Supermarktkette in der Kritik

Wegen kostenpflichtiger Plastiktüten: Kunden attackieren Verkäufer

Nachdem der Australische Supermarktriese Coles kostenlose Plastiktüten verbannt hatte, kam es zu tätlichen Angriffen auf Mitarbeiter. Coles ruderte daraufhin zurück - gleich zweimal.

Sydney - Die führende Australische Supermarktkette Coles hat sich im Kampf gegen Plastiktüten den Zorn von Befürwortern und Kritikern zugleich zugezogen und binnen weniger Tage zwei Kehrtwenden hingelegt. Gemeinsam mit der anderen größten Kette Australiens, Woolworths, hatte Coles im Juli landesweit Einwegplastiktüten aus seinen Filialen verbannt und stattdessen dickere Mehrwegtüten für 15 australische Cent (rund zehn Eurocent) das Stück angeboten. Damit setzten die Ketten ein Verbot um. Viele Kunden waren davon aber gar nicht begeistert und beschwerten sich bei Coles. Einige griffen in ihrer Wut über die kostenpflichtigen Tüten sogar Mitarbeiter tätlich an.

Daraufhin erklärte Coles am Mittwoch, die Mehrwegtüten wieder bis auf weiteres kostenlos auszugeben. Die Umstellung sei einfach zu "groß und schwierig" für die Kunden, hieß es zur Begründung. Das wiederum rief Umweltschützer und enttäuschte Kunden auf den Plan, die der Kette einen Bruch mit ihren Verpflichtungen zum Umweltschutz vorwarfen. Die Entscheidung von Coles sei ein "Verrat an Millionen Kunden" zugunsten einer lautstarken Minderheit, kritisierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Nutzer sozialer Netzwerke beschimpften Coles und kündigten an, fortan nur noch bei Woolworths und Aldi Australien einzukaufen. 

Daraufhin folgte die nächste Volte: Am Donnerstag kündigte Coles an, künftig doch wieder 15 Cent für die Plastiktüten zu nehmen - allerdings erst ab Ende August. Woolworths erklärte, an seinen kostenpflichtigen Tüten ohne Ausnahme festzuhalten. US-Forschern zufolge landen jedes Jahr acht Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren und Seen. Auch in der EU sind Strategien zur Eindämmung des Plastikmülls ein großes Thema. Bis 2019 soll die Nutzung von Einweg-Plastiktaschen im Vergleich zu 2010 um 80 Prozent verringert werden. In Deutschland verpflichtete sich der Handel daraufhin, die kostenlose Abgabe von Plastiktüten einzuschränken. Die Nutzung der Tüten geht seitdem zurück. 

Lesen Sie auch wie Lidl und Rewe gegen übermäßigen Plastikkonsum vorgehen wollen. Auch Edeka hat sich etwas einfallen lassen, um Plastik zu sparen.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa / Franziska Kraufmann

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