Ausbildung: Das Rennen ums Jahr 2006 hat längst begonnen

- München - Noch immer suchen tausende Schulabgänger eine Lehrstelle für 2005 und zahlreiche Betriebe geeignete Bewerber. Während noch viele Kräfte bei der Nachvermittlung gebündelt werden, hat längst das Rennen um die besten Ausbildungsplätze 2006 begonnen. "Viele große Unternehmen sind bereits im Auswahlverfahren", sagt Jörg Engelmann von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern.

Je größer desto früher

"Die Banken sind ganz früh dran", sagt Engelmann. "Generell gilt: Je größer das Unternehmen, desto früher sollte man sich um einen Ausbildungsplatz bemühen", sagt Engelmann. Bei mittelgroßen Betrieben beginnt die Runde im November, bei kleineren zum Teil erst im Januar und Februar.

Das geht auch schon alle an, die erst 2007 mit der Schule fertig werden. Das Zwischenzeugnis der neunten (Hauptschule) oder zehnten (Realschule) Klasse reicht nicht mehr aus. Bei Unternehmen, die zwei Zeugnisse sehen wollen, ist dann sogar das Zwischenzeugnis der vorletzten Klasse mitentscheidend.

Das bedeutet: Die Papierform muss immer früher stimmen. Denn selbst, wenn die Bewerbung fehlerfrei und gut formuliert ist und die Form stimmt, können mäßige Noten - auch in einzelnen Fächern - schon das Aus bedeuten. In jedem Fall sollte man vorher den Internet-Auftritt eines Unternehmens gründlich ansehen. Darin findet man vieles, was für die Bewerbung wichtig sein kann.

Nicht nur Noten wichtig

Bei schriftlichen Bewerbungen ist das Zeugnis dennoch das Entscheidende. Doch kommt es darin nicht nur auf die Noten an. Wer Einzelhandelskaufmann werden will, im Zeugnis aber als verschlossener, schüchterner Schüler beschrieben ist, hat für diesen Beruf - zumindest auf dem Papier - selbst bei besten Noten denkbar schlechte Voraussetzungen.

Initiative entscheidend

Was aber tun, wenn die Noten die Chancen auf einen guten Ausbildungplatz schmälern? Schließlich gibt es auch reine Schulversager, die sich in der Praxis bestens bewähren. "Eigeninitiative ist entscheidend", sagt Engelmann.

Das bedeutet: Selbst nach Unternehmen schauen, die Lehrstellen anbieten. Einfach einmal anrufen und nachfragen. Vielleicht auch selbst hingehen, etwa um eine Bewerbung abzugeben. Ein guter persönlicher Eindruck kann manche Scharte im Zeugnis auswetzen.

Auch bei kleineren Unternehmen empfiehlt es sich deshalb, erst einmal nach einem Schnupperpraktikum zu fragen. Auch auf diese Weise kann man beweisen, dass man was kann.

Guter Eindruck hilft

Wer in einem Unternehmen bereits bekannt ist - und dort einen guten Eindruck hinterlassen hat -, hat dann bei der Bewerbung die Chance, sich selbst gegenüber Konkurrenten durchzusetzen, die deutlich bessere Noten haben.

Eine Garantie allerdings gibt es nicht: Wer auf 50 Bewerbungen in einem bestimmten Beruf nur Absagen bekommen hat, sollte sich für die Ausbildung in verwandten, aber weniger umkämpften Berufen umsehen. "Es kommt auf den Einstieg an", sagt Engelmann. Wichtig ist zu wissen, welche Richtung man einschlagen will. Dann sollte man flexibel sein, empfiehlt er.

Im Ausschlussverfahren

Allein die Richtung ist für viele, die sich nun bewerben sollten, ein Problem. Ihre Orientierung ist nicht abgeschlossen. Für sie hat der IHK-Ausbildungsreferent zwei Tipps: Sich über ein Ausschlussverfahren ("Was will ich nicht?") an das herantasten, was in Frage kommt und dann testen. Ein Praktikum kann die Entscheidung für oder gegen einen Beruf erleichtern.

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