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Der Leitindex rutschte zwischenzeitlich um 10 Prozent ab.

Aktienmarkt

Ausverkauf geht weiter: Dax im freien Fall

Frankfurt - Kurzzeitig schien es so, als ob sich die Börsenwelt wieder normalisierte. Das Rettungspaket der Bundesregierung sicherte die Banken ab und der Dax entfernte sich von seinen Tiefs vom „Schwarzen Freitag“ Anfang Oktober.

Doch die Ruhe währte nur kurz: Gestern bekam das Börsenbarometer den nächsten Schlag und stürzte fast unter die psychologisch wichtige Marke von 4000 Punkten.

„Das ist keine Panik mehr, das ist schon eine Kapitulation“, kommentierte Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank den jüngsten Ausverkauf. „Der Anleger fällt in die stabile Seitenlage und kann nur noch zuschauen.“

Rezessionsgespenst

Trübe Aussichten allerorten machten den Märkten zu schaffen. „Es setzt sich zunehmend das große Thema Rezession durch“, sagte Marktstratege Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank. Ihm fehle mittlerweile die Fantasie, wie weit es noch nach unten gehen könnte. „Aktuell gilt am Markt das Motto: Alles muss raus!“ Dem stimmt Halver zu: „Der Markt verabschiedet sich von jeder Art von Illusion.“ Mehrere Großbanken sehen Deutschland und die USA bereits in einer Rezession. So etwa die Deka-Bank und die Postbank. Die Deutsche Bank erwartet für die Industrieländer sogar die schlimmste Rezession seit den 30er-Jahren. Für die G7-Staaten rechnen die Experten mit einem Minus der Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent.

Eigentlich hatte sich Duwe zufolge bereits Hoffnung breitgemacht, dass mit dem jüngsten Ausverkauf vor zwei Wochen und dem im Anschluss durchgesetzten Rettungspaket der Bundesregierung das Schlimmste am Markt vorbei sei. Bankenwerte klammerten sich denn auch an ihre alten Tiefstände und führten den neuerlichen Kurseinbruch nicht in vorderster Front an. „Der Staffelstab wurde aber nur von den Banken an die Realwirtschaft weitergegeben“, sagte Halver. „Derzeit bekommen wir für unsere deutschen Schlüsselindustrien fast jeden Tag vor Augen geführt, dass etwas nicht stimmt.“ Akutes Beispiel ist die Autoindustrie.

2000er-Vergleich

Einen Vergleich zu den Zuständen nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 wollte Landesbanker Duwe allerdings nicht ziehen. „Aus fundamentaler Sicht sieht es nicht so schlimm aus wie damals: Die Bewertungen der Aktien liegen derzeit auf einem historischen Tief seit 20 Jahren – das war im Jahr 2000 anders.“ Auch Halver sieht große Unterschiede.

„Damals hatten wir eine massive Überbewertung der Aktienkurse, aber die Realwirtschaft war in Ordnung.“ Nun sehe es umgekehrt aus. „Die Bewertungen sind gut, aber das Ausmaß dieser Krise für die Realwirtschaft kann nicht beziffert werden.“ Damit seien alle Möglichkeiten für den Markt offen – frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss.

Euro rutscht weiter

Die Angst vor einem Zusammenbruch der Märkte vor allem in Osteuropa ist nach Einschätzung von Experten ein wesentlicher Grund für den Absturz des Euro. Vor allem die Ukraine, Ungarn und Russland stehen wirtschaftlich auf schwachen Füßen. Das schwächt die Gemeinschaftswährung, da Banken und Firmen aus dem Euroraum dort stark engagiert sind. Gewinner sind Dollar und Yen, wobei der Yen derzeit auch gegenüber dem Dollar deutlich zulegt.

Der Euro sackte am Freitag zwischenzeitlich auf das niedrigste Niveau seit Oktober 2006. „Wir sehen den Beginn einer Krise auf den Währungsmärkten“, sagte Neil Mackinnon, Chefvolkswirt des Währungshändlers ECU Group. „Die Finanzkrise verstärkt sich und die neuen Märkte sind unter massivem Druck.“ Während der Euro und auch das Britische Pfund leiden, werden Dollar und Yen derzeit als sichere Währungen angesehen: Anders als die europäischen und britischen Banken haben die Geldhäuser in den USA und Japan nur sehr geringe Außenstände in Osteuropa und anderen jungen Märkten.

Von Dagmar Rummeleit

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