Auslandsaufenthalt: Wie Schüler Freiheit schnuppern

München - Ein Schuljahr in Australien, ein Au-pair-Aufenthalt in Frankreich oder ein freiwilliges Soziales Jahr in Afrika: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene zieht es in die Ferne. Damit das Lernen fürs Leben im Ausland kein Reinfall wird, ist eine gute Planung unverzichtbar.

Im Ausland gewesen zu sein, gehört heute zum guten Ton. Vor allem Personalverantwortliche legen Wert darauf, dass Bewerber Erfahrungen im Ausland gesammelt haben. Allein rund 14 000 deutsche Schüler verbringen ein Highschool-Jahr im Ausland. Die Tendenz ist steigend. Wie lange und auf welche Art man den Schritt in die Fremde wagt, hängt von den individuellen Lebensumständen und den finanziellen Voraussetzungen ab. Auch das Zielland sollte sorgfältig ausgewählt werden. Es lohnt sich nicht, ein Jahr in Moskau zu verbringen, wenn man Russisch für seinen Lebensweg gar nicht braucht oder später nie wieder in Russland leben will.

Kinder müssen selbstständig sein

Bevor Eltern ihre Kinder ins Ausland schicken, sollten sie gut überlegen, ob der Nachwuchs dieser Herausforderung wirklich gewachsen ist. Davon hängt auch die Auswahl des Reiselandes ab. Je selbstständiger die Jugendlichen sind, umso weiter kann man sie auch in die Ferne schicken. Außerdem sollten die Jugendlichen mit Konflikten umgehen und sich anpassen können. Denn die wenigsten Auslandsaufenthalte laufen reibungslos ab. Konflikte mit der Gastfamilie sind normal, gerade wenn diese einen völlig anderen sozialen, ethnischen und religiösen Hintergrund haben.

Kommerziell oder gemeinnützig?

Der Vorteil, sein Kind mit einer erfahrenen Organisation ins Ausland zu schicken, liegt auf der Hand. Die Eltern müssen sich nicht um Details wie Auslandsreisekrankenversicherung oder Visum kümmern. Versteht das Kind sich nicht mit der Gastfamilie, sorgt die Organisation für eine Alternative. Die Betreuung hat ihren Preis. Ein Schulhalbjahr an einer öffentlichen Schule in Kanada kostet rund 9000 Euro, wenn es von Travelworks vermittelt und organisiert wird. Günstiger ist der Aufenthalt in Brasilien, hier kostet das ganze Jahr 6150 Euro, in Frankreich knapp 7000 Euro.

Aufenthalte mit Organisationen, die nicht auf Gewinn ausgerichtet sind, sondern den Jugendaustausch fördern wollen, sind trotz ideellem Hintergrund nicht zwangsläufig günstiger. Der gemeinnützige AFS ist nach eigenen Angaben die größte und älteste Jugendaustauschorganisation der Welt. Ein Schuljahr in Australien, Neuseeland und Kanada kostet über AFS organisiert 8350 Euro. Der Aufenthalt in Lateinamerika ist bei einem Preis von rund 6500 Euro teurer als beispielsweise bei Travelworks.

Vorteil von AFS: Rund ein Drittel der Kinder werden mit einem Teilstipendium ins Ausland geschickt. Gefördert werden der Aufenthalt in bestimmten Ländern, Ausländerkinder oder Kinder, deren Eltern in bestimmten Firmen arbeiten. Je nach Einkommen der Eltern wird mit dem Stipendium bis zur Hälfte des Programmpreises abgegolten.

Sommer-Kurse als Alternative

Durch die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre wird es für Schüler schwieriger, zu Beginn der Oberstufe zu fehlen. Eine Alternative zum Auslandsjahr sind die Sommerkurse, die zahlreiche Universitäten weltweit anbieten. Schüler ab 15 Jahren können dort zwei bis drei Kurse belegen und schon einmal Uni-Luft schnuppern. Voraussetzung ist in der Regel der Abschluss der 10. Klasse. Die Agentur College Contact (www.college-contact.com) vermittelt kostenlos Sommerkurse, vor allem an amerikanischen Universitäten. Für sechs Wochen müssen Eltern dafür um die 3000 Euro zahlen.

Au-pair-Aufenthalt ist kostengünstiger

Kostengünstig kommen junge Leute ab 18 als Au-pair ins Ausland. Voraussetzung ist, dass sie Kinder mögen und bereit sind, Zeit mit ihnen zu verbringen. Kost und Logis werden ebenso von der Gastfamilie getragen wie ein monatliches Taschengeld, eine Unfall-, Haftpflicht- und Krankenversicherung. Zahlreiche Agenturen vermitteln Au-pairs ins Ausland. Normalerweise muss der Jugendliche gar nichts oder eine geringe Vermittlungsgebühr von 100 bis 200 Euro bezahlen. Die restlichen Kosten übernimmt die Gastfamilie.

Freiwilligen-Dienst für Volljährige

Jugendliche, die sich nicht mit Kindern und Haushalt beschäftigen wollen, können auch einen Freiwilligendienst absolvieren. Gefördert werden der Europäische Freiwilligendienst, das Soziale und Ökologische Jahr und der entwicklungspolitische Freiwilligendienst. Voraussetzung ist lediglich die Volljährigkeit. Nur Bewerber beim entwicklungspolitischen Freiwilligendienst brauchen Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Keine einheitlichen Qualitätsstandards

Den Veranstalter zu finden, dem man sein Kind anvertrauen möchte, ist in Deutschland besonders schwer. Zwar zieht es Tausende deutsche Jugendliche jedes Jahr in die Ferne, doch gibt es für die Austauschorganisationen keine einheitlichen Qualitätsstandards, nur freiwillige Selbstverpflichtungen. Seriöse Organisationen führen ausgiebige Auswahlgespräche, um die Eignung der Kandidaten festzustellen. Zur Vorbereitung der Schüler sollte ein mehrtägiges Seminar verpflichtend sein. Vor Ort müssen Mitarbeiter regelmäßig die Austauschschüler besuchen, um mögliche Probleme schnell lösen zu können. Besonders wichtig: Ein Notruftelefon, das 24 Stunden am Tag erreichbar ist.

Je früher man mit der Planung beginnt, desto besser. Ein halbes bis ganzes Jahr ist ein realistischer Zeitrahmen, um den Aufenthalt vernünftig vorzubereiten. Den Auslands-Aufenthalt auf eigene Faust zu planen ist allgemein nicht empfehlenswert.

Mehr Informationen

gibt es bis einschl. 28. März unter der Fax-Abrufnummer 0 900 1/25 26 65 53 40 (6 Seiten, 62 Cent/Min.). Kein Fax? Dann einen mit 90 Cent frankrierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort "Auslandsaufenthalt" an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

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