Auswandern - Teil 3: Wenn sich Heimkehrer fremd fühlen

München - Ob freiwillig oder unfreiwillig - für viele Auswanderer ist der Traum vom neuen Leben in der Ferne ein endlicher. Heimkehrer haben es in Deutschland meist recht schwer. Wir zeigen, auf was Rückwanderer gefasst sein müssen.

Im vergangenen Jahr zählte das Statistische Bundesamt 106 000 Deutsche, die wieder zurück in ihr eigentliches Heimatland gingen. Warum sie den Rücktritt antraten, ist nicht erfasst - generell können die Gründe sehr vielfältig sein. Und sie können unverhofft auftreten: Deswegen sollten Auswanderer eine mögliche Rückkehr immer mit in ihre Pläne einbeziehen, sagt Christiana Tings. Sie ist Sprecherin des Raphaels-Werks, ein gemeinnütziger Verein, der bundesweit Auswanderer und Rückkehrer berät.

Heimweh, Pflegefälle oder Schulpflicht

"Der Plan geht nicht auf wie gewünscht, finanzielle Probleme, ein Jobangebot aus Deutschland oder Sehnsucht nach der Familie, dem Partner und den Freunden daheim", zählt Christiana Tings mögliche Auslöser für eine Heimkehr auf. Ein häufiger Grund sei auch, dass Kinder schulpflichtig werden und eine Schule in Deutschland besuchen sollen. Oder dass die Eltern pflegebedürftig werden und Auswanderer ihre Familie zuhause unterstützen möchten. "Wer krank wird, fühlt sich oft im deutschen Medizin-System besser aufgehoben", sagt Tings weiter. Und von Älteren höre man immer wieder den Wunsch, in der Heimat sterben zu wollen und nicht in der Fremde.

Manchmal werde aber auch das Visum einfach nicht verlängert, sodass Auswanderer gar nicht selbst über ihre Rückkehr bestimmen können.

Zurückkehren ist ein zweites Auswandern

"Die Rückkehr muss wie ein weiteres Auswandern geplant werden", betont Tings. Dabei gilt: "Je länger man im Ausland war, desto schwieriger wird die Integration in Deutschland." Nach etwa fünf Jahren seien Auswanderer an einem kritischen Punkt angekommen: "Dann heißt es entweder gleich zurück nach Deutschland oder noch eine richtig lange Zeit im Ausland verbringen", sagt Tings.

Als Fremder zurück in die Heimat

Vielen Auswanderern ist die alte Heimat in all den Jahren fremd geworden: "Jeder entwickelt sich weiter und nicht alle Freunde warten Ewigkeiten, bis man zurückkehrt", macht Tings deutlich. Häufig geraten Rückkehrer in der ersten Zeit in emotionale Krisen. Umso wichtiger sei es deshalb, soziale Kontakte in Deutschland vom Ausland aus weiter zu pflegen.

Auch aus beruflicher Sicht ergeben sich oft Schwierigkeiten: "Man hat viele Erfahrungen gemacht und kann viele neue Dinge, die aber in Deutschland vielleicht nicht gefragt sind", sagt Tings. Da interessiere es auch kaum jemanden, dass man nun beispielsweise fließend Spanisch spreche.

Wer als Entsandter seiner Firma im Ausland eine Führungsposition innehatte, muss zurück in der Heimat nicht selten ein paar Stufen tiefer neu beginnen. "Während frühere Kollegen in der Zeit eventuell weiter aufgestiegen sind", erzählt Christiana Tings. Auch das sorgt für emotionalen Stress, kratzt am Selbstbewusstsein und kann ehemalige Weltenbummler ziemlich frustrieren.

Wechseln schulpflichtige Kinder das Land, kann es von Vorteil sein, wenn sie im Ausland eine deutschsprachige Schule besucht haben. "Das macht die Rückkehr einfacher", weiß Tings. Weil sich die Systeme ähneln und weil die Muttersprache die Jahre über nicht verlernt wurde.

Keine Unterstützung vom Staat

Dabei muss eine Rückkehr immer selbst finanziert werden, eine staatliche Unterstützung gibt es nicht. "Für viele kann das in einer finanziellen Katastrophe enden", warnt Tings und erzählt von einem Auswanderer, der nach Kanada gegangen ist - ohne entsprechendes Visum. "Er hat hier alles aufgegeben, einige Monate in Kanada gelebt, alles Geld aufgebraucht, gerade noch das Geld für einen Rückflug zusammengekratzt und dann stand er am Flughafen in Deutschland und wusste nicht wohin."

Dazu kommt, dass Auswanderer, die einige Zeit nicht ins deutsche Sozialversicherungssystem eingezahlt haben, nur noch Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben. "Und das auch nur unter der Voraussetzung, dass man in keiner Bedarfsgemeinschaft lebt", ergänzt Tings. Wer also zurück zu seinem Partner zieht, für den muss die Familie aufkommen.

Immerhin hat seit Sommer 2007 wieder jeder Deutsche das Anrecht, in eine deutsche Krankenversicherung aufgenommen zu werden. "Bevor es die Basistarife gab, war es für Rückkehrer immer sehr schwer, eine bezahlbare Versicherung zu finden", sagt Tings.

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