Ausnahmezustand Winter: So verhalten Sie sich jetzt richtig

- Wenn der Winter zur "höheren Gewalt" wird, gelten für Haus und Auto spezielle Regeln. Auf ihre Versicherung können sich dabei die wenigsten verlassen.

Eingedrücktes Dach

Drücken Schneemassen das Hausdach ein, zahlt die Versicherung meist nicht. Wohngebäude- und Hausratversicherung regulieren zwar grundsätzlich Schäden am Gebäude bzw. der Einrichtung - aber nicht bei Schneedruck. In diesem Fall bedarf es zusätzlich einer Elementarschadenversicherung. "Und die haben die wenigsten", erklärt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BDV). Das gilt ebenso für Wintergarten, Schuppen, Gartenhäuschen und Garage.

Umgestürzter Baum

Bricht der Baum im Garten unter dem Schnee zusammen, gibt es keinen Ersatz von der Versicherung. Pflanzen sind auch in einer Elementarschadenversicherung nicht enthalten. Trifft ein Baum oder ein herabfallender Ast das eigene Haus oder wird man selbst getroffen, muss man auch diesen Schaden selbst tragen.

Schlägt ein Baum von einem anderen Grundstück ein, bleibt man in der Regel ebenfalls auf dem Schaden sitzen. Zwar gilt für den Eigentümer des Baums - auch wenn dies die Gemeinde ist - die Verkehrssicherungspflicht. Doch nur wer schuldhaft einen Schaden verursacht, muss dafür haften. Extrem-Schnee "ist im Zweifel höhere Gewalt", erklärt ein Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Nur wenn der Baum zum Beispiel schon morsch war, kommt eine Haftung in Frage.

Behörden warnen nach wie vor, Parks und Wälder zu betreten. Es droht weiterhin Schneebruch. Die Untersuchung der Bäume werde noch mehrere Tage dauern, heißt es etwa bei der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung.

Zerbeultes Auto

Was für Schäden am Haus gilt, trifft auch für das Auto zu. Einzige Ausnahme: Wer eine Vollkasko-Versicherung hat, kann von dieser den Schaden am eigenen Auto regulieren lassen. Aber das lohnt sich nicht immer. "Man sollte eine mögliche Rückstufung beim Schadenfreiheitsrabatt und die Selbstbeteiligung berücksichtigen", rät BDV-Experte Rudnik. Möglicherweise ist es günstiger, den Schaden selbst zu tragen.

Dachlawine

Auch für Dachlawinen gilt meist: "Höhere Gewalt". Die Verkehrssicherungspflicht liegt beim Eigentümer des Gebäudes. Gibt es Mieter, wird die Sicherungspflicht in der Regel an sie weitergegeben. Doch auch hier lautet der Grundsatz: Ohne Schuld keine Haftung. Schutzvorrichtungen gegen Dachlawinen - etwa Gitter - sind in der Regel in baulichen Vorschriften enthalten. "Rutscht trotz dieser Schutzmaßnahmen Schnee ab, haftet niemand", erklärt Hedwig Telkamp von der Verbraucherzentrale Bayern.

Auf dem Parkplatz

Wer sein Auto in einem Bereich abstellt, in dem Anwohnerausweis, Parkschein oder Parkscheibe vorgeschrieben sind, muss sich bei Schneefall nicht sorgen. "Der Fahrer hat nur die Pflicht, dies sichtbar unter der Frontscheibe auszulegen", erläutert ein ADAC-Sprecher. Schneit es das Auto ein und will eine Politesse kontrollieren, muss sie die Scheibe selbst freiwischen.

Wird das Auto am Wochenende auf einem Parkplatz eingeschneit, auf dem unter der Woche Halteverbot gilt, muss es ausgegraben und weggefahren werden. Sonst droht - trotz Extremwetter - ein Strafzettel.

Steht das Auto auf einem Parkplatz ohne Einschränkung, kann man es dort lassen, bis Tauwetter anbricht - auch mehrere Wochen lang. Allerdings sollte man den Platz regelmäßig aufsuchen. Wird in der Zwischenzeit ein Halteverbot aufgestellt - etwa weil Straßenbauarbeiten nötig sind -, kann nach drei Tagen abgeschleppt werden.

Richtig freigeschaufelt

Wer nach starkem Schneefall wieder startet, muss für ausreichende Sicht sorgen: Frontscheibe, beide Seitenfenster und beide Außenspiegel müssen mindestens frei sein. Vernünftiger sei es, alle Scheiben von Schnee und Eis zu befreien, heißt es beim ADAC. Außerdem müssen Motorhaube, Dach und Kofferraumdeckel gekehrt werden, damit andere Verkehrsteilnehmer nicht durch herabfallenden Schnee gefährdet werden. Auch Scheinwerfer und Kennzeichen müssen schneefrei sein.

Matsch-Dusche

Prescht ein Auto durch eine Pfütze und bespritzt einen Fußgänger, haftet nach ADAC-Angaben der Fahrer für die Reinigungskosten, wenn die Matsch-Dusche - etwa durch Bremsen - vermeidbar gewesen wäre.

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