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US-Präsident Donald Trump während einer Rede zur geplanten US-Steuerreform in St. Charles. Foto: Andrew Harnik

Fragiles Umfeld

Aussicht auf US-Steuerreform beflügelt die Börsen

Die Fortschritte bei den geplanten Steuererleichterungen beflügeln weltweit die Börsen. Anleger hoffen auf einen Wachstumsschub nicht nur in den USA. Die Frage ist, wie lange sich die gute Stimmung hält.

Frankfurt/Main (dpa) - Der Etappensieg von US-Präsident Donald Trump auf dem Weg zu einer Steuerreform hat an den Finanzmärkten für Optimismus gesorgt. Die Kurse am deutschen Aktienmarkt legten heute nach Handelsstart zu, die Renditen in Euro-Ländern stiegen, der Dollar verzeichnete kräftige Gewinne.

Allerdings ist die Dauerhaftigkeit der guten Stimmung alles andere als sicher. Experten verweisen auf ein fragiles Umfeld. Denn Trumps Abstimmungserfolg steht im Schatten neuer Entwicklungen um den ehemaligen US-Sicherheitsberater Michael Flynn, die auch den Präsidenten in der Russland-Affäre unter Druck setzen. Außerdem dürfte die Freude im Trump-Lager durch die anstehenden Diskussionen um die Verschuldungsobergrenze getrübt werden, für deren Anhebung die Zustimmung aus den Reihen der Demokraten erforderlich sei, hieß es.

Der US-Senat hatte grünes Licht für die von Trump angestrebten starken Steuererleichterungen für Unternehmen gegeben. Zwar steht noch eine Abstimmung im Repräsentantenhaus an. Die Republikaner zeigten sich aber optimistisch, dass Trump das Gesetz noch vor Jahresende unterzeichnen kann.

Der US-Präsident strebt unter anderem eine Senkung der Körperschaftsteuer von derzeit 35 auf 20 Prozent an. Laut Experten der Commerzbank dürfte die Reform Unternehmen um etwa 700 Milliarden Dollar entlasten. Zudem könnte eine Ausweitung der Abschreibungsmöglichkeiten Anreize für Investitionen schaffen.

Der deutsche Leitindex Dax glich zum Börsenstart seinen jüngsten Kursrutsch weitgehend aus. In den ersten Handelsminuten legte er um 1,21 Prozent auf 13.016,87 Punkte zu. Der US-Dollar bekam zwischenzeitlich kräftigen Aufwind und stieg gegenüber allen wichtigen Währungen. Im Gegenzug geriet der Euro unter Druck und fiel bis auf 1,1836 Dollar. Die Aussicht auf einen Konjunkturimpuls lockte Anleger zugleich aus den als sicher geltenden Staatspapieren.

Der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet damit, dass die Steuerreform Druck auf die hiesige Politik erzeugen dürfte. Der "Rheinischen Post" (Montag) sagte er: "Die Reform wird Investitionen und Konsum in den USA erhöhen und den internationalen Steuerwettbewerb anheizen." Das US-Leistungsbilanzdefizit werde sich ausweiten. Der Anstieg der US-Staatsschulden werde den Zinsanstieg beschleunigen und zu wachsenden Inflationserwartungen für den US-Dollar führen.

"Für Europa bedeutet diese Reform, dass die Exporte in die USA weiter ansteigen", sagte Fuest. Das werde auch die europäische Konjunktur beflügeln. "Gleichzeitig steigt der Druck, die Unternehmensbesteuerung zu senken, um eine Verlagerung von Investitionen und Jobs in die USA zu verhindern. Der Druck auf die EZB wird steigen, aus der expansiven Geldpolitik auszusteigen."

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