Ausgeplündert und jetzt arbeitslos

- Fürstenfeldbruck -­ "Es soll nach oben gehen, während wir alle im selben Korb sitzen." Das sagte Ronald K., damals Werkleiter des Bahn-Fernmeldewerks Aubing, im Jahr 2000. Er fand salbungsvolle Worte, als es um die Zukunft des Werkes ging, das damals mit 150 Mitarbeitern gute Gewinne machte. Später, nach der Privatisierung, wurde Ronald K. (50) "Managing Director", heute ist er nur noch Gesellschafter des Unternehmens, das inzwischen RCF-Repair-Center heißt.

Nun trifft ein anderer Vergleich zu: Ronald K. treibt fernab im komfortabel eingerichteten Rettungsboot, während die meisten der noch 108 Mitarbeiter wohl vergeblich auf Hilfe hoffen.

Das Unternehmen hat nämlich Insolvenz angemeldet. Der Vergleich mit dem Rettungsboot drängt sich angesichts der Vorgeschichte auf, wie sie die Belegschaft in einem offenen Brief eindringlich darstellt. So habe K. mit einem erheblichen Zuschuss der Bahn ein neues Firmengebäude am Fürstenfeldbrucker Bahnhof gebaut. Ein Jahr später gehörte das bezuschusste Gebäude einer neuen Vermögensverwaltungsgesellschaft, die K. eigens gegründet hatte. Die eine Firma zahlte der anderen Miete. Nicht nur diese Miete sei der ehemaligen Bahn-Gesellschaft entzogen worden. Auch K. persönlich hat nach Darstellung der Belegschaft aus dem Unternehmen Gewinne im zweistelligen Millionenbereich gezogen, während es mit dem Geschäft zunehmend bergab ging. Die Bahn als Hauptgeschäftspartner zog immer mehr Aufträge zurück. Die von Mitarbeitern angemahnte Erschließung neuer Geschäftsfelder sei nicht vorangekommen, unter anderem, weil der Chef Verhandlungen ohne Angaben von Gründen platzen ließ, wie die Mitarbeiter ihm nun vorwerfen. Auch vorhandene Aufträge seien von K. an andere Firmen verschoben worden, die ihm gehören.

Selbst ein Sozialplan, in dem K. verpflichtet wurde, drei Millionen Euro einzubringen, wurde nicht umgesetzt. Dafür blieben die Löhne für den laufenden Monat aus.

Der Chef zumindest ist fein raus. Neben den Millionen, die er aus dem Unternehmen, dessen Anteile ihm einst von der Bahn geschenkt wurden, herausgezogen hat, verfügt er noch über einen Status als Beamter der Bahn. Er kann dort jederzeit wieder anfangen.

Insgesamt 17 der Mitarbeiter können ebenfalls zur Bahn zurückkehren. Zehn weitere haben gekündigt. Für 71 bleibt nur das traurige Schicksal Arbeitslosigkeit.

Als Unternehmenslenker hat sich K. zurückgezogen ­ in die Schweiz, heißt es im Unternehmen. Aus der Schweiz, genauer aus Basel, kommt auch der neue Geschäftsführer, Hansjürg G. (59), der am 20. Juni 2006 von K. eingesetzt wurde. Im Unternehmen wurde er seither viermal gesehen, sagte Betriebsrätin Michaela Zauner gegenüber unserer Zeitung. Ronald K. war gestern nicht zu erreichen.

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