinen aber, Ausbildung sei etwas lästiges und bekommen die Folgen des Personalengpasses jetzt zu spüren. Aber von allein kommt keiner mehr zu uns. Die Betriebe sind selbst dafür verantwortlich, sich um ihren Nachwuchs zu bemühen. Es ist Aufgabe der Firmen noch mehr auszubilden, um in Zukunft Gesellen zu haben.

MM: Werden Sie diesen Forderungen in Ihrer eigenen Firma gerecht?

Bei uns arbeiten acht Handwerker auf der Baustelle – hinzu kommen vier Lehrlinge und im September kommen zwei weitere Auszubildende hinzu. Und in 90 Prozent der Fälle übernehmen wir unsere Auszubildende. Zum Vergleich: Früher hatten wir über viele Jahre hinweg immer nur drei Lehrlinge.

MM: Werden sich bei Ihnen zum Start des Ausbildungsjahrs im September die Wartezeiten dann wieder verkürzen?

Nein. Die müssen fertig ausgebildet sein, bevor ich sie zu einem Kunden schicken kann. Und mit Leihpersonal kann ich den Engpass nicht überbrücken. Denn das hieße, dass beispielsweise ehemalige Bäcker die Heizung reparieren sollen – und dann wird es abenteuerlich.

MM: Können Flüchtlinge den Engpass lindern?

Zwei meiner Lehrlinge sind Asylbewerber. Einer macht seine Gesellenprüfung im Frühjahr, der andere ein Jahr später. Das heißt: Auch bei ihnen dauert es noch lange, bis sie voll einsatzbereit sind.

MM: Wann werden Wartezeiten wieder kürzer?

Ein bis zwei Jahre nach der Ausbildung kann ich den Gesellen guten Gewissens ein Auto geben und ihn selbstständig zum Kunden schicken. Dann werden auch die Wartezeiten wieder kürzer.

MM: Werden Kunden dann nur noch wenige Tage warten müssen?

Nein. Ein bisschen Zeit braucht man ja auch, um beispielsweise das Baumaterial zu beschaffen. Aber bei etwa zwei Wochen wird sich die Wartezeit in ein paar Jahren wieder einpendeln.

MM: Haben Sie Verständnis dafür, dass sich die Kunden über die langen Wartezeiten ärgern?

Ja, natürlich. Nur leider geht es derzeit nicht anders. Mich trifft das ja auch als Privatmann. Wenn ich zuhause einen Fliesenleger brauche, muss ich derzeit auch damit rechnen, dass er mich ein bis zwei Monate warten lässt.

Rubriklistenbild: © dpa

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