Augusta Technologie AG: Zweiter Startversuch für Neue-Markt-Rakete

München - Die Augusta war einmal ein Star. Dann wäre sie beinahe in einem Schuldenstrudel untergegangen. Jetzt will der neu eingewechselte Vorstand die Münchner Technologiegruppe mit der bewegten Vergangenheit zu alter Größe führen.

Amnon Harman schaut am liebsten nach vorne, wenn es um sein Unternehmen geht. Das liegt einerseits daran, dass er erst seit einem guten Jahr das Sagen hat. Ein ausschweifender Rückblick ist also noch gar nicht möglich. Andererseits schlugen vor seiner Zeit die Wellen bei der Augusta Technologie AG höher, als es jedem Manager lieb sein kann. Der 42-Jährige kommentiert das Geschehene deswegen bevorzugt kurz und knapp: "Es sind Dinge schiefgegangen. Die neue Strategie der Augusta zieht daraus Konsequenzen."

Größe auf Schulden

Die 1991 in Augsburg gegründete Holding ist für Außenstehende nicht leicht zu begreifen. Sie ist eine Dachgesellschaft, die selber weder Dienstleistungen noch Waren anbietet. Vielmehr verwaltet und steuert der Vorstand selbstständige Unternehmen. Derzeit sind es fünf (siehe Kasten), die zusammen mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen und heuer einen Umsatz von mindestens 116 Millionen Euro und ein Vorsteuerergebnis von bis zu 17 Millionen Euro erwirtschaften werden. Ihr Geld verdienen die Mittelständler auf industriellen Nischenmärkten, etwa mit Drucksensoren für medizinische Geräte oder mit Digitalkameras, die Unregelmäßigkeiten bei der Automobilproduktion erkennen können.

Um die Jahrtausendwende, als der heutige Vorstandschef Amnon Harman noch im Dienst der Deutschen Bank in London stand, zählte die Technologiegruppe zu den Raketen am legendären Börsensegment "Neuer Markt". Die Aktie schoss nach der Erstausgabe 1998 innerhalb von zwei Jahren auf knapp 500 Euro. Berauscht vom Kursverlauf kaufte das damalige Management um Mitgründer Axel Haas die Gesellschaft durch fremdfinanzierte Übernahmen in der angesagten Kommunikationsbranche groß. In Spitzenzeiten umfasste das Portfolio zehn Unternehmen, der Gesamtumsatz schwoll auf 280 Millionen Euro an. Doch zugleich wuchs auch der Schuldenberg auf 130 Millionen Euro.

"Ein hoher Verschuldungsgrad war nahezu ein Qualitätsmerkmal", erinnert sich Harman an die damalige Zeit. "Die Unternehmen sind mit Geld zugeschüttet worden." Doch damit war es vorbei, als die Blase 2001 platzte und auch der Kurs der Augusta in den Keller fiel. Um ein Haar hätte sich das Unternehmen dabei das Genick gebrochen.

In Schieflage

Grund dafür war eine Wandelanleihe, mit deren Ausgabe sich der frühere Vorstand im Jahr 2000 rund 75 Millionen Euro besorgt hatte. Die Eigentümer dieses Wertpapiers wollten es bei Fälligkeit fünf Jahre später nicht mehr in die abgeschmierten Aktien tauschen und verlangten stattdessen die Rückzahlung des verzinsten Nennbetrags. Doch das Unternehmen konnte nicht so viel Geld flüssig machen und geriet in Schieflage. Und das, obwohl die meisten der Beteiligungen unter dem Dach der Augusta im laufenden Geschäft Gewinne erwirtschafteten, wie Berth Hausmann, seit einem Jahr Finanzvorstand, heute betont.

Vermutlich war das der Grund, warum das Unternehmen nicht vor dem Insolvenzrichter endete: der Kern war gesund, nur finanziell hatte man sich verhoben. Finanzinvestoren ließen sich deswegen überzeugen, den Großteil der Verbindlichkeiten aufzukaufen, um die Anleihe anschließend in Augusta-Aktien zu tauschen. Die noch verbleibenden Schulden zahlte das Management zurück, indem es vorher zugekaufte Firmen wieder abstieß. Doch damit waren längst nicht alle Probleme gelöst.

"Zu dem Zeitpunkt, als ich gekommen bin, war das Unternehmen entschuldet und profitabel, aber auch richtungslos", erzählt Amnon Harman. Allerdings hatte der studierte Wirtschafts- und Luftfahrtingenieur bei seinem Antritt als Vorstandschef im September 2006 längst im Kopf, was die Gesellschaft nach der kräftezehrenden Entschuldungsphase brauchte: Eine Strategie, die definiert, wie der Erfolg wiederkehrt.

Besinne dich auf deine Stärken: Harman verpasste der Augusta vor allem ein klareres Profil. Er sortierte die Unternehmen unter dem Holdingdach in die Segmente "Sensorik" und "Automatisierung" ein, in denen Marktbeobachter langfristig hohe Wachstumsraten erwarten. Drei Beteiligungen aus der IT- und Softwarebranche fielen durch das Raster und wurden zum Verkauf gestellt. Damit stieß sich die Augusta endgültig gesund.

Sparen an der Miete

Im Sommer ordnete Harman zudem den Umzug der Augusta-Zentrale nach München an. "So sind wir näher an unseren Tochterunternehmen dran", sagt er. Das reduziert Reisezeit und -kosten, denn immerhin erzielen die Beteiligungen im Großraum der bayerischen Landeshauptstadt rund die Hälfte der Umsätze. Darüber hinaus spart die Augusta bei der Miete einen sechsstelligen Betrag, weil als Firmensitz ein bescheidenes Etagenbüro weit draußen beim Neuen Messegelände dient.

Dabei könnte sich das Unternehmen heute mehr leisten. Aber das Geld soll lieber in Übernahmen fließen. "Wir rechnen im Schnitt mit einer Akquisition pro Jahr", sagt Harman. Denn nur so kann er das ehrgeizige Ziel erreichen, Umsatz und Ergebnis bis 2010 zu verdoppeln. Aber es soll einiges anders laufen als früher: Die Zukäufe müssen profitabel sein und zum Unternehmen passen. Und eine Wandelanleihe soll zur Finanzierung auch nicht mehr begeben werden. Finanzchef Hausmann: "Das würde uns der Kapitalmarkt nicht verzeihen."

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