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Kontrollen wie an Flughäfen mussten die Aktionäre vor der HRE-Hauptversammlung über sich ergehen lassen.

Hypo Real Estate

Aussichtsloser Protest gegen den Rauswurf

München – Die Wut der verbliebenen HRE -Aktionäre war greifbar. Doch sie sollte in der Hauptversammlung kein Forum finden. Der geplante Aktionärs-Rauswurf prägte die Veranstaltung dennoch.

Wer bei der Hypo-Real Estate von Anfang an dabei war, hatte keine Wahl: Für vier Aktien der HypoVereinsbank (die entsprechend abgewertet wurden) gab es 2003 ungefragt eine neue der abgespalteten Hypo Real Estate. Auch jetzt haben die Aktionäre keine Alternative. Im Herbst werden die noch umlaufenden Aktien ungefragt wieder einkassiert. Am 4. Oktober wird die Hauptversammlung der Hypo Real Estate mit der 90-prozentigen Stimmenmehrheit des Bundes beschließen, dass die noch verbliebenen Aktionäre herausgedrängt werden. Bekommen werden diese dafür fast nichts. Denn die Aktie hat gegenüber den Höchstständen rund 97 Prozent an Wert verloren. Zwischen 1,47 und 1,50 Euro notierte sie am Tag der Hauptversammlung. Und es spricht nichts dafür, dass sich daran bis Oktober etwas ändern wird.

Die Wut der Aktionäre darüber war bei der vorletzten Hauptversammlung des Immobilienfinanzierers am Donnerstag greifbar. Doch sichtbare Proteste wurden von den Ordnern auf den Eingangsbereich des Messe-Kongresszentrums zurückgedrängt. Im Saal wurden protestierenden Aktionären ihre Transparente entrissen. Dort sollte der „Squeeze Out“ (börsendeutsch für das Herausdrängen der Restaktionäre) kein Thema sein, wie Aufsichtsrats-Chef Michael Enders zu Beginn vorgab.

Doch er konnte das Thema nicht verbannen: „Die Aktionäre müssen die giftige Suppe auslöffeln, deren Köche dafür auch noch belohnt werden“, kritisierte Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz unter Anspielung auf hohe Gehalts- und Pensionsansprüche der früheren Manager.

Außer bitteren Worten der Abrechnung blieb für die entmachteten Anteilseigner des Krisenunternehmens nur die Bitte darum, bei einer künftigen Reprivatisierung wieder dabei sein zu dürfen. Ihre Vertreter forderten daher ein bevorzugtes Bezugsrecht für Aktien, wenn der Staat das Unternehmen später einmal wieder in private Hände gibt.

Gleichzeitig versuchten Aktionärssprecher Pflöcke für die künftige juristische Aufarbeitung einzurammen. So forderte Daniela Bergdolt einen Verjährungsverzicht – damit Aktionäre mehr Zeit bekommen, um Ansprüche gegen die Bank geltend zu machen. Sie forderte gleichzeitig Auskunft über die Haftpflichtpolicen der früheren Vorstände und Aufsichtsräte, die, wie sie sagte, „die Geschäfte der Bank mit einer Pokerrunde verwechselt hatten“.

Und die Aktionäre wollen sich nicht mehr ganz so leicht aufs Glatteis führen lassen, wie bei der früher halbstaatlichen Krisenbank IKB, wo Untersuchungen zunächst eingeleitet, die Ergebnisse aber dann unter Verschluss gehalten wurden. So soll die geplante Sonderprüfung zum Versagen der früheren HRE -Verantwortlichen nun umfassender ausfallen als bislang geplant. Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warnte vor einem bloßen „Schaulauf“. Wie Bergdolt forderte er, dass die Ergebnisse der eingeleiteten Sonderprüfungen veröffentlicht werden. Denn diese Ergebnisse können den Aktionären wichtige Informationen für Klagen gegen die früheren Aufseher um Kurt Viermetz und den Vorstand unter Ex-Konzernchef Georg Funke liefern.

Der neue HRE -Chef Axel Wieandt berichtete vorher über erste Sanierungserfolge: „Unsere Maßnahmen haben die HRE schon jetzt deutlich schlagkräftiger gemacht“, sagte der Vorstandschef. Gleichzeitig rechnet er aber mit einer noch Jahre andauernden Durststrecke. „Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass wir vor 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren können“, sagte er. Wieandts bisher makelloses Image hat aber durch die Sonderzahlung von 500 000 Euro gelitten, die er Anfang dieses Jahres erhalten hat. Diese sei nicht illegal gewesen, räumte Daniela Bergdolt ein. Sie forderte auch von ihm mehr Anstand und Bescheidenheit. Wieandt habe aber „eine Gesetzeslücke genutzt, um sich ein kleines Extra zu verdienen, während die Aktionäre alles verlieren“.

Von Martin Prem

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