Als Au-pair ins Ausland: Gütezeichen soll Sicherheit bieten

- Für Teresa Steinbach war das Au-pair-Jahr ein voller Erfolg. Im Juli kehrte die 20-Jährige aus Rom zurück. Bei den Gasteltern und den zwei Söhnen im Alter von elf und 13 Jahren fühlte sie sich wie zu Hause. Sie half im Haushalt, hatte zwischendurch aber auch viel Freizeit, um Land und Leute kennen zu lernen.

"Beim Au-pair geht es darum, Sprache und Kultur eines fremden Landes kennen zu lernen", sagt Beatriz Liebich vom katholischen Verein In Via, einem Fachverband der Caritas. Die Gastfamilie erhalte im Gegenzug Hilfe im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. So lässt sich der Grundgedanke von Au-pair zusammenfassen.

Aber nicht immer werden die Wünsche beider Seiten erfüllt: "Bei einer meiner Freundinnen stellte sich heraus, dass die Familie eigentlich nur eine billige Putzkraft suchte", erzählt Teresa. Arbeit und Freizeit seien kaum zu trennen gewesen, die junge Frau musste im Kinderspielzimmer übernachten. Derartigen Missbrauch gebe es selten, aber immer wieder, berichtet die Gütegemeinschaft Au-pair in Bonn.

Gütezeichen

Um Au-pairs zu schützen, wurden nun Qualitätsstandards entwickelt. Von Oktober an soll ein von unabhängigen Gutachtern vergebenes Gütezeichen helfen, seriöse von unseriösen Vermittlern zu unterscheiden. "Das Problem ist, dass jede Familie sich über das Internet anbieten und Vermittler nennen kann", sagt Reinhard Schwalbach, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft. Es gebe viele Internetseiten, die nicht astrein seien.

Die zertifizierten Vermittler verpflichten sich, bei den Gastfamilien auf die Einhaltung von Arbeits- und Wohnstandards zu achten. Das Gütezeichen gelte jedoch nur für Deutschland. Eine vergleichbare Sicherheit für Deutsche, die ins Ausland gehen, fehle bisher.

Altersbeschränkung

Besonders beliebt bei deutschen Au-pairs sind die USA und Australien, mit einigem Abstand folgen Großbritannien und Frankreich. Die einzelnen Länder bieten sechs- bis zwölfmonatige Programme für Mädchen und Buben im Alter von 17 bis 30 Jahren an. Je nach Programm variierten Arbeitszeit und Umfang der Aufgaben, sagt Thomas Fricke, Präsident des Rings Deutscher Au-pair Vermittler (RDAV) in Friedrichshafen.

Wichtig sei, sich früh um eine Stelle zu kümmern, am besten schon ein Jahr vor Antritt der Au-pair-Zeit, rät Teresa. An erster Stelle stehe die Entscheidung, in welches Land ein Au-pair gehen will. 

Versicherungen

Laut RDAV benötigen Au-pairs eine so genannte Au-pair-Versicherung, ein Paket aus Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung, das je nach Anbieter zwischen 30 und 50 Euro pro Monat kostet. Außerhalb Europas werde ein spezielles Au-pair-Visum gebraucht, um das sich in der Regel aber die Vermittlungsagenturen kümmerten.

Vor Ort sollten die Au-pairs ein paar Regeln beachten, damit der Aufenthalt ein Erfolg wird. "Natürlich muss man in einer fremden Familie Kompromisse eingehen. Aber man darf sich auch nicht alles gefallen lassen", rät Teresa. Ein wichtiges Alarmzeichen sei, wenn sich Au-pairs nicht aufgenommen fühlten, sondern ständig beobachtet und kontrolliert.

Dann sei es wichtig, die Probleme schnell und offen anzusprechen. "Und wenn es nicht besser wird, muss ich eben gehen." Unterstützung bietet in solchen Fällen laut RDAV die Partneragentur der deutschen Au-pair-Organisation vor Ort. Meist sei ein Wechsel der Familie möglich.

www.guetegemeinschaft-aupair.de

www.rdav-online.de

www.au-pair-society.org

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