Wer im Ausland nicht schmiert, geht leer aus

München - Auch große Korruptionsskandale lassen deutsche Manager vielfach kalt. Sie pochen auf Gewohnheitsrechte und sehen Nachteile für gesetzestreue Firmen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Managerbefragung.

Korruption entstammt dem lateinischen Wort "corrumpere", was so viel wie verderben, untergraben oder eben bestechen bedeutet. In die öffentliche Diskussion gezerrt wurden die verdorbenen Sitten im Geschäftsleben im auslaufenden Jahr spätestens durch die Siemens-Affäre um schwarze Kassen. Was deutsche Manager heute von derart anrüchigen Praktiken halten, hat jetzt die auf Führungskräfte spezialisierte Münchner Personalberatung CGC in einer bundesweiten Umfrage in Chefetagen ermittelt. Die Antworten sind teils bemerkenswert.

Demnach halten 56 Prozent aller deutschen Manager die Berichterstattung in Medien für imageschädlicher als die Korruption selbst. Die Hälfte aller Führungskräfte ist zudem weiterhin der Meinung, dass Korruption speziell im Ausland ein Mittel zum Zweck im Kampf um Aufträge und Arbeitsplätze ist. 44 Prozent sehen ohne Schmiergeld für gesetzestreue Firmen Nachteile im Konkurrenzkampf.

"Unternehmer und Manager fordern ganz klar mehr Verständnis für ihre Situation und eine aktivere Mitarbeit durch Politik, Gesellschaft und Finanzmärkte", lautet ein Fazit von CGC-Gesellschafter Claus Goworr aus der Studie "Korruption in deutschen Unternehmen". Diese sähen speziell im Ausland eine zunehmende Bestechung von Auftraggebern, weil es dort anerkannte Geschäftspraxis sei.

Fast die Hälfte aller befragten Manager hält Geschenke im Wert bis zu 500 Euro nicht für fragwürdig. Immerhin ein Viertel empfindet das so bei Bargeldzahlungen ohne vorgegebene Begrenzung. Fast ein Fünftel sieht sogar Angebotsabsprachen bei Ausschreibungen als legitim an. 44 Prozent der Führungskräfte machen ausdrücklich einen ethischen Unterschied zwischen privater Bereicherung durch Korruption und "geschäftsfördernden Maßnahmen zur Sicherung von Aufträgen". An solchen Praktiken habe sich vor allem im Ausland im vergangenen Jahrzehnt nichts geändert, sagen die Stimmen aus der Praxis.

Die deutschen Gesetze gegen Korruption halten 40 Prozent der heimischen Manager für zu schwammig. Kein Befragter empfand sie als geschäftsschädigend oder zu streng. Einige Führungskräfte hätten hierzulande für die Einführung einer Kronzeugenregelung für Informanten plädiert, schreibt CGC. Andere würden eine international verbreitete, aber in Deutschland nicht existierende strafrechtliche Verantwortlichkeit von Firmen fordern. In Deutschland können sündige Unternehmen, anders als überführte Manager, derzeit nur nach dem Gesetz für Ordnungswidrigkeiten bestraft werden.

Befragt hat CGC Führungskräfte und Entscheider heimischer Betriebe jeder Größenordnung und sowohl Firmen, die nur im Inland als auch solche die zudem im Ausland im Wettbewerb stehen. Als Vermittler von Führungspersonal reklamiert CGC Know-how im Verständnis der heimischen Managementelite für sich.

Kein "Maximallohn"

Die Bundesregierung plant keinen "Maximallohn" für Manager. Eine solche gesetzliche Obergrenze für Spitzenverdiener sei gerade bei Aktiengesellschaften "nicht sinnvoll und verfassungsrechtlich bedenklich", schreibt das Bundeswirtschaftsministerium in der Antwort auf eine FDP-Anfrage, die dem "Spiegel" vorliegt. Die Regierung plane "weder gesetzliche Beschränkungen im Sinne eines branchenspezifischen noch eines universell gültigen Maximallohnes", heißt es in der Mitteilung aus dem Haus von CSU-Minister Michael Glos. Die SPD will jedoch in einer Arbeitsgruppe prüfen, wie Manager mit Millionengehältern stärker vom Fiskus zur Kasse gebeten werden können. Die Arbeitsgruppe soll bis zum Frühjahr Vorschläge für das Parteipräsidium erarbeiten.  (dpa)

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