Auto-Versicherung: Wie sich der Wechsel wirklich lohnt

München - Bis zum 30.11.2009 können Verbraucher in diesem Jahr ihre Autoversicherung wechseln. Mit dem richtigen Tarif lassen sich einige Hunderter sparen. Wir erklären, worauf Sie achten müssen.

Mit immer neuen Tarifmodellen versuchen diverse Anbieter, neue Kunden zu begeistern. Aber vermeintliche Billigangebote enthalten oft nur ein reduziertes Leistungsangebot, attraktive Zusatzleistungen, die in den letzten Jahren zum Standard wurden, werden wieder einkassiert. Bei der Suche nach einer neuen Versicherung sollten Interessenten also nicht nur auf den Preis achten, sondern auch die Bedingungen im Auge behalten.

Darauf sollten Autofahrer bei den wichtigsten Leistungen der Autoversicherungen achten:

- Ausreichende Deckungssumme:

Mit der Police sollte eine möglichst hohe Versicherungssumme abgedeckt werden. Verbraucherschützer empfehlen eine Deckungssumme von 100 Millionen Euro für Sach- und Vermögensschäden sowie acht Millionen Euro pro geschädigte Person.

- Mallorca-Police:

Mit der sogenannten Mallorcapolice sind zusätzlich Mietfahrzeuge im Ausland versichert. Sie übernimmt Schäden, die nicht von einer anderen für den Mietwagen abgeschlossenen Versicherung gedeckt werden. Die Mallorca-Police ist in der Regel in der Kfz-Haftpflichtversicherung enthalten.

- Marderbiss:

Schäden durch Marderbisse sind durch die Teilkaskoversicherung bei vielen Gesellschaften versichert. Je nach Versicherer werden Schäden an Schläuchen, Bremsleitungen, an der Verkabelung oder den Gummimanschetten übernommen. Manche Gesellschaften decken auch die Folgeschäden nach einem Marderbiss ab.

- Neuwertersatz:

Bei Diebstahl oder Totalschaden bekommen Versicherte den Neuwert des Fahrzeuges ersetzt, wenn der Wagen ein festgelegtes Alter noch nicht erreicht hat. Die Altersgrenze liegt je nach Gesellschaft zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Diese Klausel ist für alle Neuwagen empfehlenswert.

- Rabattretter:

Normalerweise wird ein Versicherter nach einem Schaden in eine höhere Schadensfreiheitsklasse zurückgestuft, und die Beiträge steigen dann wieder. Eine Rabattretter-Klausel erlaubt dagegen einen Schaden ohne Zurückstufung in eine höhere Schadensfreiheitsklasse.

- Schutzbrief:

Ein Schutzbrief erweitert die Leistungen der bisherigen Kfz-Versicherung. Zu diesen Leistungen gehören z.B. das Bergen oder Abschleppen des Fahrzeugs nach einer Panne oder einem Unfall, Pannen- oder Unfallhilfe vor Ort, Übernachtung oder Mietwagen bei Fahrzeugausfall und Krankenrücktransport. Die angebotenen Leistungen sind von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich.

- Selbstbehalt:

Wenn der Versicherte eine Selbstbeteiligung in der Kaskoversicherung wählt, muss er sich im Schadensfall mit der vereinbarten Summe an den Kosten beteiligen. Mit einer hohen Selbstbeteiligung kann man einen niedrigeren Beitragssatz erreichen. Die am häufigsten gewählten Selbstbeteiligungsvarianten sind 300 Euro in der Vollkasko- und 150 Euro in der Teilkaskoversicherung.

- Sonderausstattung:

Sonderausstattungen wie CD-Wechsler oder Navigationsgeräte sind bis zu einem bestimmten Neuwert mitversichert. Je nach Geräten sollte die Deckungshöhe bis zu 3000 Euro betragen.

- Werkstattbindung:

Wenn Sie in Ihrer Kaskoversicherung eine Werkstattbindung vereinbaren, müssen Sie Ihr Fahrzeug im selbstverursachten Schadensfall in einer vom Versicherer ausgewählten Werkstatt reparieren lassen. Dafür zahlen Sie dann einen geringeren Beitrag. Die Werkstattbindung gilt aber nur für Kaskoschäden. „Nehmen Sie als Unfallopfer den Versicherer des Gegners in Anspruch, dürfen Sie die Werkstatt frei wählen“ , erklärt die Zeitschrift „Finanztest“ (November-Ausgabe). Bei Neuwagen kann aufgrund der Herstellergarantie allerdings eine Vertragswerkstatt vorgeschrieben sein. Schickt Sie der Versicherer dann zu einer freien Werkstatt, kann sich das negativ auf den Marktwert des Autos auswirken.

