Ausbildung: Welche Versicherung Lehrlinge wirklich brauchen

- Wenn demnächst das neue Lehrjahr beginnt, haben die Auszubildenden wenigstens in Sachen Versicherung kaum Arbeit. Nur wenige Versicherungen sind für sie notwendig und empfehlenswert. Im Hinblick auf die gesetzlichen Versicherungen geht alles automatisch. Und das heißt:

Krankenversicherung

Jeder Azubi gehört einer gesetzlichen Krankenkasse an. Die bisherige kostenfreie Mitversicherung durch die Eltern entfällt, weil es auf die Höhe der Ausbildungsvergütung nicht ankommt, also die 400-Euro-Grenze nicht gilt. Welche Krankenkasse gewählt wird, das entscheidet der Azubi selbst, nicht sein Ausbildungsbetrieb. Es kann die AOK am Ort sein, aber auch eine Innungs-, Betriebs- oder Ersatzkrankenkasse. Entscheidend für die Wahl ist hauptsächlich die Höhe des Beitrags.

Pflegeversicherung

Jeder Azubi ist gesetzlich pflegeversichert. Das klingt für einen 17- oder 18-Jährigen paradox, hat aber seinen Sinn: Ein schwerer Motorrad- oder Autounfall kann auch einen jungen Menschen zum Pflegefall machen. Die Pflegekasse ist dann am Zug.

Arbeitslosigkeit

Und dass es sinnvoll ist, gegen die Folgen einer Arbeitslosigkeit versichert zu sein, versteht sich beinahe von selbst. Niemand kann sicher sein, nach dem Ende seiner Ausbildung weiterbeschäftigt zu werden oder in einem anderen Unternehmen unterzukommen.

Rentenversicherung

Bleibt, viertens, die gesetzliche Rentenversicherung, die, wenn's ganz dicke (Unfall, schwere Krankheit) kommt, ebenfalls schon als Teenager oder Twen in Anspruch genommen werden kann.

Unfallversicherung

Schließlich die für Azubis - finanziell gesehen - erfreulichste Versicherungsart: die gesetzliche Unfallversicherung. Erfreulich deshalb, weil die Beiträge dafür der Arbeitgeber alleine trägt. Gesundheitsschäden nach Unfällen während der Arbeit oder auf einem der Arbeitswege (auch: von der Wohnung zum Betrieb und zurück) finanziert die Berufsgenossenschaft, quasi Unfall-Krankenkasse und Unfall-Rentenversicherung in einem.

Was die Formalitäten betrifft: Der Arbeitgeber meldet seine Auszubildenden bei den Sozialversicherern an. Er benötigt dafür die Information, bei welcher Krankenkasse das geschehen soll, und braucht auch das Versicherungsnachweisheft für die Rentenversicherung. Daraus ergibt sich die Versicherungsnummer. Wer den Antrag dafür nicht selbst besorgen oder ausfüllen will, der wendet sich an die gewählte Krankenkasse.

Wer trägt die Beiträge für die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung? Der Azubi und sein Arbeitgeber je zur Hälfte. Nur in der Krankenversicherung hat sich die Beitragslast seit dem 1. Juli 2005 durch die 0,9-Prozent-Regelung ein wenig zu Ungunsten der Azubis verschoben. Die Firma ist allerdings in voller Höhe dran, wenn die Ausbildungsvergütung 325 Euro im Monat nicht übersteigt. Das heißt: Der Auszubildende ist dann völlig kostenfrei sozialversichert. Aber ist er damit auch rundum versichert? Nicht ganz.

Privathaftpflicht

Wichtig ist die Privathaftpflichtversicherung. Sie tritt ein, wenn einem anderen schuldhaft ein Schaden zugefügt wird - etwa als Fußgänger, Inline-Skater oder Fahrradfahrer. Bis zum Abschluss der ersten Ausbildung besteht dieser Schutz allerdings im Regelfall über die Police der Eltern, sofern sie selbst privat haftpflichtversichert sind. Wenn nicht: unbedingt selbst abschließen! Eine Privathaftpflicht ist nicht teuer.

Rechtsschutz

Eine Rechtsschutzversicherung muss meistens ebenfalls nicht vom Azubi eingegangen werden, weil sie (für nicht Verheiratete) bis zum 25. Geburtstag über die Eltern läuft. Wenn die Eltern keine Rechtsschutzversicherung haben, sollte der Azubi überlegen, ob er wirklich einen solchen Schutz braucht. Wer ein eigenes Auto besitzt, kann unter Umständen über eine Verkehrsrechtsschutzversicherung nachdenken. Verpflichtend ist allerdings nur die Kfz-Haftpflichtversicherung.

Hausratversicherung

Eine von den Eltern abgeschlossene Hausratversicherung gilt auch für Azubis (sogar für deren Zweitwohnung, wenn die Ausbildung eine auswärtige Unterkunft erfordert).

Berufsunfähigkeit

Für die finanzielle Absicherung gegen Berufsunfähigkeit gibt es keinen gesetzlichen Versicherungsschutz mehr. Zwar stehen Auszubildende und Studenten erst am Anfang ihres Berufslebens, dennoch sollten sie das Risiko einer Berufsunfähigkeit nicht verdrängen und überlegen, ob sie trotz ihres jugendlichen Alters bereits eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Ohne Eigenvorsorge sind nämlich im Falle eines Falles Versorgungslücken programmiert. Und die Beiträge für diese Versicherung sind bei einem solch frühen Versicherungsbeginn niedrig, Leistungsausschlüsse aufgrund von Vorerkrankungen oder gar Ablehnungen wegen eines schlechten Gesundheitszustandes sind eher selten. Ein Versicherungsschutz von monatlich 500 Euro Rente bei Berufsunfähigkeit ist für eine Bürokauffrau-Auszubildende schon ab etwa 10 Euro pro Monat zu bekommen.

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