"Ausbildungspakt ist gescheitert"

- München - Exakt 5013 Jugendliche haben in diesem Herbst in Bayern keinen Ausbildungsplatz bekommen. Eigentlich ein gutes Ergebnis. Schließlich waren Ende August noch mehr als 22 000 Bewerber ohne Stelle. Doch die Statistik täuscht, warnte Heide Langguth, stellvertretende DGB-Vorsitzende in Bayern. "Das Lehrstellen-Problem ist nicht gelöst, sondern nur verschoben." Den Ausbildungspakt, den Bundesregierung und Arbeitgeber im Sommer geschlossen hatten, bezeichnete Langguth daher als "gescheitert".

<P>So fanden von den 22 000 Ende August noch nicht vermittelten Jugendlichen lediglich 6500 eine Lehrstelle. Rund 5500 Bewerber wurden in eine berufsvorbereitende Maßnahme vermittelt. Für den Besuch einer weiterführenden Schule entschlossen sich knapp 1700. Rund 3300 fielen aus der Statistik, weil sie entweder einen Job annahmen oder nicht mehr als Lehrstellen-Suchende registriert waren.</P><P>"Durch die Nachvermittlung wurden zwar 11 000 Jugendliche untergebracht, aber nicht in einer betrieblichen Ausbildung", sagte Langguth. Um die Statistiken zu schönen, würden immer mehr Jugendliche ohne Ausbildungsplatz in berufsvorbereitende Maßnahmen geschickt. Mit dramatischen Folgen: "Mehr als jeder dritte Lehrstellensuchende war 2004 ein Altbewerber", so Langguth. Auch die Zahl der Berufsschüler, die keinen Ausbildungsplatz haben, wächst weiter: Derzeit liegt sie bei rund 18 400. Das ist jeder fünfte Berufsschüler.</P><P>Zugleich räumte Langguth mit dem Vorurteil auf, dass die nicht vermittelten Bewerber schlecht qualifiziert seien: "Mehr als die Hälfte der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz haben mindestens einen qualifizierten Hauptschulabschluss." Nur acht Prozent hatten die Schule ohne Abschluss verlassen.</P><P>Trotz des Ausbildungspaktes und Appellen der Politik sei im Beratungsjahr 2003/2004 die Zahl der Lehrstellen im Freistaat um 9,5 Prozent auf 79 300 Stellen gesunken. Dem gegenüber standen etwa 100 000 Bewerber. Weiten Teilen Bayerns drohe inzwischen eine dramatische Unterversorgung. Lediglich in den Bezirken München, Weilheim und Landshut gab es rein rechnerisch mehr Stellen als Bewerber. Am besten Schnitt München mit 157 Angeboten auf 100 Bewerber ab. Das Schlusslicht bildete Bamberg mit 46 Stellen für 100 Jugendliche. "Eine Entspannung am Lehrstellenmarkt ist nicht in Sicht", betonte Langguth.<BR>Die Gewerkschaft forderte daher erneut, eine Abgabe für Betriebe einzuführen, die nicht ausbilden. "Weiter auf Freiwilligkeit zu setzen, halte ich für fahrlässig", so Langguth. Zudem müssten die Verbundausbildungsmodelle und die überbetriebliche Ausbildung gestärkt werden. Schließlich sprach sich Langguth für die Ausweitung der Mobilitätshilfen aus.</P>

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