- Wildtiere:

In der Kaskoversicherung sind Schäden aufgrund eines Zusammenstoßes mit Wildtieren abgedeckt. Einige Gesellschaften versichern darüber hinaus den Zusammenstoß mit weiteren (Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen) oder sogar allen Tieren.

- Tipp für Nichtwechsler:

„Wenn Sie nicht wechseln wollen, sollten Sie zumindest bei Ihrem Versicherer nachfragen, ob er Ihnen ein besseres Angebot machen kann“, raten die Verbraucherschützer von Finanztest. Wird ein Wechsel in einen anderen Tarif angeboten, „sollten Sie darauf achten, dass Sie mit dem neuen Tarif nicht weniger Leistungen haben als im alten“.

Von Markus Schüren

Sparen im Tarifdschungel

Sparen kann fast jeder, schreibt die Zeitschrift „Finanztest“ auf Grundlage ihrer aktuellen Untersuchung. Auch diesmal haben sich die Angebote der Versicherer seit dem Vorjahr stark verändert. Selbst unter günstigen Versicherungen gibt es Preisunterschiede von 200 Euro und mehr. Die Spanne zwischen dem teuersten und billigsten Anbieter beträgt zum Teil sogar 1000 Euro pro Jahr. Bevor Autofahrer nach einer günstigeren Versicherung suchen, müssen sie entscheiden, welche Schäden sie versichern wollen.

Eine Haftpflichtversicherung muss jeder Halter eines Autos abschließen. Sie übernimmt die Schäden beim Unfallopfer.

Die Teilkaskoversicherung ist zwar nicht Pflicht, oft aber ein nützlicher Zusatzschutz. Sie deckt etwa Diebstahl und Schäden am eigenen Auto durch Unwetter ab.

Die Vollkasko ersetzt zudem sogar selbstverschuldete Schäden am eigenen Auto und Schäden durch Vandalismus. In der Regel ist die Vollkaskoversicherung teurer, weil sie mehr Schutz bietet als die Teilkasko. Nur bei Fahrern, die etwa schon über 20 Jahre unfallfrei fahren, nähern sich die Preise an. Vollkasko lohnt sich vor allem bei neuen und wertvollen Autos. Bis zu welchem Fahrzeugalter eine Voll- oder Teilkaskoversicherung sinnvoll ist, lässt sich aber nicht pauschal beantworten. Hunderte Euro für Kasko auszugeben, um einen Gebrauchtwagen im Wert von 1000 Euro abzusichern, hat wenig Sinn. Wer aber etwa einen fünf Jahre alten Pkw fährt und nicht genügend Geld auf der hohen Kante hat, um sich nach einem selbstverursachten Totalschaden Ersatz zu kaufen, kann Vollkaskoschutz gut gebrauchen.

Finanztest hat 151 Tarife von 79 Versicherungen untersucht. Für mehrere Modellfälle haben die Tester jeweils die günstigsten Angebote ermittelt. Je nach Tarif zahlt zum Beispiel eine junge Modellfamilie von Finanztest für Haftpflicht- und Vollkaskoschutz 481 Euro oder 1592 Euro im Jahr. Ein Modellrentner zahlt für seine Autoversicherung zwischen 305 Euro und 1021 Euro.

Die Testsieger fallen je nach Modellfall verschieden aus. Besonders günstig sind für viele Modellfälle wieder einmal die Basistarife der Direct Line, Europa und deutschen internet. Diese Direktversicherer und Internetversicherer haben keinen Außendienst und sind nur per E-Mail, Telefon bzw. Post zu erreichen, manche sogar ausschließlich per E-Mail.

Abwrackprämie: Gerade diejenigen, die im Jahr der Abwrackprämie einen Neuwagen neu versichert haben, sollten ihren Schutz noch einmal überprüfen, raten die Experten der Stiftung Warentest. Das, was sie beim Autokauf abgeschlossen haben, werde oft nicht das preiswerteste Angebot gewesen sein. Jetzt lohne es sich in jedem Fall, die besten Angebote für 2010 einzuholen.

Rubriklistenbild: © dpa

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