Medien: Deutscher im Ausland auf Antrag der Türkei festgenommen

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Wer Angehörige pflegt, kann künftig seine Arbeitszeit reduzieren und das Zeitkonto später ausgleichen.

Auszeit im Job für Pflege Angehöriger

München - In Zukunft soll es leichter werden, die Pflege von Angehörigen mit dem Beruf unter einen Hut zu bringen. So gibt es ab 2012 erstmals eine Familienpflegezeit. Wie das neue Modell funktioniert und für wen es gilt:

Knapp 2,4 Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit in Deutschland – rund 1,6 Millionen davon werden zuhause versorgt. Zwei Drittel der Berufstätigen wollen laut Allensbach-Umfrage ihre Angehörigen selbst betreuen. Doch in der Praxis lassen sich Beruf und Pflege kaum miteinander vereinbaren – dies gaben zumindest knapp 80 Prozent der Berufstätigen in einer Umfrage an. Mit der neuen Familienpflegezeit will Schwarz-Gelb das Problem entschärfen. Der Bundestag muss allerdings der Neuregelung noch zustimmen.

Wie funktioniert die neue Familienpflegezeit?

Die Familienpflegezeit arbeitet wie die Altersteilzeit mit einem Zeitkonto. Wer künftig für die Pflege von Angehörigen seine Arbeitszeit reduzieren will, kann mit seinem Arbeitgeber eine freiwillige Vereinbarung abschließen. Einen Rechtsanspruch auf Pflegezeit gibt es nicht. Das Gesetz sieht vor, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit maximal zwei Jahre lang auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren können. Ein Beispiel: Der Beschäftigte verringert seine Arbeitszeit auf 50 Prozent. Er erhält allerdings weiterhin 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Nach der Pflegezeit arbeitet der Arbeitnehmer wieder 100 Prozent, bekommt aber weiterhin nur 75 Prozent Gehalt – so lange, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist.

Warum gibt es bei der Arbeitszeit eine Untergrenze von 15 Stunden pro Woche?

Das hat rechtliche Gründe. Ab 15 Wochenstunden gilt eine Versicherungspflicht in allen Sozialversicherungen. Damit ist sichergestellt, dass der pflegende Beschäftigte voll leistungsberechtigt bleibt.

Was passiert, wenn der Arbeitnehmer nach der Pflegezeit nicht ins Unternehmen zurückkehrt?

Ein schlichtes Fernbleiben von der Arbeit wäre ein Vertragsbruch. Der Beschäftigte müsste dann die Lohnvorauszahlungen während der Pflegezeit an den Arbeitgeber zurückzahlen.

Was geschieht, wenn der Beschäftigte wegen Berufsunfähigkeit nicht wieder voll arbeiten kann?

Um dieses Risiko für die Unternehmen auszuschließen, muss jeder Beschäftigte, der die Familienpflegezeit nutzt, eine entsprechende Versicherung abschließen. Die Prämie liegt nach Angaben des Familienministeriums bei einem Bruttoverdienst von 3000 Euro bei etwa 15 Euro im Monat.

Was passiert, wenn das Unternehmen während der Pflegezeit Insolvenz anmeldet?

Durch die Insolvenz wird der Arbeitsvertrag hinfällig. Der Arbeitnehmer muss nichts zurückzahlen – ist aber auch seinen Job los.

Wie wirkt sich die Pflegezeit auf die Rentenversicherung aus?

Ziel der Neuregelung ist es, die Rentenansprüche der pflegenden Angehörigen trotz Arbeitszeitverkürzung etwa auf dem Niveau der Vollbeschäftigung zu halten. So reduzieren sich zwar durch die Pflegezeit die Rentenansprüche. Allerdings erhält der Beschäftigte – abhängig von der Pflegestufe des Angehörigen – einen Ausgleich von der Pflegeversicherung. Geringverdiener können sich sogar besserstellen.

Kann man mehrfach Pflegezeit nehmen?

Ja, sogar unbegrenzt. Voraussetzung für eine erneute Pflegezeit ist allerdings, dass das Konto der vorherigen Pflegezeit ausgeglichen wurde.

Gilt die Pflegezeit nur für die Betreuung der eigenen Eltern oder auch für Schwiegereltern, entferntere Verwandte und gute Nachbarn?

Die Familienpflegezeit kann für nahe Angehörige – also für Eltern, Schwiegereltern, Kinder und Lebenspartner – in Anspruch genommen werden.

Wie schnell lässt sich im Notfall Pflegezeit beantragen?

Dies ist in der Vereinbarung zur Pflegezeit mit dem Arbeitgeber festzulegen.

Von Steffen Habit

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